Brauchst du? Kriegst du, am Flohmarkt!

Bild aus dem biber Magazin

Shoppen am Sonntag, zu niedrigsten Preisen und noch dazu in Bazar-Atmosphäre?
Wiens größter Flohmarkt bietet nicht nur alten Ramsch, sondern auch neuwertige Waren von der Spielzeugpuppe bis zum Rasenmäher.


 

Um Punkt vier Uhr steht Naim Şen am Sonntagmorgen auf und macht sich bereit, seinem ganz besonderen Hobby nachzugehen. Die vollbepackten Kisten und den aufklappbaren Standtisch hat er bereits am Vortag in seinen zwölf Jahre alten, weinroten Mercedes geladen und eine leichte Aufregung überkommt ihn, als er in der Morgendämmerung in Richtung des größten Flohmarktes in Wien Simmering fährt, weil er den bestmöglichen Verkaufsplatz ergattern will.
Der einundsechzigjährige pensionierte Maurer hat vierzig Jahre lang auf unzähligen Baustellen seine Dienste erwiesen und sollte sich nun eigentlich einen ruhigen, entspannenden Lebensabschnitt gönnen. Stattdessen hat er aber eine Beschäftigung gefunden, die schnell zu seiner Leidenschaft geworden ist und der er engagiert nachgeht.
Er ist Flohmarktverkäufer, kennt alle Marktplätze in Wien und hat sich im Laufe der Zeit zu einem richtigen Spezialisten in diesem Bereich entwickelt.

 

 


Die Sucht des Verkäufers
„Das ist wie eine Sucht. Wenn man einmal in diese Flohmarktgesellschaft hineinkommt, macht das einem so großen Spaß, dass es abhängig macht. Wenn ich zu Hause irgendetwas sehe, dass schon seit einiger Zeit nicht mehr benutzt wird, dann freue ich mich, weil ich es nächsten Sonntag auf meinem Stand anbieten kann.“

Kaufen und verkaufen, handeln und feilschen, beraten und tricksen. Ein Flohmarkt ist ebenso ein Sammelplatz der Schnäppchenjäger wie ein Marktplatz der Eitelkeiten, aber vor allem  ein Ort, der sogar für den dünnsten Geldbeutel eine reiche Auswahl an leicht erschwinglichen Produkten jeder Sorte zur Verfügung stellt. Und gerade in Zeiten der Krise kann er zu einem Ort des kleinen Glücks werden.

Wer möchte nicht die treuen Menschen seiner Umgebung und sich selbst mit hübschen Geschenken erfreuen, benötigte Sachgegenstände ohne zu zögern erwerben oder sich einfach mal zwischen unzähligen Waren nach Lust und Laune quer durchshoppen? Leider gestaltet sich diese Vorstellung für viele österreichische Familien als schwierig, vor allem wenn man bedenkt, dass laut Statistik Austria 25% der Privathaushalte im Jahr mit weniger als 18.393 EUR Bruttoeinkommen auskommen müssen.

Spottpreise in Simmering
Auch Herr Şen sucht am Flohmarkt sein Glück und ein wenig mehr Einkommen. Die Produktpalette des Familienvaters erstreckt sich von alten Romanen, verschiedenem Werkzeug und kleinen Haushaltsgeräten, bis hin zu kaum getragenen Kleidungsstücken, alten Fotoapparaten und gepflegten Schuhen, die er zu Spottpreisen anbietet. „Meine Verwandten und Freunde wissen über mein Hobby Bescheid und bringen mir immer wieder Sachen mit, die sie nicht mehr brauchen. So kommt immer genug zusammen.“
Der beliebteste, günstigste und zugleich größte Flohmarkt, der sonntags besucht werden kann, befindet sich in der Hasenleitengasse 49 in Simmering. Auf einer großflächigen Sportanlage kann jeder, der  verkaufen will, gegen eine Gebühr von 20 €, die er bei den einweisenden Wärtern entrichten kann, schon ab zwei Uhr früh mit seinem Auto einfahren und aufbauen.

Naim Şen ist schon viel herumgekommen, schwört aber auf den Simmeringer Flohmarkt am Sportplatz: „Wenn man diesen Flohmarkt mit den anderen, wie den am Naschmarkt vergleicht, hat man hier die größte Produktauswahl zu den günstigsten Preisen.“

Die Bazar-Begeisterten
Das Aufbauen verläuft besonders heiter. Es wird mit den Nachbarn gescherzt, heißer Tee getrunken und über den weiteren Verlauf des Wetters, der das Geschäft maßgebend beeinflusst, diskutiert. Die meisten gehen dieser Beschäftigung schon seit vielen Jahren nach, kennen sich bereits untereinander und können sich ein Leben ohne Flohmarktzirkus nicht mehr vorstellen.

 

 

 

 

 


Kurz vor sieben Uhr entsteht dann ein farbenfrohes Spektakel, wenn man seinen Blick umherschweifen lässt. Rasenmäher, Autoreifen, Laptops, Handys, Kleidungsstücke, Spielzeugpuppen, Weihnachtsbäckerei, frisches Obst und Gemüse, Bücher, Gemälde, Filme, Besteck, Geschirr, Waschmaschinen, Kühlschränke und so viel mehr warten darauf, um für kleinste Beträge den Besitzer zu wechseln. Weit weg sind die Zeiten, als der Flohmarkt sofort mit sehr alten und gebrauchten Waren assoziiert wurde. Heute trifft man auf Unmengen an neuwertigen Produkten, die nur ein- oder zweimal benutzt und dann nicht mehr benötigt wurden.

Der Stand von Herrn Şen befindet sich zwar nur auf der Grünfläche hinter dem Hauptplatz, aber trotzdem versammeln sich gegen 7 Uhr bereits die ersten Interessenten und durchforschen sorgfältig das Sortiment. Besonders eingefleischte Flohmarktgeher opfern gerne ihren Sonntagsschlaf und eilen in den frühen Morgenstunden herbei, um die besten Waren vor dem großen Besucheransturm an sich zu reißen und eventuelle Schmuckstücke zu ergattern.

 

 

 


Freundliches Feilschen


Um 9 Uhr wird dann der Andrang der Besucher immens, sodass sich an jeden Verkaufsstand zahlreiche Menschen drängeln.
Eine Dame fragt nach dem Preis der gebrauchten Bratpfanne und Herr Şen antwortet prompt: „Drei Euro!“
Als sie den Preis zu hoch findet und weitergehen will, fragt er: „Wie viel willst du hergeben? Sag mal!“
Sie meint, dass sie nur einen Euro hätte und das versetzt einen nachdenklichen Gesichtsausdruck in Herr Şen’ s Gesicht. „Gut, nimmst du!“, sagt er, kassiert das Geld und kümmert sich um einen anderen Kunden.
„Hier musst du immer handeln, nur so macht es Spaß“, sagt er, aber fügt hinzu, dass alles in bestimmten Rahmen erfolgen kann.

Für Naim Şen sind Türken die unangenehmsten Kunden. „Die feilschen zu übertrieben und wollen immer nur so wenig für etwas bezahlen, dass ich es dann doch lieber bei mir behalte. Wenn ich dann sage, dass ich nicht verkaufen will, sind sie böse und machen Theater.“ Besonders mag er die Österreicher am Flohmarkt, weil diese niemals handeln würden. „Wenn die etwas wirklich brauchen, dann kaufen sie es auch, ohne lange herum zu diskutieren. Die Verkäufer sind aber auch so. Bei denen kannst du einen Preisnachlass meistens vergessen. Da geht nix.“

Mit der beachtlichen Expansion des Simmering Flohmarktes können nicht nur Interessierte in eine ganz andere Welt wie im Orient eintauchen, sondern finanziell bedürftige Familien sich endlich auch einen kleinen Luxus leisten und ihren Alltag versüßen.

 

 


Von Erkan Yildiran

:)

Flohmärkte sind super, es gibt nichts besseres als an einem gemütlichen Samstag morgen mit Freunden bei einem Flohmarkt zu treffen und mit Bergen von Krims-Krams wieder nach Hause zu kommen.
Außerdem ist es eine gute Möglichkeit für sich selbst, sich von alten Sachen zu befreien. Das kann ein wirklich befreiendes Gefühl sein. Und wer ab und zu entrümpelt schafft Platz für neu-eroberte Schnäppchen ;)

der gute mann

heißt im text Naim Şen und laut bild Naim Sen (was falsch ist)

ein bisschen mehr durchhaltevermögen wäre süper

danke für den Hinweis. Vor

danke für den Hinweis. Vor allem biber hat sich zum Ziel gesetzt, diese unbeliebten diakritischen Zeichen richtig zu positionieren, schließlich wissen wir auch, was sie bedeuten. Wird dir hoffentlich das nächste mal nicht auffallen!

Super Erkan. Wirklich

Super Erkan. Wirklich interessant!

Ich würde auch mal gerne meine alten Sachen verkaufen.. Ich hätte bestimmt den ärgsten High Tech stand =)

Vielen Dank!

Ja klar, kannst du wirklich machen.
Da kommen so viele Besucher hin, dass du auf jeden Fall genug los wirst.

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