Jeder Femizid ist einer zu viel

02. November 2021

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Gewalt an Frauen
Foto: pexels.com/Anete Lusina

Österreich hat ein gewaltiges Problem - vergangene Woche ereignete sich ein weiterer Femizid in Österreich. Seit Anfang des Jahres wurden insgesamt 23 Frauen durch den (Ex-) Partner, einem Familienmitglied oder Bekannten ermordet. Wenn wir über Femizide sprechen, sprechen wir über die Ermordung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts.

Kein Femizid ensteht von heute auf morgen. Nein, es sind keine Einzelfälle, auch keine Beziehungsdramen oder Familiendramen. Dahinter steckt ein gewaltiges System. Ein System, dass in unserer Gesellschaft erkannt und bekämpft werden muss. Die Statistik der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser dokumentiert insgesamt 39 mutmaßliche Mordversuche und schwere Gewalt gegenüber FLINTA (Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen) in diesem Jahr. Diese Zahlen sind mehr als beunruhigend, oder nicht? Wir haben aktuell 23 Femizide und 39 mutmaßliche Mordversuche. Was wäre, wenn diese mutmaßlichen Mordversuche mit Mord geendet hätten und wir keine 23, sondern 62 Femizide hätten? 

Wir haben ein Femizid-Problem

Kleiner Rückblick in die Vergangenheit: 2014 wurden 19 Frauenmorde begangen, 2018 hingegen 41. In den vergangen zwei Jahren liegt die Anzahl an Femiziden bei 70. Aus diesen Zahlen ziehe ich folgenden Schluss: Wir leben offensichtlich in einem Land mit einem Femizid-Problem. Diese Tatsache löst in mir Unruhe aus. Es bricht mir jedes Mal aufs neue das Herz darüber zu lesen, dass eine Frau von ihrem Ex-Partner, Familienmitglied oder Bekannten, einer Gewalttat unterliegt, oder ermordet wird. Mir wirren die verschiedensten Gedanken durch den Kopf. Wie können Menschen, die uns doch so nah stehen, zu Tätern werden? Können Männer, mit denen man gemeinsam aufwächst oder vieles teilt eines Tages zu denjenigen werden, die uns ermorden? Die traurige Wahrheit ist, dass die Männer, die uns am nächsten stehen, diejenigen sind, vor denen wir uns statistisch gesehen am meisten fürchten müssen. Gewalt an Frauen bewahrt Aktualität, aber nicht nur dann, wenn Femizide passieren. Gewalt tritt in den verschiedensten Formen auf, sei es häusliche Gewalt, darunter psychische, emotionale, körperliche, sexualisierte und ökonomische Gewalt. Wichtig ist, dass jede Form von Gewalt gegenüber Frauen erkannt und verhindert wird. Immerhin werden immer mehr Menschen diesem Problem aufmerksam. In den sozialen Medien wird mitgezählt und aufgeschrien bei jedem weiteren Frauenmord, der in Österreich zu Stande kommt.

 

Bei jeder Berichterstattung über Femizide oder Gewalttaten gegenüber Frauen habe ich mir immer die gleiche Frage gestellt: „Wann wird das alles ein Ende haben?“.  Es wird kein Ende haben, solange das System hinter dieser Gewalttaten nicht bekämpft wird. Genau deshalb, brauchen wir dringend einen Gewaltschutz. Wir brauchen mehr finanzielle Mittel für Gewaltschutzeinrichtungen. Frauen- und Gewaltschutzorganisationen fordern die Umsetzung der Istanbul-Konvention in Österreich. Alle Staaten, welche die Istanbul-Konvention unterzeichnet haben, darunter auch Österreich, sind dazu verpflichtet gegen jegliche Formen von Gewalt vorzugehen. Am 12. Mai 2021 wurde von der Regierung das Gewaltschutzpaket mit 24,6 Millionen Euro beschlossen. Erst am 1.Oktober 2021, gibt Frauenministerin Susanne Raab bekannt, dass die Zahlungen aus dem Gewaltschutzpaket an Gewaltschutzzentren nun erfolgen. Dafür steht das Ministerium unter starker Kritik vom österreichischem Frauenring, denn diese fordern das Geld für Frauenhäuser, Frauen- und Mädchenberatungsstellen und weitere Opferschutzeinrichtungen. Frauen- und Gewaltschutzorganisationen stellen die Forderung von 228 Millionen für den Gewaltschutz und 3.000 zusätzliche Jobs in der Gewaltprävention. Solange es keinen Gewaltschutz in Österreich gibt, werden wir nie aufhören die Femizide zu zählen.

Stoppt Femizide. Denn jeder Femizid ist einer zu viel. 

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