Game2: Winter. Die echten Hunger Games aus Russland?

Game2: Winter. Die echten Hunger Games aus Russland?

 

In den letzen Tagen bin ich im Internet auf eine Meldung gestoßen, die auf den ersten Blick sehr fragwürdig zu sein schien. Es geht um eine Reality Show, welche sich den Film “The Hunger Games” als Vorbild nehmen sollte.

 

reality show game2:winter russland
Screenshot Instagram @game2winter

 

Game2: Winter

Der russische Entrepreneur Jewgeni Pyatkowski hat vor, eine Reality Show zu produzieren, in der 30 Freiwillige neun Monate in Sibirien ums Überleben kämpfen sollten. Kämpfe, Mord, Vergewaltigung - alles sei möglich. Dabei sollte es den Teilnehmern klar sein, dass, wenn sie ein Verbrechen begehen, sie von der russischen Polizei verhaftet werden. 15 Frauen und 15 Männer werden an dem Programm teilnehmen. Sie werden von 2000 Kameras beobachtet. Jeder  Teilnehmer wird zusätzlich eine eigene Kamera mit dabei haben, die seine Schritte ständig mitverfolgen wird. 100 Kilogramm Ausrüstung und ein Messer sind erlaubt, andere Waffen jedoch ausgeschlossen. Mit Hilfe des Messers sollen die Kandidaten jagen und sich gegen andere Teilnehmer, Wölfe und Bären verteidigen. Die Spieler werden vor Beginn des Programms von ehemaligen Soldaten der russischen Spezialeinheit Speznas in Überlebenstechniken trainiert. Am Ende bekommt der Sieger ein Preisgeld von 100 Millionen Rubel, was umgerechnet knapp anderthalb Millionen Euro ausmacht. Es gibt eine Rechteabtretung, die von allen Teilnehmern unterschrieben werden muss. Diese schließt jegliche Haftung seitens der Veranstalter aus. Es wird jedenfalls einen Panik-Knopf geben, der jederzeit gedrückt werden kann. Eine halbe Stunde später wird ein Rettungshubschrauber ankommen, der den Teilnehmer ausfliegt. Das Betätigen des Knopfes bedeutet das Ende des Spiels und der Betätiger darf nicht mehr zurück.

 

Die echten “Hunger Games”?

Viele Medien behaupten, dass es sich bei “Game2: Winter” um eine echte Version der Hunger Games handelt. Zur Erinnerung: Der Film “Hunger Games” handelte von einer fiktiven Welt, in der Menschen aus der Unterschicht in einer Art moderner Gladiatorenkämpfe gegeneinander antreten. Am Ende gab es nur einen Gewinner - den letzten Überlebenden. 

 

Am Anfang dachte ich, dass es sich bei dieser Geschichte um einen Scherz oder eine falsche Nachricht handelt, die von einem unglaubwürdigen Internetportal veröffentlicht wurde. Meine Vermutung war falsch: BBC, The Guardian, Die Welt und viele mehr berichteten von diesem kuriosen Vorhaben des russischen Geschäftsmannes.

Ich habe recherchiert und es gibt tatsächlich einen Versuch, ein solches Programm zu produzieren. Es fehle noch ein Drittel des benötigten Produktionsgeld. Das Interesse an der Teilnahme sei aber jetzt schon groß: Derzeit hätten sich schon sogar rund 400 Freiwillige gemeldet.

 

 

“Was passiert, wenn jemand von einem Bären oder einem Wolf getötet wird?”

“Game2:Winter” hat eine Website, einen Instagram-Account und eine Facebook-Gruppe, zu der man zugelassen werden muss. Meine Anfrage ist heute früh akzeptiert worden und somit konnte ich mir den Inhalt dort angucken. Es scheint als würden tatsächlich viele Menschen daran Interesse haben, an dem Spiel teilzunehmen. Anfragen aus Bolivien, Mexiko, den USA und noch einigen Ländern sind auf der Pinnwand der Gruppe zu finden. Die Regeln des Spiels sind auch anders als es in vielen Medien zu lesen ist: Kein Mord und keine Vergewaltigungen sind erlaubt. Es werden Teams von fünf Spielern geformt und diese müssen dann 9 Monate in der russischen Taiga überleben. 

 

“Was passiert, wenn jemand von einem Bären oder einem Wolf getötet wird? Würde die ganze Welt es im Fernsehen sehen?”

 

Die Frage wurde von einem Facebook-Nutzer gestellt. Unter dem Post sieht man Kommentare: “Hoffentlich LOL” schrieb Pascal und bekam 7 Likes dafür. Talli schreibt: “Ich meine, wenn wir uns schon die Zeit nehmen, um diese Show zu schauen und sie zeigen das dort, verstehe ich nicht, warum wir uns das nicht ansehen würden. Es ist schon ein bisschen grausig, aber wenn man schon spielt, soll man ja hart spielen”. “Die Show muss weitergehen”, schrieb Emanuele.

 

(Alle Kommentare wurden auf Englisch geschrieben und dies sind meine Übersetzung davon.)

 

Man sieht also, dass das Projekt jetzt schon einige Fans hat. Es scheinen zwar keine “Hunger Games” zu sein, wie es viele Medien berichtet haben. Die Reality Show hat aber etwas sehr Kontroverses an sich. Vielleicht sind die vermutlichen Aussagen des Produzenten, dass Vergewaltigungen und Mord durchaus passieren können, eine Form des Marketings, mit der er die Aufmerksamkeit von Medien gewinnen möchte. Wenn das so ist, dann war das eine clevere Strategie, denn sie hat funktioniert. Irgendwie ist es aber erschreckend, dass es Leute gibt, die sich ein Programm ansehen würden, weil sie dort andere Menschen sterben sehen könnten. Auch wenn das so nicht stimmt, zeigt es uns, dass viele von uns als Publikum immer skrupelloser werden und Medien immer mehr extreme Inhalte produzieren müssen, um den modernen Rezipienten zufriedenzustellen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blogkategorie: 

Das könnte dich auch interessieren

Die Tante und die Mutter des Autors (vl.n.r.)
Adis Serifovic ist Kinderbuchautor und...
Der Vater unserer Autorin am Bahnhof in Sofia, Bulgarien
Der Vater unserer Autorin am Bahnhof in...
Foto:Christoph Liebentritt
Missbraucht, bedroht und isoliert: Die...

Anmelden & Mitreden