Kopftücher müssen draußen bleiben

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Foto by: DarSalma

 

 

Wer in Ägypten in angesagten Bars und Restaurants möchte, muss das Kopftuch draußen lassen. Denn selbst im islamisch geprägten Ägypten kann es zu unangenehmen Situationen kommen.

20:30 Lamia, Marina und Shaimaa* möchten ihren erfolgreichen Tag heute feiern gehen. Als Alexandrianer, also Ägypter, die aus Alexandria kommen, entscheiden sie sich spontan für einen Kurzurlaub in „Marassi“, einer Strandgegend im Norden Ägyptens. Schnell alles packen und dann nichts wie weg! Am Eingangstor angekommen fängt ihr noch größer werdendes Problem erst an, denn zwei von dreien dürfen anfangs nicht rein und werden nach der Identität gefragt. Vom Kopftuch ist noch lange keine Rede. „Das sind lediglich normale Kontrollen", meint der Türsteher.

Nach einem kurzen Aufenthalt, einem kanadischen Reisepass und einigen Geldscheinen, dürfen die Mädels nun endlich rein. Nur leider nicht überall rein.

Nach dem Auspacken entscheiden sich die drei Freundinnen für eine kleine Bar in der Nähe des Strandes, deren Musik man schon vom Hotel aus hören konnte. Marina muss noch telefonieren, kommt deshalb später nach und lässt Shaimaa und Lamiaa schon einmal vorgehen. Als die beiden hineinwollen, werden sie erneut vom Türsteher aufgehalten. Sie dürften nur in Begleitung einer Nicht-Kopftuchträgerin in die Bar. Das Kopftuch passt nicht zum Image der Bar. Sie könnten auch zum Restaurant auf der anderen Seite gehen, dort seien sie willkommen, meint der Türsteher. Auch in den Pool dürfen Shaimaa und ihre Freundin am nächsten Morgen nicht, denn da ist das Kopftuch ebenfalls nicht willkommen.

Die Situation der beiden Mädchen ist kein Einzelfall, in ganz Ägypten legen diverse Restaurants, Clubs und Bars wert darauf, keine Kopftuchträgerinnen hineinzulassen und somit ihrem Image nicht zu schaden.

Dabei hat das Ganze bei Weitem nichts mit der Religion zu tun. Die Elite Ägyptens, also die obere und „bessere“ Schicht, versucht sich an den Westen zu richten und im besten Fall anzupassen. Wer ein gutes Image haben möchte, trägt kein Kopftuch. Denn das gilt dort als Zeichen der unteren Schicht, wer modern sein möchte, trägt die Haare offen. Und nicht nur das, auch manche Jobs sind mit Hijab in Ägypten unerreichbar. Attraktivität spielt für viele Arbeitgeber eine große Rolle, diese sehen im Kopftuch ein Hindernis. So legen manche Mädchen ihr Kopftuch während der Arbeit ab und tragen es später wieder, wenn sie am Heimweg sind. Ob das Kopftuch in Ägypten ein unmodernes Bild darstellt, ist fraglich. Mitte des vergangenen Jahrhunderts trug noch keine Frau ein Kopftuch. Es kam auch gar nicht in Frage. Meine Tante selbst hat vor über 20 Jahren wegen eines Kellner-Jobs ihr Kopftuch aufgegeben. Eine andere Seite der Geschichte gibt es dennoch. Dieselbe Tante wurde fünf Jahre später wegen ihren offenen Haaren in einem Büro abgelehnt. Sie wurde gefragt, wie es dazu kommt, dass sie Moslem ist und kein Kopftuch trägt. Aber dazu im nächsten Blog.

 

*Alle Namen in dieser Geschichte wurden geändert

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