Anleitung zum Glücklichsein



„Es war ein klarer, kalter Tag im Juli, und die Uhren schlugen gerade dreizehn, …“

 

Wir haben es geschafft! Gut, viele von uns zumindest. Wir konnten uns dem dunklen Schleier entledigen, der sich Freitag der 13. schimpft. Wie auf hoher See sind wir einer starken Windböe entkommen, die das Schiff hätte zum kentern bringen können. Einige Unglückliche sind übers Wochenende wohl dennoch abgesoffen. Doch der Rest von uns hielt gemeinsam stand und wir ließen uns auf keine Zwangsehe mit dem Unglück ein. Töricht wie manche sind, trauten sie sich an diesem schicksalhaften Tag nicht mal vor die Tür. Zugegeben, es klappte nicht ganz ohne ein paar Hilfsmittel.

 

Während ich zu Hause früh morgens sämtliches Geschirr meines sorgfältig gesammelten Sortiments zerschlagen habe, kam mir die Frage gar nicht in den Sinn, was ich da eigentlich tat. Es fühlte sich gut an, und das ist das Wichtigste. Mit einem Hufeisen um den Hals, einem Rauchfangkehrer auf dem Weg ins Grüne begegnend, habe ich dann den ganzen Vormittag nach vierblättrigem Klee gesucht und das Glück war natürlich mein Begleiter, ich fand einige Exemplare. Als ich auf dem Weg nach Hause ununterbrochen nach Hundehaufen Ausschau hielt, fiel mir die schwarze Katze meines Nachbars auf, ein liebenswerter Kerl. Ich versetzte ihr einen Tritt und sie flog im hohen Bogen über die Steinmauer im Garten. Gut gemacht – eine Sorge weniger. Zur Sicherheit habe ich auch gleich den Maler, der gerade mit Streichaufgaben beschäftigt war, von seiner Leiter geholt damit er später nicht durch diese durchgehen musste. Er erlitt zum Glück nur eine Sprunggelenkfraktur - es hätte weitaus schlimmer kommen können.

Da kam es mir plötzlich: Auf Holz klopfen kann man ja fast immer, sofern man ein Dach über dem Kopf hat oder zumindest auf einer Parkbank lebt. Über viele 13. Stockwerke in Gebäuden und 13. Sitzreihen in Flugzeugen braucht man sich auch nicht den Kopf zerbrechen, es gibt sie nämlich oft nicht. Stattdessen sollte man sein Schicksal in die eigene Hand nehmen und seines Glückes Schmied sein.

Hier ein kleiner Leitfaden wie es sich besser leben lassen könnte, also singen Sie mir nach und ergötzen Sie sich an Ihrem Wohlergehen!

 

Sie können der Kirche aus,- und einer Sekte beitreten, oder feiern Sie ihre kulturelle Vielfältigkeit sowie sich selbst als Individuum und Ihr Leben als solches! Lassen Sie alte Ängste los! Gehen Sie mit Ihrem/r Freund/in ins Kino, haben Sie hemmungslosen Sex im Kino! Ohne Freund/in geht’s natürlich auch, vergessen Sie einschlägige Etablissements, wenn Ihnen danach ist, ist Ihnen danach! Erleben Sie jeden Moment bewusst!

Auch wenn Ihre Cholesterinwerte es offensichtlich nicht zulassen, essen Sie eine Ganze Schokoladentafel auf einmal auf! Machen Sie Musik, hören Sie Musik! Wenn Sie taub sind, klopfen Sie einfach mit den Fingern auf dem Tisch, irgendwem wird es schon gefallen und keine Angst, die meisten halten Sie eh schon für verrückt! Lassen Sie sich trotz Querschnittslähmung nicht einreden Sie könnten nicht tanzen! Seien Sie kreativ und produktiv, hören Sie auf Ihre Eltern und Lehrer (sofern die noch am Leben sind), sie wollen nur das beste für Sie! Hören Sie auf den Dalai Lama!

Seien Sie ein kosmopolitisch-hedonistischer Schöngeist und umarmen Sie die Transzendenz! Lassen Sie sich von guten Freunden auf ein teures Abendessen einladen! Blicken Sie in Büchern durch und freuen Sie sich darüber, dass Sie verstehen was der Autor damit gemeint hat!  Seien Sie ein bunter Hund, halten Sie auch an schlechte Gewohnheiten fest!

Machen Sie Geld und kaufen Sie sich ein Haus, ignorieren Sie Unwetterwarnungen und fliegen Sie auf Urlaub in die Karibik! Kaufen Sie sich ein Auto und fahren Sie es zu Schrott! Lernen Sie wieder Laufen und machen Sie Sport!

Machen Sie jemandem eine Freude!

Durchkämmen Sie bei Regen die Donau im Schlauchboot, mit der Sonne im Herzen! Besuchen Sie die Stadt welche Sie schon immer sehen wollten, oder fahren Sie doch wiedermal aufs Land campen und in die Berge wandern!

Bilden Sie sich eine politisch korrekte Meinung und spenden Sie an Bedürftige oder finden Sie geistreiche Ausreden warum Sie es nicht tun! Seien Sie stolz auf sich, üben Sie sich in Demut! Auch wenn Sie ein Taugenichts und geplagt von sozialen Ungerechtigkeiten sind, glauben Sie an sich! Erkennen Sie sich und seien Sie sie selbst!

Lassen Sie sich nichts einreden, gehen Sie mal wieder so richtig saufen und lassen Sie die Sau raus, wachen Sie in einem fremden Bett auf! Besorgen Sie sich Energiearmbänder vom Esoterik-Shop Ihres Vertrauens und nehmen Sie homöopathische Cocktails ein, oder wenn das nicht hilft, probieren Sie es mit einer intravenösen Heroin-Koks Mischung, ihre Kinder können Ihnen unter Umständen einen preiswerten Dealer um die Ecke empfehlen! Lachen Sie dann beim Pferde stehlen dem Tod ins Gesicht! Fühlen Sie sich lebendig!

Lassen Sie sich mit Widerstand gegen die Staatsgewalt wegen Einbruch verhaften, geben Sie dem Richter ein lahmes Schulterzucken und albernes Grinsen… fühlen Sie sich frei am Tag der Entlassung! Sie müssen nicht Kind eines Casino-Besitzers sein um beim Kartenspiel zu betrügen! Sind Sie es doch, ist es eine win-win Situation für Sie!

Fühlen Sie sich wichtiger als jemand anders, schauen Sie von einem hohen Gebäude herunter und spucken Sie von Brücken! Nicht aufregend genug? Übrigens gibt es aktuell wieder viele Menschen, die den Trendsport des Brückenspringens ohne Sicherung für sich entdeckt haben. Oder seien Sie waghalsig und gehen Sie über eine vielbefahrene Straße ohne nach links und rechts zu blicken!

Konsequenzen sind sowieso für pussies! My work here is done. Obey – …and enjoy!

 

Ich aber für meinen Teil habe mich am Freitag sicherheitshalber gleich für den Rest des Monats mit einer Geisteskrankheit krankschreiben lassen und während an diesem kalten Tag im Hochsommer vereinzelte Regentropfen gegen mein Fenster klatschen, kullert mir eine Träne der Freude übers Gesicht. Zum Glück sind wir dem Mittelalter heil entkommen. Egal ob nun Außerirdische, Illuminaten, Bilderberger, Geheimdienste, die neue Welt, der 13. oder nicht, ich rücke meinen Aluhut zurecht und blicke mit Zuversicht auf den nächsten Freitag.

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Super Text. Hab ihn mit

Super Text. Hab ihn mit Vergnügen gelesen!

Danke fürs Durchlesen!

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FETT!

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