Klo-Monster auf Albanisch

01. März 2017

Die Hasen rebellieren auf Rumänisch und die Orang-Utans mögen es lieber gemütlich und türkisch. Die zweisprachige Bilderbuch-Zeitschrift Papperlapapp soll als Trampolin für mehrsprachige Kids ab 5 Jahren dienen.

Wer kennt sie nicht, die mehrsprachigen Wortfetzen aus der U-Bahn. „Dragan, ajde, geh ma Billa herst“ oder „Hast du verstanden was ich gesagt habe, Moruk?“ sind nur die prominentesten Beispiele der täglichen Sprachrealität von über 40% der Wiener Kinder, die Deutsch nicht als Erstsprache haben. Wenn diese Kinder heranwachsen, entstehen nicht nur Probleme bei der Arbeitssuche - die Kids finden sich oft im linguistischen Niemandsland zwischen Muttersprache und Deutsch wieder. Und am Ende beherrschen sie weder Deutsch noch die Sprache ihrer Eltern.

'Biene' auf beiden Sprachen

Karin Hirschberger wollte etwas dagegen tun. Die Designvermittlerin hatte die Idee zu einer neuen, zweisprachigen Bilderbuchzeitschrift und diese mit Unterstützung der Designerin und Kalligrafin Claudia Dzengel aus der Taufe gehoben: Papperlapapp ist ein Vorleseheft für Kinder ab fünf Jahren, das auf Deutsch und in den hierzulande am häufigsten anzutreffenden Migrationssprachen erscheint. Im Idealfall wird die Zeitschrift zuhause in der Muttersprache gelesen und dann im Kindergarten auf Deutsch nochmals präsentiert. Das Ziel: Je besser ein Kind seine Muttersprache beherrscht, desto einfacher gelingt es ihm, Deutsch und weitere Zielsprachen zu erlernen. “Ich hatte einen Buben mit Migrationshintergrund beim Buchstabentag in der ersten Volksschulklasse meines Sohnes. Der Kleine konnte sich das Wort Biene einfach nicht merken“, erinnert sich Hirschberger, „weil er  auch nicht wusste, was Biene in seiner Erstsprache bedeutet.“

Karin Hirschberger Papperlapapp
Michaela Kobsa

Fünf Ausgaben in acht verschiedenen Sprachen liegen auf Karin Hirschbergers Regal. In der ersten Ausgabe, Thema "Freundschaft", spielt ein frecher Kater mit einem Eichhörnchen. In der vierten Ausgabe, Thema “Tiere im Winter”, schleicht ein junger Bär aus der Höhle, um auch einmal den Winter live zu erleben. Und bald wird das fünfte Heft- mit gelangweiltem Orang-Utan am Cover - auf Hirschbergers Regal liegen. Das Thema: “Langeweile”. Aber Paperlapapp ist alles andere als fad: Paperlapapp ist frech und rotznasig wie seine kleine Leserschaft und erzählt von rebellischen Hasen und Angst vor Klo-Monstern.

Zum Land, wo "uns die Elefanten den Tisch decken"

Im vierten Heft, „Tiere im Winter“, berichtet Siri, der blaue Zugvogel, über seine Vogelwanderung in den Süden. Er fliegt von der Schwalbengasse in Österreich über das Mittelmeer, zu jenem Land, wo "uns die Elefanten den Tisch decken". Da wird er herzlich von Toto, dem Elefanten, empfangen, und es wird ihm Affenbrot (schmeckt nach Tausendfüßler- Siri rät von dieser Speise ab) angeboten.  Die Kindergeschichten in Papperlapapp wirken auf den ersten Blick einfach, aber dahinter liegt viel Fingerspitzengefühl, Planung und Schweiß. Kinderbuch-Schriftsteller und Illustratoren müssen für jede Geschichte gefunden werden. Der eigens installierte Expertenbeirat muss alle Inhalte auf Altersgerechtigkeit überprüfen, ehe die Hefte in die acht Zielsprachen übersetzt werden. Und in der grafischen Umsetzung müssen die kleinsten Details, wie etwa die Anführungszeichen - die ja in fast jeder Sprache anders sind - oft mehrmals überprüft werden.

Papperlapapp Heft Arabisch
Papperlapapp

„Gemma Deutschland“
Papperlapapp wird seit der ersten Ausgabe im Februar des Vorjahres vier Mal im Jahr an rund 670 Wiener Kindergärten und deren Kinder im verpflichtenden Kindergartenjahr verteilt. "Fast flächendeckend" sagt Karin Hirschberger stolz. Der nächste Traum ist Papperlapapp auch nach Berlin zu bringen.

 

Mehr über Papperlapapp

Alle Geschichten und Beiträge von Papperlapapp werden zunächst auf Deutsch verfasst und dann in acht stark repräsentierte Sprachen übersetzt: auf Türkisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (BKS), Rumänisch, Arabisch, Tschechisch, Polnisch, Albanisch und zusätzlich auf Englisch. In diesem Zusammenhang ist auch zu betonen, dass in Papperlapapp- das übrigens im Waldviertel gedruckt wird - nur österreichisches Deutsch vorkommt. Wörter wie “lecker” und “Apfelsine” werden ganz bewusst vermieden. 

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