Österreicherzelle



 

Ich war im Häfn. Kein Schmäh. Was ich so böses verbrochen habe? Besoffen am Fahrrad erwischt worden. Glaubt ihr nicht? Dann bitte weiterlesen.

 

„Ah, du bist aus Kärnten, so wie I! Des sigt ma weil dei Nachname auf -ig endet. Die meistn Leit do haasn jo olle irgendvos mit -ić.“ Das war einer der ersten Sätze, die ich von einem der Schliesser in der Rossauer Lände gehört habe. Die Tatsache, dass ich als Slowene auch ein Jugo bin, liess ich mal so aussen vor. Schließlich bin ich nicht zum Diskutieren in den Häfn gegangen.

 

Aber wieso denn dann? Naja, ich bin irgendwann in aller Frühe betrunken auf meinem Fahrrad erwischt worden. Da kommt dann eine Verwaltungsstrafe von mindestens 800 Euro auf einen zu. Es zahlte sich für mich also eher aus die Summe in 15 Tagen abzusitzen als sie zu bezahlen. „Ersatzfreiheitstrafe bei Uneinbringbarkeit“ wird sowas im Amtsdeutsch genannt und wird im Leumund nicht vermerkt.

 

Österreicherzelle, do kummst eine!“. Es begrüssten mich 5 Männer verschiedenen Alters und Berufs. Vom 20jährigen Lehrling bis hin zum knapp 60jährigen Sandler-Alki war alles vertreten. Jeder hatte seine eigene kleine Geschichte. Der eine saß wegen dem gleichen Blödsinn wie ich, der andere weil er irgendwelche Schwarzfahr-Strafen nicht bezahlt hat und so weiter und sofort. Jedenfalls war ich froh in einer recht unaufregenden Zelle gelandet zu sein. Schließlich bin ich nicht zum Schlägern in den Häfn gegangen.

 

Mein Tagesablauf war in etwa so: Aufstehen, Frühstuck, weiterpennen. 2 Folgen How I Met Your Mother, 2 Folgen Scrubs, 2 Folgen Simpsons. Mittagessen und das Ganze von vorne. Es gab aber immer wieder Highlights, wie zB. Die Hofspaziergänge. Dort kann man dann total sportlich im Kreis gehen und Tschik schnorren. Zumindest aber sieht man auch mal andere Gesichter und kann ein wenig plaudern.

 

Ab und zu haben wir in der Zelle auch geplaudert. In einer gstandenen „Österreicherzelle“ wurde dann auch gern und oft über „de Ausländer“ geschimpft. Wie beispielsweise „de Ungan“ und „de Tscheeechn“ einem das Radl gfladert hätten. Auf meinen Einwurf hin, dass sicher kein Ungar zum Radl-Fladern nach Korneuburg fährt, gab's mal fragende Gesichter. Als ich bei meinen Häfnbruder dann noch nachhakte, ob er denn nicht auch schon mal ein Rad geklaut hätte gab's ein aus der Pistole geschossenes „Oba na freilich!“. Aha.

 

Dann gibt’s noch die „Fazi“ genannten Hausarbeiter. Häftlinge, die einem das Essen bringen, Wäsche waschen und ähnlichen Kleinkram erledigen. Der „Bücher-Fazi“ bringt einem einmal die Woche Bücher aus der Häfnbibliothek. Einem Zellengenossen, dessen Eltern aus Ägypten kamen legte der Bücherfazi nun einmal nahe, „den Sarrasöö“ (gemeint war Thilo Sarrazin) zu lesen, weil die Muslime seien ja sowieso alle dumm, wegen der Gene und so. Mein Zellengenosse hielt dann lieber die Klappe. Schließlich ist er nicht zum Diskutieren in den Häfn gegangen.

 

An einem Samstag gabs dann Gottesdienst. Ich bin zwar nicht gläubig, aber die Scrubs-Wiederholung hab ich dann doch lieber gegen den Pfarrer eingetauscht. So saßen wir da etwa 20-25 Männer aus den verschiedensten Nationen, einen Halbkreis bildend wie im Kindergarten. Beten, Helleluja-oh-Hosanna-singen und natürlich eine Predigt: Tut's nicht mehr sündigen, aber der Herrgott ist eh gnädig und vergibt, Amen. Ein riesiger Kerl aus Serbien der ausschaute wie der fleischgewordene Wikipedia-Eintrag zum Wort „Häfnpeckerl“ hielt sein orthodoxes Kreuz am Goldketterl fest in der Hand und eine Träne kullerte ihm über die Wangen. Und als I-Tüpfelchen schnappt er sich noch die Gitarre des Pfarrers und gibt Roma-Musikklassiker zum besten, dass es eine Freude ist. Mit Gesang, versteht sich.

 

Mit Abstand am dreckigsten geht es den Schubhäftlingen, welche in einem seperaten Trakt untergebracht sind. Man bekommt öfters mit, wie sie in die Einzelzellen gesteckt werden, da es die Jungs wegen der noch schlechteren Behandlung öfters aushagelt. Sowohl meine Mithäftlinge wie auch die Polizei reden von ihnen nur als „de Nega“ und mehr als die Ohnmacht runterzuschlucken blieb mir nicht. Schließlich bin ich nicht in den Häfen gegangen um Abschiebungen zu verhindern.

 

Bilanz meines 15tägigen Aufenthaltes im „Polizeianhaltezentrum“: Knast ist wirklich das Letzte, zumindest gab er mir aber einen Einblick in Lebensbereiche und soziale Millieus, zu denen ich sonst kaum Kontakt habe. Nochmals würde ich nicht reingehen. Schließlich bin ich nicht auf der Welt, um gesiebte Luft zu atmen.

 

PS.: Und betrunken Radfahren werden ich auch nieeeeeeeeeee mehr. Ehrenwort! ;)

4.18182
 
 


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nice 1! war sehr köstlich deine Häfn-Ausführungen zu lesen! gibts da noch mehr hinter den Gittern?

Also die die hinter der

Also die die hinter der Gittern sind werden wohl schwer was schreiben können ;)

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