"Laibach" eine Legende des titoistischen Jugoslawiens



Kann man die richtigen Worte finden, um die Größe der kontroversen slowenischen Industrialband "Laibach" auch nur annähernd zu beschreiben. Die Musikband „Laibach“ als  musikalischer Teil des politischen Künstlerkollektivs „Neue slowenische Kunst“ (NKS), die sich weiters noch aus dem Malerkollektiv IRWIN, der Theatergruppe Noordung, die Grafiker „Neuer Kollektivismus Studio“ und der Abteilung für reine und angewandte Philosophie zusammensetzt.

Eine Musikband mit einer großartigen Geschichte, die vorsätzlich die Grenzen zwischen Kunst und Politik überschreiten und nicht nur einmal für Eklats sorgte wie auch die politische Szene im ehemaligen titoistischen Jugoslawien zum erbeben brachte. Auch bleibt „Laibach“ die einzige Band die sich damals internationale Anerkennung erspielte.

Gegründet wurde „Laibach“ 1980 im damaligen jugoslawischen Trbovlje und sorgte gleich zu Beginn, mit der bewussten Namenswahl für politische Reibungspunkten, aufgrund des damals unerwünschten Namens „Laibach“ für die slowenische Hauptstadt Ljubljana. Es folgte ein sofortiges Auftrittsverbot seitens des damaligen titoistischen Regimes schon beim ersten multimedialen Projekt „Rdeči revirji“ (Rote Reviere) 1980.

Im April 1983 folgte eine weitere Ausschreitung bei der Musik-Biennale in Zagreb. Um fünf Uhr morgens wurde das Konzert von jugoslawischen Armeeeinheiten und kroatischer Polizei gewaltsam gestoppt, da man den Film „The Future Continues“ und einen Pornofilm übereinander projizierte und dabei auch den seit drei Jahren verstorbenen Staatspräsidenten Tito mit einem Phallus gleichzeitig auf der Leinwand projizierte. „Laibach“ musste Kroatien verlassen. Weitere Plattenverträge mit der staatlichen jugoslawischen Plattenfirma ZKP RTV für die erste LP „Nebo žari“ („Der Himmel glüht“) wurden ohne Angaben von Gründen aufgelöst. Der erste Fernsehauftritt in der politischen Sendung „TV Tednik“ im Juni 1983 führte zu einem Verbot des Namens, wie auch aller öffentlicher Auftritte der Band durch die jugoslawische Regierung. Im Dezember 1984 gab die Band jedoch trotz des Verbotes ein anonymes Konzert in Ljubljana.

Die Kunstästhetik des Künstlerkollektivs entlehnt sich oftmals Symboliken totalitärer und extrem nationalistischer Bewegung und stellt vermeintlich unvereinbare, politische Ideologien nebeneinander. Ein gelungener und nie wieder erreichter Geniestreich führte 1987 zu einem weiteren medialen als auch politischen Skandal, als ein Poster von NKS den Wettbewerb zum „jugoslawischen Tag der Jugend“ gewann. Die „Intelligencia“ der jugoslawischen Führungs-Elite wurde durch einen öffentlichen Leserbrief aufmerksam gemacht, dass die grafische Arbeit des Plakats ein Plagiat ist, das am Bild von Richard Klein aus der NS-Zeit der 30-er Jahre basiert. Die Flagge des „Dritten Reichs“ wurde nur durch die jugoslawische ersetzt und der Reichsadler durch eine Friedenstaube, zu spät jedoch für Rückholaktionen und so wurde das Poster in vielen renommierten jugoslawischen Tageszeitungen abgedruckt und als Gewinner gekürt. Es folgten Anklagen und Gerichtsprozesse sowohl den Organisatoren als auch der Jury.


Das Plakat das für unmengen politischen Wirbel sorgte.

Die kontroverse zur faschistischen Ästhetik, die der Band oftmals vorgeworfen wird, nationalsozialistischen Gedankengut zu vertreten. „Laibach“ bedienen sich sowohl mit dem Faschismus, als auch mit dem Kommunismus und christlicher Ikonographie. Das Stilmittel ist die Überidentifizierung. Bei ihren Konzerten tragen sie oftmals Uniformen. Die Stimmung düstere und apokalyptische, die multimediale Performance auf der Leinwand, stets oberhalb der Bühne, Bilder transportieren, die sich tief ins Bewusstsein brennen, die das übertriebene Verlangen nach Autoritäten zur Schau stellt.

Auf die Faschismusvorwürfe antwortete die Band mit: “We are fascists as much as Hitler was a painter.” (Wir sind genauso Faschisten, wie Hitler ein Maler war.)

Vor vielen Jahren sah ich die Band Laibach life on stage, gebannt in der Faszination dieser herausragenden künstlerischen Schaffenskraft und der kontroversen Bedeutung ihrer künstlerischen Werke, der man sich nur schwer entziehen kann und ein wertvoller Teil jugoslawischer Musikgeschichte repräsentiert mit Mut zur Provokation.

http://www.laibach.nsk.si/
http://www.gla.ac.uk/~dc4w/laibach/laibach.html

 

 

 

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