Hassliebe: Bollywoodfilme

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Bollywood
Screenshot: https://www.youtube.com/watch?v=IBvg3WeqP1U

Über den massiven 2000er Bollywood-Boom auf RTL2, die seltsame Verbindung von Balkan und Bollywood, so schlechte Filme, die für Wut sorgen, Fail-Movies, die so scheiße sind, dass sie wieder gut sind und ein bisschen Fun.

 

2004: Das Bollywood-Fieber auf RTL2 bricht aus

Wisst ihr noch damals, bevor wir Netflix, Amazon Prime & Co. hatten? Wir „mussten“ uns alle abends vor den Fernseher hocken, um nach einem anstrengenden Tag entertaint zu werden. #totaloldschooloderso

Wer ca. ab der Mitte der 2000er Jahre dann zufällig auf dem deutschen Sender RTL2 gelandet ist, wird sich vielleicht noch an folgende Bilder erinnern: ein riesiger Festsaal, Kleidung in allen Regenbogenfarben, bunte Seidentücher, tanzende Männer und Frauen, ganz viel Bling-Bling und ein heulender Kerl namens Shah Rukh Khan. What I'm talking about? Bollywood, Baby.

Die Filme aus Indien sorgten vor allem in Deutschland für einen sensationellen Mega-Hype. RTL2 war der erste deutsche Fernsehsender, der Bollywoodstreifen zur besten Sendezeit zeigte. Das Ganze begann mit dem Film „In guten wie in schweren Tagen“. Die Einschaltquoten übertrafen mit 2,33 Mio. Zusehern alle Erwartungen. Danach folgte fast wöchentlich ein neuer Bollywood-Hit nach dem anderen. Sehr bekannt sind mit Sicherheit auch die Filme „Lebe und denke nicht an morgen“ oder „Und ganz plötzlich ist es Liebe“. Klingt ziemlich dramatisch und kitschig, oder? Tja, sie sind es auch, aber die Zuschauer liebten sie. Es ging sogar so weit, dass RTL 2 Bollywood-Tanzkurse und Fan-Treffen mit Schauspieler Shah Rukh Khan verloste.

Hier ist ein Clip aus „In guten wie in schweren Tagen“, um eure Erinnerung daran ein bisschen aufzufrischen:

 

Was Bollywood mit Balkan-Leuten zu tun hat?

Das erste Mal, dass ich eine „Verbindung“ von Bollywood und Balkan bemerkte, war in einem meiner vielen Mazedonien-Urlaube. Ich war noch ein Kind und bei meinen Nachbarn zu Besuch. Im Fernehen lief eine ältere indische Serie. Ich weiß noch, dass ich meine Nachbarn fragte, warum sie sich als orthodoxe Mazedonier gerade eine indische Serie anschauten und wieso diese überhaupt im mazedonischen Fernsehen lief. Sie erzählten mir, dass indische (und türkische) Serien gerade so etwas wie der absolut geilste Shit waren. Warum sie so beliebt waren? Meine Nachbarn meinten, dass man sich mit den Figuren gut identifizieren könne, sogar besser als mit Hollywoodfiguren. Es geht in indischen Filmen tatsächlich meistens um Konflikte mit Traditionen, Religionen, strengen Eltern, Stolz, Ehre, Erfolgsdruck, Heiratsdruck, dem Druck, Nachwuchs zu zeugen, und verbotene Liebe. „Auch die Hochzeiten müssen groß gefeiert werden, die sind irgendwie wie wir.“, sagten sie damals. Dann einige Jahre später und back in Vienna ist mir aufgefallen, wie viele Leute aus dem Balkan eigentlich verrückt nach Bollywoodfilmen waren. Auch hier habe ich Aussagen wie „So sind unsere Leute auch!“ gehört.

Irgendwie seltsam, wenn man bedenkt, dass diese zwei Orte so weit voneinander entfernt sind. Traditionelle Kulturen besitzen oft sehr ähnliche Strukturen, egal wie weit die Länder auch voneinander entfernt sein mögen oder welcher Religion man angehört.

 

So langweilig, dass sie einen wütend machen

Ok, es ist erstens auf jeden Fall Geschmackssache und es kommt wahrscheinlich immer auf den Film an. Einige davon sind so wahnsinnig schlecht, dass sie es geschafft haben, mich ein bisschen wütend zu machen. Man verschwendet hierbei nämlich nicht nur eine Stunde, sondern drei oder vier Stunden Zeit. Man wartet und wartet und denkt, dass der Film besser wird, bis man dann schon zu weit gekommen ist und sich das beschissene Ende von dem beschissenen Film auch noch gibt. Ein Beispiel dafür ist ein Film, bei dem es um zwei junge Leute geht, die überglücklich über ihre kommende arrangierte Heirat sind. Vor der Hochzeit, also in den letzten scheiß paar Minuten des Films, passiert jedoch ein Unfall und die weibliche Hauptfigur erleidet schwere Brandverletzungen. Sie macht sich dann schreckliche Sorgen, ob ihr Typ sie jetzt noch heiraten wird. Aber hey, natürlich will er und natürlich informiert ihr Arzt sie anschließend darüber, dass ihre Verletzungen doch noch verheilen werden. Oh, wow. Sie heiraten. Ende. Der Film war einfach nur langweilig. #wasted2h42min

 

So scheiße, dass sie wieder gut sind

Es gibt jedoch auch so "schlechte" Bollywood-Filme, die einen einfach nur zum Lachen bringen. Witzige Tanz-Szenen, bei denen extrem muskulöse Männer in engen Hosen drei Meter in die Höhe springen und die Luft kicken, unfassbar unrealistische Action-Szenen, bei denen ein älterer Herr unversehrt von Haus zu Haus springt und Wände hochklettert, aber auch sauschlechte Dialoge machen Bollywood in manchen Fällen einfach irgendwie sympathisch. Solche Filme sollte man feiern, weil sie für gute Laune und viele Lacher sorgen. (Meine Tipps: "Ich bin immer für dich da", "Und ganz plötzlich ist es Liebe" oder "Doom 2")

 

Ein bisschen Spaß muss sein

Was jedoch auf jeden Fall alle indischen Filme anbieten können, ist eine Menge Entertainment. In der einen Minute wird gesungen, in der nächsten heulen sich alle die Augen aus, weil etwas Tragisches passiert ist. Es gibt Intrigen. Die Musik regt zum Tanzen an und der Fernsehbildschirm ist bunt wie ein Regenbogen. Bollywoodfilme sind genau das Richtige, wenn man genug von der Realität hat und für einen Abend lang in eine andere Welt tauchen möchte.

 

Achtung: Natürlich gibt es auch außerordentlich gute und tiefsinnige Bollywoodfilme mit komplexen Geschichten, vor allem wenn es um den Indien-Pakistan-Konfikt geht. Sie sind ernst und regen zum Nachdenken an. Das sind aber meiner Erfahrung nach die hier weniger bekannten. Einige davon zählen auch zu meinen All-Time-Lieblingsfilmen, also #nooffensebolly.  

 

 

 

 

 

 

 

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