Klopf, klopf! Wer ist da? Deine lauten Nachbarn

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Alice in Wonderland
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Über ständiges Hämmern und Bohren in den Wohnungen der Nachbarn, Klopf-Konzerte von wütenden Hausbewohnern, beleidigendes Gebrüll im Hof und den meistgehassten kleinen Klavierspieler des Wohnhauses.

 

Wie viel Lärm ist in einem Wiener Wohngebäude normal?

Seit dem Einzug in unsere Wohnung vor ungefähr zehn Jahren haben meine Familie und ich bereits eine Menge Lärm tolerieren müssen. Die Wände sind dünn und unsere Nachbarn sind laut. Eine wirklich beschissene Kombination, vor allem in den Prüfungswochen, aber auch, wenn man einfach bloß nach einem langen Tag in seinen eigenen vier Wänden chillen möchte. Seit einigen Jahren hört man, mindestens alle zwei Wochen, ein lautes Hämmern oder Bohren. Ich übertreibe dabei nicht. Es klingt nach einem Einzug oder einer Wohnungsrenovierung, aber so lange kann das doch nicht dauern. Woher der Lärm genau kommt, ist schwer zu ermitteln. Oben, unten? Sind es die Nachbarn auf der linken oder rechten Seite? Oder sind die Wände so dünn, dass man schon die Nachbarn der Nachbarn hört?

 

Auch die Kids scheinen in unserem Gebäude genug Spaß zu haben. Sie feiern Geburtstagspartys, singen Karaoke und springen dabei, wie echte Rockstars, auf und ab. Ich würde gerne sagen, dass man den Kleinen ihre Freude daran lassen soll, aber es ist echt nicht leiwand, wenn man sich abends wirklich konzentrieren muss und nebenan schon fast eine richtige „Nick Kids' Choice Awards“-After-Show-Party abgeht. #omastyle #esgibtextraräumefürsowas #butyeah

 

Der kleine Klavierspieler und die „Arschloch“-Rufe aus dem Hof

Springende Kinder und Klopfgeräusche sind bei uns im Haus zwar echte Nervenkiller, aber dennoch nicht so schlimm wie das Folgende. Vor einigen Wochen hat ein Klavierspieler das Fass der nachbarschaftlichen Toleranz zum Überlaufen gebracht, und zwar bei allen. Der Klavierspieler ist mit Sicherheit die meistgehasste Person des Wohngebäudes. Seine Musik ist nämlich so dermaßen laut, dass es so klingt, als würde das Klavier in unserer eigenen Wohnung stehen. Jedes Mal, wenn er zu spielen beginnt, beginnt zusätzlich das Wand-Wettklopfen der ganzen Nachbarschaft. Jeder will, dass es einfach nur aufhört. Somit wird es leider nur noch lauter. Es ist für alle Schüler und Studenten, die nicht „draußen“ lernen können, die Hölle auf Erden, aber auch für alle Leute, die sich einfach nur ausruhen möchten. Sogar beim Telefonieren hört die Person auf der anderen Leitung alles mit. Einige Nachbarn reißen aus Wut sogar die Fenster auf und brüllen „Arschloch, hör endlich auf zu spielen“ in den Hof. Und der Klavierspieler? Tja, es juckt ihn nicht. Absolutely zero fucks given. Wenn ich ihn nicht hassen würde, würde ich ihn fast schon irgendwie witzig finden. Er spielt nämlich einfach fröhlich weiter und das mittlerweile ziemlich gut. Kein Wunder, er übt ja auch seit einigen Wochen. Jeden Tag. An Wochenenden gerne mal in den frühen Morgenstunden. Unter der Woche manchmal bis um Mitternacht. Vielleicht ärgert er seine Nachbarn einfach nur gerne. Man weiß es nicht. Einmal hat er sogar um drei Uhr morgens kurz in die Tasten gehauen. Ich hatte am nächsten Morgen eine Prüfung. #danke

 

Unterschriften sammeln für die Ruhe

Der Lärmterror ging dann so weit, dass ein Hausbewohner durch die Stiegenhäuser gegangen ist und an alle Haustüren geklopft hat, um herauszufinden, wer der Verursacher dieses musikalischen Krachs ist. Er hat die Person auch gefunden. Es war ein Schüler. Der Mann ist auch zu unserer Haustür gekommen und hat Unterschriften für einen Beschwerdebrief gesammelt. Er hat bestätigt, dass sich viele im Gebäude von den Klavierklängen wahnsinnig gestört fühlen. Der verärgerte Hausbewohner hat uns außerdem erzählt, dass die Mutter des Schülers meinte, dass seine Musiklehrerin von ihm verlangen würde, ganz viel zu Hause zu üben und er bestimmt nicht damit aufhören werde. Wie viel der Mann mit den Unterschriften erreicht hat, weiß ich nicht genau. Der Junge spielt noch immer heiter weiter, aber nicht mehr so oft.Vielleicht haben sie es eingesehen, vielleicht gab es aber auch eine Verwarnung. Zumindest hält er sich nun einigermaßen an die Ruhezeiten. 

 

Wann darf man laut sein und wann nicht?

Grundsätzlich gilt zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens die Nachtruhe. Staubsaugen, eine laute Waschmaschine anmachen, Heimwerken, zu lautes Musikhören und sonstige Aktivitäten, die viel Lärm verursachen könnten, sind zu diesen Zeiten zu unterlassen. Und was ist mit Instrumenten? Seit 2003 darf im großstädtischen Raum zwei Stunden Klavier gespielt werden, davor waren es vier. An Wochenenden darf nur zwischen 15 und 20 Uhr gespielt werden.

 

Was kann man tun?

Eigentlich sollte die Hausverwaltung sich um solche Beschwerden kümmern. Im Extremfall droht einem sogar die Kündigung. Wenn man von der Hausverwaltung keine Unterstützung erhält, kann man die Polizei informieren oder eine Sachverhaltsdarstellung an die zuständige Behörde senden. Ein Lärm-Protokoll ist hierbei sicher sinnvoll. Auch Unterschriften sammeln und sich Verbündete suchen, wie der Hausbewohner bei uns, könnte helfen. Durch dieses Hin und Her vergeht allerdings viel Zeit, deswegen ist es wahrscheinlich vernünftiger, das Ganze in einem persönlichen Gespräch zu klären.

 

Der Mensch macht halt Lärm, oder?“

Vor dem Unterschreiben der Beschwerdeunterlagen haben wir noch nie direkt oder indirekt Ruhestörungen gemeldet. "Menschen machen halt Lärm, oder?“ Natürlich kann und soll man nicht lautlos leben, aber die letzten Wochen waren einfach zu viel, Wir schaffen es ja auch, Musik mit Kopfhörern oder in normaler Lautstärke zu hören, genau wie beim Fernsehen. Möbel verschieben oder fast wöchentlich neue Möbel zusammenbauen kommt ebenfalls nicht bei uns vor. Gelegentlicher Lärm ist normal, Rücksichtslosigkeit sollte nicht normal sein. 

 

 

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