Austro-Türke rechnete mit Strache ab:"Gastarbeiter,die sich alles gefallen lassen,gehören zur Vergangenheit!"

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Austro-Türke rechnete mit Strache ab:"Gastarbeiter,die sich alles gefallen lassen,gehören zur Vergangenheit!"
Foto: Muhammed Yüksek; Auf diesem Foto "türkisiert" er den Sitz von Norbert Hofer - Sitz Nr.9

Streit um Wahlrecht bei Doppelstaatsbürgerschaften eskaliert - Heinz Christian Strache sprach sich gegen die Teilnahme von türkischen Doppelstaatsbürgern an der Nationalratswahl aus. Der Austro-Türke, Muahmmed Yüksek ließ sich die Forderung des FPÖ-Chefs nicht gefallen. Er schrieb einen offenen Brief und rechnete sich mit ihm ab. Der Politaktivist meint im Biber-Interview:"Ich bin für ein Wahlrecht ab 5 Jahren Wohnsitz in Österreich"
biber: Du wirfst dem FPÖ-Chef in deinem Brief auf Facebook hinter “Scheinlisten verdeckter Türkenhass” vor. Es ist nicht das erste Mal, dass FPÖ für den Wahlkampf Türken oder Muslime instrumentalisiert. Warum hast du gerade jetzt mit einem offenem Brief an ihn gewendet?
Yüksek: Das ist eine berechtigte Frage, da ich seit zehn Jahren schon seine rechtspopulistischen Themen anhöre und seine Nähe zu nationalsozialistischen Gedankengut mittlerweile auch kein Geheimnis mehr ist. Wir können einfach nicht tatenlos zusehen wie Hass und Hetze betrieben wird und immer mehr Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Religion negativ angesprochen oder attackiert werden. Ich erinnere nur an die Wahlplakate oder die permanenten Invasionsphantasien. Seit Jahren präsentiert man ein Wahlprogramm, in dem es nur um die "bösen Muslime“ geht und keine Inhalte präsentiert werden. Heute sehen wir leider, dass die Hetze in der Gesellschaft größtenteils angekommen ist. Mein offener Brief war eine Reaktion auf die vergangenen Jahre und die absurde Idee, dass man die Teilnahme an der Wahl sogenannten „Doppelstaatsbürgern“ verwehren will, wo noch nicht einmal eine abgeschlossene Überprüfung durch die Behörden erfolgt ist. 
Seit einigen Monaten werden Namenslisten "türkischer Scheinstaatsbürger" in Österreich von verschiedenen Leuten politisch instrumentalisiert, wo es eigentlich auch illegale Doppelstaatsbürgerschaften von Menschengruppen anderer Herkunft gibt. Wie analysierst du diese Lage? 
Diese Thematik wurde ja zuerst von Peter Pilz aufgegriffen und in weitere Folge von Strache. Auch die Kehrtwendung von Pilz war dann zu spät. Dank den beiden sind 100.000 Menschen und deren Familienmitglieder in Angst und Unruhe versetzt worden. Viele haben durch diese „Scheinlisten-Debatte" die türkische Botschaft von Innen kennengelernt, weil sie eben nicht wissen, ob sie überhaupt eine türkische Staatsbürgerschaft besitzen. Wie auch schon der Leiter der MA 35 erwähnt hat: Auskünfte über angenommene Staatsbürgerschaften werden nicht nur von der Türkei verweigert. Die USA, Russland oder auch Kanada geben Österreich keine Auskünfte diesbezüglich. Wir leben in einem demokratischem Rechtsstaat und Entscheidungen werden nicht von Strache getroffen. Er ist nicht das Volk (lacht). 
Du erwähnst im Brief, dass Austro-Türken bei dieser Wahl dem FPÖ erst recht einen Denkzettel verpassen werden. Wie hast du dir das vorgestellt?
Ich merke in meinem Umfeld und auf sozialen Medien, dass Menschen die politische Entwicklung in Österreich sehr wohl verfolgen. Sie mobilisieren sich gegenseitig, empfehlen Personen die in bestimmten Parteien kandidieren, um eben Strache und Kurz zu verhindern. Die GastarbeiterInnengeneration, die alles mit „ja ja“ beantwortet und sich aufgrund der Sprachdefizite alles gefallen lassen haben, sind Vergangenheit und diese Realität stört Strache. Ich sehe tüchtige, selbstbewusste, junge Frauen und Männer, die sich dem stellen und nichts mehr sagen lassen. Sie gehören ja auch hierher.  
Manche nicht-österreichische Staatsbürger finden es undemokratisch, dass sie keinen Wahlrecht haben, obwohl sie fast schon ihr ganzes Leben lang in Österreich leben und all ihren Verpflichtungen in der Gesellschaft nachgehen. Wie siehst du das?
Ich sehe kein Problem darin. Menschen, die ihr ganzes Leben in Österreich verbracht haben, hier arbeiten und studieren etc. sollten auch das Recht auf Mitbestimmung haben und eben wählen gehen. Aber ich bin für ein Wahlrecht ab 5 Jahren Wohnsitz in Österreich. 
Eine persönliche Frage: Im Brief teilst du die Ansicht, dass Austro-Türken oder Muslime ein Teil der Gesellschaft sind. Könntest du vielleicht denjenigen, die das nicht verstehen wollen, kurz erklären, was dich mit Österreich verbindet?
Ich weiß nicht, in welcher Parallelgesellschaft der Strache lebt. Er soll sich aber mal trauen, die öffentlichen Plätze zu besuchen. Da wird er schnell feststellen, dass Jugendliche gemeinsam kicken, lernen und Spaß haben. Herkunft spielt dabei keine Rolle. Ich liebe Österreich, sowie ich auch die Türkei liebe. Ich werde mich nicht zwischen Mama und Papa entscheiden. Meinen vier-wöchigen Urlaub mache ich in der Türkei und habe spätestens nach drei Wochen wieder Heimweh. Noch ein Zitat: Heim ist dort, wo Herz und Seele zu Hause sind. 
Von den Kommentaren in den Social Networks kann man feststellen, dass du neben vielen Positiven auch negative Reaktionen wegen deinem Brief bekommst. Wie reagierst du drauf?
Wir dürfen uns durch solche Hasspostings nicht einschüchtern lassen und schon gar nicht mit demselben Ton antworten. Ich habe einen dieser sogenannten Hassposter öffentlich auf einen Kaffee eingeladen. Er hat dann auch öffentlich auf meine Einladung zugestimmt. Danach hat er seine gesamten Kommentare entfernt. 
Hast du vielleicht noch eine Message, was Politik und diesen Wahlkampf betrifft?
Meine Message an alle Mitbürger: Vergesst die selbstverliebten Politiker, die nur auf ihre One-Man-Show konzentriert sind. Informiert euch! Lasst euch nicht vorschreiben, wer gut und wer böse ist! Redet miteinander und versucht einander zu verstehen. Ich würde allen empfehlen, egal ob man eine Staatsbürgerschaft besitzt oder nicht, sich für die Politik in Österreich zu engagieren. 

Der offene Brief von Muhammed Yüksek an Heinz Christian Strache:

Muhammed Yüksek ist das klassische Kind einer Arbeiterfamilie. Nach der polytechnischen Schule machte er eine Lehre. Seit ca. 6 Jahren ist Muhammed Angestellter und spät aber doch bald Maturant (Berufsreifeprüfung). Darauf ist der Politaktivist stolz, da er das neben Beruf und Familie und mit der Unterstützung seiner Frau geschafft hat.

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