Ksenia - Die emotionale Stimme Russlands

Die russische Sängerin Ksenia Skorokhodova (27) hat schon immer von großen Opernbühnen geträumt. Zurzeit bereitet sie sich für ein Weihnachtskonzert in der Cairo Oper vor: mit der Cairo Symphony Orchestra zu singen ist ein großer Schritt in ihrer Karriere. Wie sie in Wien gelandet ist und was ihr größtes Ziel ist, verrät sie uns im Interview.

BIBER: Ksenia, es ist zwar kein Wunder, dass sich eine junge Opernsängerin für ein Leben in Wien entscheidet, doch Dich hat etwas anderes als Musik hergebracht. Wie hast Du denn Deinen Mann Markus kennengelernt?

KSENIA: Ich war mit meiner Mutter und Tante im Urlaub in Bulgarien und dort hat er mich in einem Eissalon angesprochen. Der Eislöffel war kaputt und er hat gesehen, wie ich damit kämpfe ­– er ist zu mir gekommen und hat seine Chance genützt. (lacht)

In welcher Sprache habt ihr euch unterhalten?

Damals habe ich Italienisch gelernt. Englisch konnte ich kaum und auf Deutsch nur ein paar Wörter. Google-Übersetzer und die Körpersprache waren damals unsere einzige Lösung. Trotzdem haben wir uns super verstanden!

Uh, das kann aber auch gefährlich sein! Ist euch schon mal passiert, dass ihr dem Anderen etwas Falsches gesagt habt?

Doch, und nicht nur einmal ­– gleich am ersten Tag habe ich ihm fälschlicherweise gesagt, dass ich mit meiner Tochter im Urlaub bin. Ich war damals sehr jung und er hat mich deswegen komisch angeschaut. Dann wusste ich, dass ich etwas falsch gesagt habe. Ich habe das Wort Tochter mit Tante verwechselt. (lacht)

Wie ist es dann weitergelaufen? Musste er sich sehr anstrengen, um Dich zu gewinnen?

Die Sympathien waren vom Anfang an gegenseitig, aber ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch was die Liebe angeht. Ich möchte mich nicht in jemanden verlieben, der es nicht ernst meint. Deshalb hat es einige Zeit gedauert, bis sich unsere Freundschaft in eine Beziehung entwickelte. Aber seitdem wir uns verliebt haben, ging alles sehr schnell. Er hat mich nach ein paar Monaten in St. Petersburg besucht, dann bin ich nach Wien gekommen, habe seine ganze Familie kennengelernt und nicht lange danach hat er mir einen Antrag gemacht.

hochzeit, ksenia skorokhodova, liebe
Foto: Mike Raab

Konntest Du schon fließend Deutsch sprechen als ihr geheiratet habt?

Ich muss sagen, ich habe Deutsch ziemlich schnell gelernt. Ich habe alleine die ersten zwei Niveaus geschafft, dann habe ich einen B1 Kurs besucht und dort wollten sie nicht glauben, dass ich nie in Deutschland oder Österreich gewohnt habe. Die Lehrerin meinte, dass ich sprachenbegabt sei.

Sprachen- und musikbegabt. Du Glückspilz!

Naja, das ist aber in dieser Branche gar nicht genug, um erfolgreich zu werden. Es gibt viele andere Faktoren, wie zum Beispiel Beziehungen mit den „richtigen“ Menschen, aber vor allem hartes Training. Singen ist wie Sport – wenn du länger deine Stimmbänder nicht trainierst, verlierst du langsam die hart erarbeiteten Fähigkeiten.

Was war die längste Zeit, in der du nicht gesungen hast?

Ich singe jeden Tag! Es gab keine längere Zeit, vielleicht eine Woche, wenn ich krank war. Gesang ist ein ganz feines Instrument, vor allem am Anfang. Wenn man schlechte Technik erlernt, kann man sich, genau wie beim Sport, verletzen.

Freut sich Dein Mann, dass du jeden Tag singst? Was macht er eigentlich beruflich?

Markus ist Informatiker, aber hat auch Konservatorium abgeschlossen – er spielt Trompete und ist sehr talentiert. Er spielt in einer Musikkapelle und in einer Jazz Band, ab und zu begleitet er auch mich und andere Musiker. Im Jänner werden wir sogar zusammen mit einem Pianisten auf der Burg Plankenstein auftreten. Dort haben wir geheiratet.

Unterstützt er Dich beim Singen?

Meine Eltern und Markus sind meine größten Fans. Wenn ich an mich zweifle, erinnert er mich an meinen Wunsch und daran, dass dieser Weg schwer ist. Er versteht das Ganze sehr gut und steht mir immer bei.

Ist deine Familie auch musikalisch?

Nein, ich bin die Einzige. Wir sind auch nie ins Theater gegangen, aber als ich 6 Jahre alt war, wollte ich unbedingt Geige spielen. Das war mein erster Kontakt mit Musik und dann habe ich in einem Chor mitgesungen, wo mich meine damalige Lehrerin entdeckte. Sie hat sich in meine Stimme verliebt und hat viel Zeit in mich investiert. Ich bin ihr dafür sehr dankbar.

Wie haben Deine Eltern darauf reagiert?

Sie haben mich immer unterstützt und an mich geglaubt. Ich bin nicht in den besten Zeiten und in dem sichersten Bezirk aufgewachsen. Deswegen waren sie froh, dass ich beschäftig bin und dass es mich glücklich macht.

ksenia skorokhodova, winter, tee
Foto: Ksenia Shibaeva

Wann hast Du Dich für klassische Musik entschieden?

Ich wusste schon immer, dass es klassischer Gesang sein wird. Ich hab zwar als Teenager auch mit Pop experimentiert, aber mein Kindheitstraum war in der Oper zu singen.

Widmest Du Dich heute also nur dem klassischen Gesang oder singst Du ab und zu auch etwas anderes?

Manchmal eine Kombination von Jazz und Oper. Richtigen Pop mag ich nicht mehr singen. Ich habe mich für Klassik entschieden und es ist mir nicht wichtig, wie viel ich damit verdiene. Klassische Musik bedeutet für mich reine Liebe und das bringt mich weiter. Ich glaube nicht, dass es funktioniert, wenn man dabei an Geld denkt.

Denkst Du, dass es für Dich einfacher wäre in Russland erfolgreich zu werden als in Österreich?

Das ist schwer zu sagen, für mich scheint es gleich zu sein. Natürlich kenne ich mehr Menschen in Russland und hier musste ich Kontakte von null aufbauen, aber auf der anderen Seite habe ich extrem viel gelernt, seitdem ich hergekommen bin.

Ist es ein großer Druck auf der Bühne zu stehen?

Ja, aber der motiviert mich und macht mich glücklich. Wenn Du auf der Bühne stehst, gehört sie Dir, der Moment ist Deiner. Du musst zeigen, was du kannst und es gibt keine Technik, die deinen Auftritt und deine Stimme verschönern könnte. Meine Gefühle sind immer eine Mischung aus Freude, Verantwortung und Adrenalin.

Wer ist Dein Lieblingskomponist?

Viele… Zurzeit singe ich gerne zum Beispiel Mozart, Puccini, Tschaikowsky, oder Dvorak. In Wien wurde meine Liebe zu Operetten geboren - die habe ich früher gar nicht gesungen.

            Was ist im Moment Dein größtes musikalisches Ziel?

Mein größtes Ziel ist die Wiener Staatsoper. Im Moment konzentriere ich mich auf die Vorbereitung für die Annahmeprüfung an der Universität für Musik. Wien ist eine besondere Stadt und das ist eine besondere Universität, an der Sänger und Sängerinnen aus der ganzen Welt studieren wollen. Österreich ist klein und die Konkurrenz ist sehr stark. Aber so ist auch mein Wunsch.

Weitere Informationen über Ksenia, sowie auch ihre nächsten Auftritte sind unter www.kseniaskorokhodova.eu zu finden.

Blogkategorie: 

Das könnte dich auch interessieren

SPÖ
In sechs Wochen wählt Niederösterreich...
Feminismus, Frauen, Gewalt gegen Frauen, PolitikerInnen, Frankreich
Letzten Mittwoch empfing die Stadt Wien...
Frauen, Frauenvolksbegehren, Feminismus, Maxi Blaha
Gestern wurde am Heldenplatz von...

Anmelden & Mitreden