Dann bin ich eben eine Basic Bitch, na und?

Was zu meiner Schulzeit Moncler-Jacken und Longchamps-Taschen waren, sind heutzutageThrasher -Pullis und Netzstrumpfhosen: Die Uniform der sogenannten Basic Bitch. Wenn ihr mich fragt, geht der Trend-Diskurs eh in eine positive Richtung. Weniger (offensichtliches) Papi-Money und mehr Wannabe-Rebellen. Aber darüber sprechen wir heute nicht. Denn: Egal, ob UGG-Boots-Michael-Kors-Starbucks-Kombi oder Plateau Vans-Choker- und Championpulli-Schiene – Trägt man nur eines dieser Merkmale, ist man gleich eine Basic Bitch. Dabei ist der Ausdruck „Bitch“ schon das erste Problem.

Ikea-Lightboxen und Unicorns

Es kommt ja nicht von ungefähr, dass mehrere Menschen denselben Style, dieselbe Musik und einfach dieselben Dinge cool finden. Mit dem Instagram-Sternchenfilter schaut man eben schöner aus, das haben wir alle gecheckt, war ja auch der Sinn davon. Das bedeutet strenggenommen ja nur, dass wir einen bestimmten Trend ästhetisch ansprechend finden – Weil etwas gut klingt, gut schmeckt oder schön aussieht. Natürlich ist diese Wahrnehmung subjektiv, aber es gibt eben Erscheinungen, auf die fast alle stehen. Und das macht uns schnell „basic“, wie es heutzutage so schön heißt. Ich will niemanden anprangern. Ich bin selbst nicht besser. Wer im Glashaus sitzt und so.  Wie oft habe ich mir schon gedacht „Wow, was für eine Basic Bitch“. War es das Outfit, waren es die „The world is a book and those who don’t travel, read only one page“- Zitate auf Instagram, oder diese Ikea-Lightbox mit „I Love Unicorns“-Schriftzug.

Netzstrümpfe oder nuttiger Schinken?

Und gleichzeitig habe ich mir Netzstrumpfhosen zugelegt, obwohl ich mir zuerst nicht sicher war, ob ich damit nicht aussehe wie ein nuttiger Schinken, und wenn es meine Geldbörse zulassen würde, würde ich den halben Urban Outfitters leerkaufen. Wenn ich die nötigen Skills hätte, würde ich diese Kardashian-Boxerzöpfe öfter tragen. Wieso? Weil ich diese Klamotten und Frisuren auf Instagram&Co sehe, und sie mir gefallen. Weil ich in die Zielgruppe falle. Wieso ich ein rosegold-farbenes iPhone habe? Weil ich es schön finde. Wieso ich Rapmusik höre, die 14-Jährige Migrantenjungs feiern? Man weiß es nicht, aber das ist ein Thema für nächstes Mal. Was ich damit sagen will: Dann bin ich eben eine Basic Bitch. Von mir aus. Sind wir eh alle. Egal, ob LV-Tussi, Septum-Alternativchen, oder Fair-Trade-Vegan-Liebhaberin: Egal von welcher Seite, in irgendeine „basic“-Fraktion fallen wir eh alle. Es gibt auch die, die "anders" sein wollen - Keine Sorge, für euch gibt es auch eine "Basic Hipster"-Schublade. Keiner bleibt verschont.  

Also: Lasst uns unsere UGG-Boots, unsere Thrasher-Pullis, unseren Matcha und unsere #blessed-Hashtags. Wir werden uns weiterhin als basic abstempeln, obwohl jeder von uns irgendwie basic ist. Wir haben 2017, keine(r) wird mehr das Rad neu erfinden. Und das ist auch nicht schlimm. Weil: Das sind nur verdammte Äußerlichkeiten. Man kann sich herrichten und richten, wie man will. Innerlich gestaltet sich das Ganze schon viel schwieriger. Solange sich kein „basic“ Charakter bildet, der uns alle gleich macht, können wir doch mit 20 Chokern und 25 Starbucks-Bechern herumlaufen. Bis der nächste Trend kommt. 

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