Voll Verschleiert: Sou Abadi im Interview + GEWINNSPIEL

Die gebürtige Iranerin und Regisseurin Sou Abadi lebt seit ihrem 14. Lebensjahr in Frankreich und gab mit der politischen Komödie "Voll Verschleiert" ihr Regie-Debüt.

sou abadi, voll verschleiert
Foto: Jan Schiefermair

Biber: Als Leylas Bruder aus dem Yemen radikalisiert zurückkehrt, drohen alle ihre Träume zu zerplatzen. Plötzlich wird ihr Leben von jemand anderem kontrolliert. Hattest du jemals dieses Gefühl?
Sou Abadi: Wenn ich diese Erfahrung gemacht habe, dann ging die Kontrolle vom Staat aus, nicht von meiner Familie. Ich bin die einzige Tochter meines Vaters und er sagte bei meiner Geburt: “Die Frauen in unserem Land sind so unglücklich. Ich will, dass meine Tochter anders aufwächst.” Und so hat er mich erzogen.

Du selbst bist überhaupt nicht religiös. Kannst du nachvollziehen, warum jemand, wie Mahmoud zum Beispiel, Rückzug und Hoffnung in der Religion findet?
Ich verstehe ihn absolut und es tut mir leid, diesen Zugang zu Religion nicht zu haben. Es ist eine Tatsache, dass Religion viel Trost spenden kann, vor allem im Umgang mit dem Tod.

Hast du die Inspiration aus der politischen Situation oder aus deinem persönlichen Umfeld genommen?
Definitiv aus meinem persönlichen Umfeld. Ich habe 2012 begonnen zu schreiben, da gab es noch nicht so viele Attentate. Mein Schreiben wurde von der Realität eingeholt. Fast als hätte jemand mein Drehbuch gelesen. Ich habe als Teenager den Iran verlassen, um dem religiösen Fanatismus zu entfliehen. Viele Jahre später lebe ich nun in einem Frankreich, wo dieser Fanatismus Teil des Alltags geworden ist und mich wieder einholt.

Du hast für deinen Film Humor als Mittel gewählt. Welche Lösungen siehst du sonst in Deradikalisierung?
Die grundlegende Lösung liegt darin, eine langfristige Lösung zu finden. Wie bringe ich Bildung in gewisse Bevölkerungsschichten, die am Rande der Gesellschaft sind? Und das nicht nur in Frankreich und in Europa, sondern im Nahen und Mittleren Osten. Man hat diese Länder lange in extremer Armut und mangelnder Schulbildung sein lassen, hat wenig investiert und was erwartet man von solchen politischen Entscheidungen? Man muss aufhören kurzfristig zu reagieren und nur die wirtschaftlichen Interessen der europäischen Länder zu bedenken. Man muss einsehen, dass unsere Politik aus dem Westen ­Konsequenzen nach sich zieht.

Darum geht's in Voll Verschleiert: Leilas Bruder Mahmoud kommt radikalisiert aus dem Yemen und will zuhause strenge Regeln für seine Geschwister einführen. In diese Regeln passt Leilas Freund Armand nicht. Um sie weiterhin zu treffen, verkleidet er sich unter einer Niqab. Blöd nur, dass Mahmoud sich in die falsche Hijabi verliebt. "Voll Verschleiert" feiert am 28.12.2017 Premiere.

 

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