Apotheker wehrt sich gegen Kopftuchbeschwerde

28. Januar 2016

In der Ruhrgebietsstadt Bochum echauffierte sich eine Kundin über eine Apothekerin mit Kopftuch. Ihr Chef lässt sich das nicht gefallen und verbannt die Pöblerin aus dem Laden. Mit deutlichen Worten.

Da kann man nur den Kopf schütteln. Nachdem eine Frau in der Ruhrgebietsstadt Bochum (Bundesland Nordrhein-Westfalen) von einer kopftuchtragenden Apothekerin bedient wurde, beschwerte sich die Kundin bei Jens Beuth.

Der Chef des Ladens hat eine E-Mail von der empörten Kundin bekommen, die sich (mit Rechtschreibfehlern) absurd lesen lässt:

„Da ich mit Erschrecken fest stellen musste, dass Sie ein Mitarbeiterin mit muslischem Kopftuch beschäftigen, haben sie mich und meinen Mann als Kunden verloren. Wir können es definitiv nicht akzeptieren, dass mir durch diese Person nonverbal mitgeteilt wir, ich präsentiere mich also Sexualobjekt und dass meinen Mann unterstellt wird, dass er schon geil wird, sobald er ein paar Haare sieht. Integration läuft auf jeden Fall anders!“ In Zukunft werde sie ihre Medikamente nur noch bei der Konkurrenz kaufen, so die Frau abschließend.

Fassungslos

Über diese Diskriminierung zeigte sich Jens Beuth, der selbst seit 20 Jahren mit einer Mexikanerin verheiratet ist, fassungslos. Gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung sagte der Bochumer: „Ich habe mich einfach nur so geärgert, als ich diese Mail gelesen habe und wollte das nicht so stehen lassen.“ Auf Facebook antwortete Beuth auf die E-Mail mit klaren Worten, wofür er nun gefeiert wird. Hier ein Auszug aus seiner E-Mail:

Das Leben ist zu kurz, um andere zu kritisieren, Druck auszuüben u.ä. Ich beschäftige Christen, Muslime und Atheisten, dicke, dünne, große und kleine Frauen und Männer, von jung bis alt, blond bis schwarzhaarig, lange, kurze und auch ohne Haare! Wir haben Autofahrer/innen, Motorradfahrer/innen und nichtmotorisierte Mitarbeiter/innen, tätowierte, gepiercte, hellhäutige und Menschen mit dunklerer Hautfarbe. Ich freue mich sehr, dass Sie selbst einsehen, beim nächsten mal in eine andere Apotheke zu gehen, da Sie bei uns definitiv nicht erwünscht sind. Ihr bestelltes Medikament dürfen Sie gerne bei uns abholen, wir erstatten Ihnen aber auch gerne den Betrag und geben Ihnen das Rezept zurück, falls Sie das Medikament lieber in einer "kopftuchlosen" Apotheke erwerben wollen. Und ja, Integration läuft anders, zumindest als Sie denken! Aber vielleicht möchten Sie sich ja noch selbst in Zukunft in die Gesellschaft integrieren und damit aufhören zu intrigieren!

P.S.: was ist eigentlich ein muslisches Kopftuch???“

Innerhalb von nur ein paar Tagen wurde der Post tausendfach geteilt. Viele fremde Menschen haben ihm bereits eine Freundschaftsanfrage geschickt.

 

 

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