Dürfen nicht-afrikanischstämmige Menschen Cornrows & Co. tragen?

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Alyssa Milano
Screenshot: https://www.instagram.com/milano_alyssa/

Wenn weiße Frauen traditionelle afrikanische Flechtfrisuren tragen und Fotos davon auf ihren Socia Media-Kanälen posten, kommt es in den Kommentaren meistens zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Hauptthemen sind hierbei Respektlosigkeit, afroamerikanische Geschichte, Verbote und die Freiheit zu tragen, was man will.

 

Die Schauspielerin Alyssa Milano, ihr kennt sie vielleicht noch als Phoebe Halliwell aus „Charmed- Zauberhafte Hexen“, wurde letzte Woche sehr heftig auf ihrem Instagram-Profil kritisiert. Der Grund? Sie hat es gewagt, als nicht-afrikanischstämmige Frau, auf einem Foto sogenannte Cornrows zu tragen. 

Von einigen schwarzen Frauen wird sie in den Kommentaren deswegen als Dummchen, das damit nur einen auf „ghetto“ machen will, beschimpft. Auch über die Blicke der Menschen im Hintergrund machen sich die Instagram-Nutzer lustig. Andere farbige User verteidigen die Schauspielerin allerdings und schreiben, dass jeder diese Frisur tragen kann, wenn sie einem gefällt. Nicht nur Alyssa Milano wird beleidigt. Die Social Media-User versuchen sich gegenseitig von ihren eigenen Standpunkten zu überzeugen und geraten aneinander:

 

Was sind Cornrows genau?

Unter Cornrows versteht man einen Haarstyle, bei dem die Haare an der Kopfhaut entlang geflochten werden. Unterschiedliche Flechtfrisuren sind tief in der afrikanischen Kultur verankert und werden deswegen hauptsächlich mit ihr assoziiert, auch wenn einige meinen, dass die Zöpfe auch schon lange in anderen Teilen der Welt beliebt waren.

 

Das ewige Drama um die dunkle Mähne

Warum kann eine Flechtfrisur so viel Aufsehen erregen und so enorm polarisieren? Schwarze Frauen machen in dieser hitzigen Diskussion darauf aufmerksam, dass sie es respektlos finden, wenn sich nicht-afrikanischstämmige Leute einen "Teil ihrer Kultur" für Modezwecke zu eigen machen. Stichwort: "cultural appropriation". Vor allem da die schwarze Community in den Vereinigten Staaten, in ihrer von Rassismus geprägten Geschichte, neben der Hautfarbe auch zusätzlich wegen ihrer Haare diskriminiert wurde. Afrolocken und afrikanische Flechtfrisuren passten eben nicht in das europäische Schönheitsideal. Je glatter, desto eher wurde man von der rassistischen Gesellschaft akzeptiert. In den 60er und 70er Jahren machten schwarze Amerikaner den Afro-Look gemeinsam zu einem Symbol des Widerstandes gegen die Diskriminierung. Sie wollten damit auf eine sichtbare Weise ihre Verbindung zu ihren Wurzeln und ihren Stolz für ihre Herkunft demonstrieren, wofür sie allerdings auch attackiert und manchmal sogar von Polizisten festgenommen wurden. Zeitgleich eröffneten Menschen aus der Community sogenannte „Exotic Beauty Salons“, in denen Farbige ihre Haare auf verschiedene Arten flechten lassen konnten.

 

Zu ghetto“ für Universitäten und Arbeitgeber

In den 90ern wurden Cornrows und andere in Afrika beliebte Flechtfrisuren durch schwarze Künstler wie Lil' Bow Wow, Snoop Dogg, Xzibit und Ludacris zu einem Symbol für die Hip-Hop-Kultur. Für normale Bürger bedeuteten diese Hairstyles allerdings nur Diskriminierung und Vorurteile. Einige Universitäten und Arbeitgeber haben Cornrows und Dreadlocks als „unprofessionell“ erklärt. Also direkt übersetzt als „zu ghetto“. Auch an manchen Schulen wurde Schülern deswegen sogar mit Suspendierungen gedroht. Dass es hier um die Verbindung zur Heimat und Kultur geht, wurde einfach ignoriert.

 

Frisur für alle?

Im letzten Jahr wurden die Braids durch Promis und Instagram-Bekanntheiten zu einem Trend, der es sogar in die Modemagazine schaffte. Das sorgte aber eben schon 2016 für Aufruhr, besonders in der afroamerikanischen Community. Mit ihrem Foto hat Alyssa Milano erneut Öl ins Feuer gegossen und sich kurz danach auf Twitter dafür rechtfertigen müssen. Sie hat damit niemanden beleidigen wollen. Wie schon erwähnt, verstehen andere Leute, darunter auch schwarze Frauen, die Empörung darüber nicht ganz:

Yes, no, maybe?

Die gegensätzlichen Meinungen zu diesem Thema werfen Fragen auf. Kann eine Community bzw. eine Kultur eine Frisur wirklich „besitzen“ und darüber entscheiden, wer sie tragen darf und wer nicht? Sollten schwarze Frauen sich jetzt nie wieder die Haare glätten oder blondieren, damit ihnen keiner unterstellen kann, dass sie sich für ihre Herkunft schämen würden? Was ist, wenn ihnen diese Frisuren wirklich "einfach nur gefallen"? Genau wie nicht-afrikanischstämmigen Frauen die traditionellen Flechtfrisuren aus Afrika gefallen könnten. Sollte man sich nicht so kleiden und stylen dürfen, wie man es möchte? Für diese Rechte haben die Frauen doch damals auch gekämpft und jetzt soll es anderen Frauen verboten werden, weil es eben nicht „ihre Rechte“ sind? Sollte man die Wünsche und Meinungen der farbigen Frauen aber vielleicht doch einfach respektieren? Immerhin finden sie es beleidigend und das kann nicht ignoriert werden. Jeder wird hier etwas anderes sagen. Es ist ein Thema, bei dem man wahrscheinlich keine „richtigen“ Antworten finden wird.


Was denkt ihr darüber?

 

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