Ich habe mit Sportlerinnen gesprochen, die im Ramadan ihr Fitnessprogramm durchziehen.

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Karim Mabrouk
Karim Mabrouk gewinnt den internationalen Titel am 20.Mai 2017

Ich habe mit drei SportlerInnen gesprochen, die im Ramadan fasten, sprich auf das Essen und Trinken tagsüber verzichten, und trotzdem sportlich aktiv sind.

 

Karim Mabrouk (24 Jahre alt): Karim Mabrouk ist seit zehn Jahren Kickboxer. Bei seinem letzten Wettkampf am 20.Mai 2017 hat er den internationalen Titel gewonnen. 2010 war er auch Staatsmeister. Er wurde, so wie viele, von Muhammed Ali und von Rocky-Filme zum Kickboxen inspiriert. Karim lebt in Wien und studiert Sport auf der Fachhochschule in Wiener Neustadt. Er ist gebürtiger Wiener und stammt ursprünglich aus Ägypten.

„Also für mich ist es kein Problem,  ich reduziere jedoch schon mein Training zu Ramadan.  Ich schaue, dass ich zu Ramadan oder knapp danach keinen Wettkampf habe, um ohne Druck nach eigener Lust und Laune trainieren zu können. Ich trainiere jedoch trotzdem circa 5-6 mal die Woche, um mich fit zu halten, und nach Ramadan wieder ohne Probleme in meine Wettkampfform zu kommen. Ich ziehe mein gewöhnliches Trainingsprogramm durch. Ich schaue nur, dass ich nicht zu früh trainiere, damit ich nicht den ganzen Tag Durst habe. Wichtig ist es, nach dem Fastenbrechen viel Wasser zu trinken und eventuell Proteinshakes oder andere Nahrungsergänzungsmittel zu mir zu nehmen, um den nächsten Tag mit Training problemlos überstehen zu können. Aber ich glaube es ist eher Gewohnheit. Ich faste seit ich sieben Jahre alt bin, und war immer währenddessen aktiv entweder mit Fußball spielen oder sowie heute mit Kickboxen.“             

 

Mariam Elaswad (20 Jahre alt): Mariam Elaswad stammt ursprünglich aus Ägypten und macht Karate auf Wettkampfniveau seit ihrem sechsten Lebensjahr. Sie studiert Sport auf der Uni Wien.

„Ganz allgemein geht es mir ganz gut mit dem Training während ich faste, natürlich muss ich die Intensität und die Länge des Trainings kürzen, weil man nicht die ganze Kraft hat, das ganze Programm intensiv durchzuarbeiten. Das Einzige, worauf ich achte, ist meine Ernährung zu der Zeit des Sahars (anm. d. Red.: Zeitraum, indem man vor Sonnenaufgang essen darf). Ich schaue eben, dass ich mich so ernähre, sodass ich den ganzen Tag mit dem Training klarkomme. Ich trainiere auch nur kurz vor Iftar und manchmal auch danach. Ich versuche immer viele Proteine zu mir zu nehmen, ausreichend 2 bis 3 Liter Wasser zu trinken, und Obst zu essen. Jeder muss sich selber gut einschätzen können, was er oder sie in der Lage ist zu tun ist, während er oder sie fastet. Das ist individuell unterschiedlich. Ich versuche meine Energie halt immer gut einzuteilen, sodass ich es dann mit dem Training schaffe. Ich mache halt mehr Ausdauersport und das ist einfach viel anstrengender. Deswegen versuche ich mich tagsüber nicht so viel anzustrengen, um dann eben beim Training gescheit trainieren zu können. Ich gehe immer nach dem Iftar (anm. d. Red.: Fastenbrechen beim Sonnenuntergang) laufen, nachdem ich da mehr Energie habe. Dann kann ich Vollgas geben.“

 

Zeynep Ç. (19 Jahre alt): Seit 1 1/2 Jahren ist sie Kickboxerin. Sie ist gebürtige Wienerin mit türkischem Hintergrund. Zeynep studiert Biomedizin auf der Fachhochschule Technikum in Wien.Das ist so ein schwieriges Thema. Fasten und alles geben, das geht nicht. Daher bin ich, wenn ich trainiere, im Ramadan eher auf Technik hinaus, das heißt, ich schaue, dass ich nicht Vollgas gebe, sondern alles langsam angehe, dafür richtig von der Technik her. Und sonst, wenn ich nicht im Verein bin, esse ich zu Iftar wenig, sodass ich gerade noch satt bin, und Energie habe, und gehe nach 1 bis 2 Stunden Vollgas trainieren. Ich schaue eher, dass ich meine Vitamine durch natürliche Nahrungsmittel bekomme, also Gemüse und Obst. Auf Puschmittel wie Proteinshakes, verzichte ich. Wasser muss natürlich genug getrunken werden. Während des Trainings, falls ich es nach dem Fastenbrechen mache deutlich mehr, sonst schaue ich aber normalerweise, dass ich auf 2 Liter komme. Ich versuche aber grundsätzlich auf meine Ernährung zu achten, daher habe ich im Vergleich bessere Voraussetzungen. Es ist nicht nur das Essen von Sachen, das ist eher das Einfache. Es ist mehr das Verzichten auf Fast Food, Zucker und Minderung von Getreide.“

 

 

 

Alle drei SportlerInnen haben ihre Methoden, damit sie ihr Sportprogramm auch während des Fastens durchziehen können. Die Proteinshakes von Karim kompensieren die beiden Mädels mit viel Obst – das ja auch noch sehr wasserhaltig ist, und dadurch noch eine weitere Flüssigkeitsquelle. Es macht Sinn, dass die SportlerInnen nicht früh morgens sportln, sondern eher nachmittags oder kurz vor dem Fastenbrechen, damit sie möglichst schnell was trinken können. Durch ihre Organisation haben die drei weniger Schwierigkeiten, ihr straffes Programm durchzuziehen. Im Grunde ist es ja auch nicht verkehrt, für ein paar Wochen ein wenig runterzuschrauben – dafür haben sie nachdem Ramadan wieder ein knappes Jahr Zeit, um Vollgas zu geben.

 

 

 

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