"Türkei hat gewählt" oder "Türkiye darf nicht Iran werden"
Heute, am 12. September, fand das Referendum in der Türkei statt. Kurz nach Beginn der Auszählungen war klar, dass die meisten mit "JA" abstimmen werden. Selbst in Hochburgen der Opposition, stimmten die meisten für die Verfassungsänderung.
(Das türkische Verfassungsgericht galt bislang als Hochburg des kemalistischen Lagers und hätte vor zwei Jahren beinahe die Regierungspartei AKP, die die Volksabstimmung initiierte, verboten.)
58 Prozent stimmten mit Ja, 42 Prozent mit Nein.
Das Referendum ist auch auf Facebook Thema Nr.1. (dicht gefolgt vom gestrigen Basketball-Halbfinale). In den Profilfotos von Freunden sieht man nur noch verschleierte Frauen. Die Angst ist groß, dass die Türkei nun eine Wende erwartet. Eine islamistische Wende. Für andere wiederum ist diese Angst unbegründet. Sie glauben an eine Demokratisierung der Türkei.
Fest steht, dass die regierende Partei Erdogans die Verfassung ändern wird. Die Befürchtung ist groß, dass die Justiz dadurch ihre Unabhängigkeit verliert.
Worum es jetzt konkret geht: Der Wahlmodus für das Verfassungsgericht und für den Hohen Rat der Richter und Staatsanwälte (HSYK) wird neu geregelt. Der HSYK gibt es seit dem Militärregime. Er entscheidet über Berufung und Versetzung von Staatsanwälten. Nun werden Parlament und Staatspräsident mehr Einfluss bei der Bestellung von den Staatsanwälten erhalten.
Weitere Neuerungen:
-Einzelpersonen werden das Verfassungsgericht ebenfalls anrufen dürfen.
-Militärgerichte dürfen nicht mehr über Zivilisten urteilen.
-Soldaten, die gegen die Verfassung verstoßen, müssen von nun an zivilen Gerichten überantwortet werden.
-der Artikel 15 der Verfassung, der den Putschisten von 1980 lebenslange Immunität vor Strafverfolgung garantiert., wird abgeschafft. Ob aber den damaligen Putschisten wirklich der Prozess gemacht werden soll, ist unklar.
Eine aussagekräftige Karikatur wurde in der Aksam-Zeitung veröffentlicht.
Zu sehen sind unter anderem Erdogan, sein Stellvertreter Arinc und Justizminister Ergin, die in Unterhosen vor Richter treten und sie um ihre Roben bitten.
Tragik-komisches Detail am Rande: Ausgerechnet der Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu (CHP), der monatelang von Stadt zu Stadt reiste, um die Bevölkerung vor einem "JA" zu warnen und lautstark dazu aufforderte, gegen die Verfassungsänderung zu stimmen, konnte seine Stimme nicht abgeben, da sein Name in den Registern nicht aufschien.

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danke linda...
... für deinen blog!!
gern,
mal sehn wies jetzt weitergeht...
:/
ich befürchte das die regierung in einem rausch der macht ist!
genau wie seiner zeit als man türkische soldaten in den koreakrieg schickte und sich als weltmacht ansah bzw dem nachstrebte. die resonanz kam in kürzesterzeit in form eines putsches. ich weiß nich was diesesmal passieren wird aber keine handlung bleibt ohne folgen ...hier ist die
statistik vom putsch 1980!(wikipedia)
* Das Parlament wurde aufgelöst.
* Alle politischen Parteien wurden verboten und deren Vermögen beschlagnahmt.
* 650.000 Personen wurden festgenommen.
* 1.683.000 Personen wurden polizeilich registriert.
* In 210.000 Prozessen wurden 230.000 Personen vor Gericht gestellt.
* Für 7.000 Personen wurde die Todesstrafe gefordert.
* 517 Personen wurden zum Tode verurteilt.
* 50 Personen wurden gehängt (18 linksorientierte und 8 rechtsorientierte politische Gefangene, sowie 23 Straftäter und 1 ASALA-Anhänger).
* 71.000 Personen wurden wegen Meinungsdelikten vor Gericht gestellt.
* 98.404 Personen wurden als "Anhänger illegaler Organisationen" vor Gericht gestellt.
* 388.000 Personen wurde ein Reisepass verweigert.
* 30.000 Personen wurden entlassen, weil sie "verdächtig" seien.
* 14.000 Personen wurden aus der Staatsbürgerschaft entlassen.
* 30.000 Personen flohen ins Ausland.
* 300 Personen wurden durch unbekannte Täter ermordet.
* 171 Personen starben unter Folter.
* 937 Filme wurden verboten.
* 23.677 Vereine wurden geschlossen.
* 3.854 Lehrer und Lehrerinnen, 120 Universitätsdozenten und 47 Richter wurden entlassen.
* Die Veröffentlichung der Zeitungen wurde insgesamt 300 Tage verhindert.
* 13 große Zeitungen wurden 303 mal vor Gericht gestellt.
* 39 Zeitungen und Zeitschriften wurden verbrannt.
* 133.607 Bücher wurden verbrannt.
* 299 Personen starben im Gefängnis.
* 14 Personen wurden beim Todesfasten getötet.
* 160 Personen starben unter verdächtigen Umständen.
* 95 Personen wurden bei einem Schusswechsel erschossen.
* 73 Personen starben aus natürlichen Gründen in Polizeihaft.
* 43 Personen begingen Selbstmord in Polizeihaft.
gute nacht!
ein wahnsinn
ein putsch ist das letzte was die türkei jetzt braucht, genausowenig wie eine islamistische regierung, die die justiz unter ihre fuchteln nimmt.
militär+justiz ...
militär+justiz ...
das oage
an den statistischen werten finde ich.
in Diyarbakir, Van usw. waren 95% oder mehr für JA, aber die Wahlbeteiligung war immer knapp bei 20-30%, wenn überhaupt.
also oag find ichs jetz nicht, aber es gibt sicherlich einige Menschen, die nicht draufkommen, dass die 95% was mit den 30% zu tun haben. Aufgelistet wird dann nur:
"Diyarbakir stimmt zu 95% mit JA ab! Ooohoo!"