Alles koscher, oder was?

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Gespräche unter Palmen
Nada El-Azar

In der tropischen Schwüle eines Wiener Palmenhauses fanden sich Juden und Muslime bei einem gemeinsamen Essen zusammen, um Vorurteile abzubauen.

„As-Salamu Aleikum!“ – „Shalom Aleichem!“ mit diesen Worten begrüßten sich in den Blumengärten Hirschstetten Juden und Muslime bei einem Treffen anlässlich des muslimischen Opferfests. Initiiert wurde das vom Projekt Dibur/Sochba von der Online-Zeitung Die Jüdische und der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen (IMÖ).

 „Als wir vor einem Jahr mit unserem Projekt begonnen haben, fiel uns die Sprachlosigkeit zwischen den jüdischen und muslimischen Gemeinden auf. Deshalb wollten wir genau an diesem Punkt beginnen“, so Samuel Laster von der Jüdischen. Zuletzt wurde über das Projekt ein Tag in Bratislava organisiert, wo in Rundgängen sowohl jüdische, als auch muslimische Glaubensstätten besucht wurden. Das Projekt Dibur/Sochba soll allerdings kein religiöses, sondern vielmehr ein Zivilgesellschaftliches sein, sagt Tarafa Baghajati von der IMÖ.

Hört man „jüdisch-muslimisch“ tritt oft als allererster Gedanke der schwierige Nahostkonflikt in die Köpfe der Menschen, so Baghajati  bei der Begrüßung der Gäste im Ostteil des Palmenhauses der Blumengärten Hirschstetten. Unter dem Motto „Abrahams Kinder“ wollte man sich auf die gemeinsame Tradition und den Ursprung der Religionen berufen. Offizielle Vertreter der Religionsgemeinden, wie der Oberrabbiner Arie Folger von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) Ibrahim Olgun, sowie Gläubige und Neugierige nahmen an der Veranstaltung teil.

Beim Essen kommen die Leut‘ z’sam‘

Ein großes Buffet soll dazu beitragen, sich beim Essen unter hohen Palmen näherzukommen und beidseitige Vorurteile und Antisemitismus im Dialog zu bekämpfen. Dass eine derartige menschliche Wärme und Tiefe dabei erreicht wurde, hätte sich selbst Initiator Samuel Laster niemals erträumen können. Alle Speisen waren übrigens streng koscher, was sich auch mit den Speisevorschriften der muslimischen Gäste vereinbaren lässt. Die Betonung der gemeinsamen Anliegen der Religionsgemeinden ließ das Thema Nahostkonflikt so gut wie vollständig beiseite - in Fragen des Schächtgebots, sowie der Knabenbeschneidung beispielsweise sind sich die Vertreter beider Gemeinschaften einig. Ein Ziel für die Zukunft ist es, einen dauerhaften Kontakt zwischen ihnen aufzubauen, statt den nur zeitweise auftretenden Koalitionen in religiösen Angelegenheiten.

Carla Amina Baghajati, Frauenbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft, fand großen Gefallen an der Leichtigkeit, mit der das Treffen stattfand. Mit dem Projekt sollen auch in Zukunft noch viele Begegnungen zwischen Juden und Muslimen stattfinden. „Nun sind wir dabei etwas, das sehr klein begonnen hat, nicht nur in andere Regionen Österreichs zu tragen, sondern erheben auch den Anspruch im europäischen Kontext Zeichen zu setzen", sagt Samuel Laster abschließend zu diesem gelungenen Treffen.

 


 

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