So wandern „Neue Österreicher“ in die Medienlandschaft ein

Das Ziel der biber-Akademie ist es, die journalistische Elite der „Neuen Österreicher“ zu rekrutieren und auszubilden. Am 28. September 2011 wurde das Konzept in Wien der Öffentlichkeit präsentiert.
Mehr als 1,5 Millionen Menschen in Österreichisch sind zugewandert oder kommen aus Familien, die ins Land eingewandert sind. Dies entspricht 18,6 Prozent der Bevölkerung. In Wien hat sogar jeder dritte Einwohner einen Migrationshintergrund – das sind rund 500.000 Menschen, die darauf warten, angesprochen zu werden – unabhängig davon, ob sie serbische, türkische, bosnische, kroatische, bulgarische oder sonstige internationale Wurzeln haben. Über sie liest man in Zeitungen und Magazinen, hört Berichte im Radio oder sieht Beiträge im Fernsehen. Nur in seltenen Fällen jedoch sind es Journalisten mit Migrationshintergrund, die derartige Artikel schreiben oder Beiträge gestalten.
Die biber-Akademie bietet talentierten Jungjournalisten zwischen 18 und 28 Jahren die Chance, einen zweimonatigen, journalistischen Grundkurs zu durchlaufen, der sie auf den Alltag in Zeitungs-, Magazin- und TV-Redaktionen vorbereitet. Die Stipendiaten schreiben Geschichten für das Stadtmagazin biber, verfassen Blogs für die entsprechende Webseite und kommunizieren über die Online-Plattform mit den Lesern. Nach Abschluss des Lehrgangs werden die Journalisten an österreichische Leitmedien weitervermittelt, wo sie noch einmal ein oder zwei Monate Erfahrungen sammeln können. Insgesamt vergibt die biber-Akademie 20 Plätze. Die Stipendiaten erhalten ein monatliches Honorar von 600 Euro. Partnermedien der biber-Akademie sind ORF, Der Standard, Die Presse, Kleine Zeitung, Heute, Wiener Zeitung und Kurier. Die Akademie hat ihren Betrieb am 1. Juli 2011 aufgenommen. Derzeit läuft der zweite Lehrgang.
Hier kann man sich für ein Stipendium in der biber-Akademie bewerben.
Die Zusammenarbeit mit Leitmedien ist für biber-Chefredakteur Simon Kravagna ein wichtiges Element der biber-Akademie. „Medien schreiben gerne über Integration, könnten aber oft schon auch mehr dafür in den eigenen Redaktionen tun. Insofern ist es erfreulich, dass wir mit Partnermedien vom Standard bis zu Heute breite Unterstützung gefunden haben.“
Die Förderung von Journalisten mit Migrationshintergrund ist auch ein Anliegen des Innenministeriums. Anlässlich der Präsentation der Akademie sagte Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz: "Wir unterstützen die Akademie, weil wir überzeugt sind, dass gerade junge Menschen die Möglichkeit brauchen, etwas zu lernen und etwas zu leisten. In der biber-Akademie bekommen junge Menschen mit Migrationshintergrund einen Einblick in journalistische Berufe und sehen, dass es möglich ist, in Österreich etwas zu bewirken und auch eine Meinung zu äußern - ein tolles Projekt!"
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Das Bewerber-Interesse an der Akademie war groß und die Auswahl war hart. Nachdem biber im Heft und auf der Webseite zu Bewerbungen aufgerufen hatte, meldeten sich fast 100 Interessierte. Sie mussten sich in einem Bewerbungsgespräch bewähren und auch schon konkrete Ideen für biber-Geschichten präsentieren. Das typische Profil der Bewerber: perfekte Deutschkenntnisse, Studium (entweder absolviert oder kurz vor dem Abschluss), starkes Bedürfnis selbst mitzubestimmen, wie über Migranten berichtet wird. Die Mehrheit der Bewerber wuchs bereits in Österreich auf. Die Herkunftsländer der Bewerber bzw. ihrer Eltern sind: Türkei, Serbien, Kroatien, Bosnien, Mazedonien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Italien. Auch aus Deutschland bewarben sich einige Jungjournalisten.
Die 25-jährige Jeta Muaremi ist eine der ersten Absolventen der Akademie. Die Mazedonierin mit albanischer Herkunft kam als 7-Jährige nach Österreich und studiert derzeit Germanistik. „Ich habe jetzt mehr Einblick in die Medienbranche und habe auch viele Kontakte geknüpft“, sagt sie. „Mein Eindruck ist, dass sehr wohl nach Menschen mit Migrationshintergrund gesucht wird. Sie bringen ein Insiderwissen mit, das nicht erlernt werden kann.“ Im Verlauf der Akademie fuhr Muaremi nach Pristina in den Kosovo. Dort recherchierte sie, wie sich die neuen Fremdenrechtsbestimmungen auf Menschen auswirken, die zu ihren Familienangehörigen nach Österreich ziehen wollen. Muaremi wird ab Oktober für zwei Monate bei der Kleinen Zeitung arbeiten.
Sponsoren der biber-Akademie:
Bundeministerium für Inneres, Industriellenvereinigung, BAWAG-PSK, Novomatic, OMV
BAWAG PSK
Die Sponsoringschwerpunkte der BAWAG P.S.K. liegen in den Bereichen Kultur, Bildung und Soziales. Die biber-Akademie fällt in die Sparte Bildung und Soziales, weil wir ganz konkret Studienplätze mitfinanzieren. Wir unterstützen die biber-Akademie aber auch, weil uns der biber-Zugang zum Thema gefällt, nämlich mit dieser Aktion junge ÖsterreicherInnen mit Migrationshintergrund als JournalistInnen auszubilden und damit die Perspektive und den Standpunkt, von denen aus über diese Themen berichtet wird, zu verändern.
Zusätzlich zur Lehrgangsfinanzierung bieten wir zwei AbsolventInnen auch die Möglichkeit, in der BAWAG P.S.K. im Bereich Kommunikation und Sponsoring ein Praktikum zu absolvieren, um erste Erfahrungen in einem Unternehmen der Finanzbranche zu sammeln. Das bedeutet eine echte win-win-Situation für beide Seiten.
Jungen ÖsterreicherInnen mit Migrationshintergrund neue Chancen in der heimischen Wirtschaft zu eröffnen, ist uns ein großes Anliegen, das wir sehr gerne unterstützen.
Rudolf Leeb, Leiter Sponsoring & Community Affairs der BAWAG P.S.K.
NOVOMATIC AG
"Novomatic will zu einer lebendigen Zivilgesellschaft beitragen und unterstützt daher die Akademie für Nachwuchsjournalisten beim multikulturellen Stadtmagazin biber. Journalisten mit migrantischem Background bringen eine neue, längst überfällige Sichtweise auf die festgefahrene Integrationsdebatte in Österreich ein".
Dr. Franz Wohlfahrt, Generaldirektor Novomatic AG
INDUSTRIELLENVEREINIGUNG
„Österreich ist ein vielfältiges Land. Eine verstärkte Repräsentanz von Migrantinnen und Migranten in Österreichs Medien ist daher ein wichtiges Ziel, um sich dieser Vielfalt bewusster zu sein und diese erlebbar zu machen. Die Industriellenvereinigung unterstützt daher gerne das Projekt „biber-Akademie“, durch die ein wichtiger Teil der zukünftigen journalistischen Exzellenz Österreichs rekrutiert, ausgebildet und gefördert wird.“
Mag. Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung
Partnermedien der biber-Akademie:
ORF, Der Standard, Die Presse, Kleine Zeitung, Heute, Wiener Zeitung, Kurier
Rückfragehinweis:
Bratic Monika, BA
bratic@dasbiber.at
Wir danken unseren Sponsoren: