Bulgarischer Grund und Boden
Dieser Blog ist einem bewegenden Phänomen gewidmet: der bulgarischen Straße und den Abenteuern, die sie dem gemeinen Touristen beschert.
Sweti Wlas war vor wenigen Jahren noch ein stilles Dorf am Meer. Heute ist es eine Touristenhochburg. So wirr in seiner Architektur und Planung, wie der wodkadurchtränkter Traum eines russischen Architekten. Nein nicht die Russen haben Sweti Wlas gebaut. Aber sie halten sich gerne dort auf. Das allgegenwärtige Russisch wird nur ab und zu von Zwischenrufen der bulgarischen Kellner und Verkäufer unterbrochen. Sowie durch seltenes, aber umso auffälliges, Aufblitzen von Deutsch oder Englisch vor den Souvenirläden oder am Strand. Das ist das besondere an Sweti Wlas – es ist für den Russen, was der Ballerman für den Deutschen ist – eine Enklave. Dieser Blog widmet sich jedoch nicht dem Besonderen. Er widmet sich dem Allgemeinen: Einem Phänomen, das nicht nur für das neurussische Örtchen am Schwarzen Meer, sondern für so viele bulgarischen Touristenständchen zutrifft und mich seit Jahren bewegt – der bulgarischen Straße.
Die Landstraßen
Ganz abgesehen von den Landstraßen, die aus zwei Spuren in jeweils entgegengesetzter Richtung bestehen (besonders Mutigen bietet der Pannenstreifen rechts eine hervorragende und abenteuerliche Möglichkeit zum Überholen). Diese Straßen sollen nur am Rande erwähnt werden. Als Hinführung so zu sagen. Denn wenn man diese Straßen mit all ihren netten Überraschungen wie Geisterfahrer-Lastkraftwagen und Löchern jeder Art und Größe überlebt hat und am improvisierten Hotelparkplatz – einem Grund bestehend aus Anhäufungen von Kies, Gestrüpp und zerdrückten Zigaretten - geparkt hat, erst dann fängt das Abenteuer an.
Bonbonfarbene Türmchen
Der frisch angekommene Tourist will sich erst mal das Meer anschauen. Aber das geht nicht. Der Parkplatz ist umzingelt von Hotelanlagen. Sie sind zum gleichen Anteil inspiriert von der Baukunst der - damals sowjetischen - Plattenbau-Architekten und den ersten Kindheitserfahrungen der Erbauer mit Legosteinchen, die der Schwerkraft trotzen. All das in Bonbonfarben. Verziert mit englischsprachigen Namensschildern passend zur Meeresthematik. Der müde Tourist geht durch die engen Straßen zwischen den Gebilden, bis deren Namen am dunklen Himmel leuchten. Ohne jemals am Meer anzukommen. Denn jeder dieser rosa oder sandfarbenen Türmchen hat ein Areal, das mit einem Zaun in weniger einladenden Farben versehen ist.
Die Suche nach dem Meer
Mittlerweile haben solche Hotels und die dazugehörigen Zäune so manche Strandpromenade von den Karten getilgt. Es gibt ein oder zwei Zugänge zum Meer, sonst darf der gemeine Tourist an einem hübschen Panorama der späten Neunziger Jahre Baukunst in Pastelltönen entlangschlendern und auf das Durchblitzen des Meeres warten (besonders perfide sind in diesem Zusammenhang blaue Hotels- kaum glaubt der erschöpfte Tourist das Meer im Blickfeld zu haben, entpuppt es sich als Hotel „Laguna“ oder „Blue Sea“). Die Zyniker unter den Touristen haben aus der Suche nach dem kühlen Nass ein Trinkspiel gemacht. Wer es als erster sieht, darf als erster trinken - und hier sprechen wir von Hochprozentigem. Doch in diesem Blog soll es nicht um das Phänomen der zugebauten Küste gehen, sondern um die Straßen. Sie sind das wahrlich bemerkenswerteste an den bulgarischen Touristenstädtchen am Meer.
Die Straßen und ihre Gefahren
Zu jedem Hotel gehört nicht nur ein umzäuntes Areal, sondern auch der Zugang zu diesem – die Straße. Alles deutet darauf hin, das sich ausschließlich die Hotels selber um diese Art der Infrastruktur kümmern. Dort wo noch kein Hotel seinen Platz gefunden hat, gibt es im besten Fall eine schlecht erhaltene Straße im freien Gestrüpp auf dem aufgespießte, bunte Plastiksackerl wehen. Einen Meter weiter steht ein grandioser pfirsichfarbener Touristentraum. Kurz vor dem Hotelzaun materialisiert sich aus dem Schutt und Dreck der Straße ein zauberhaftes Trottoir aus kunstvoll ausgelegten Kacheln mit bunten Lichtdioden. Dahinter blühen Rosen vor saftigem Wiesengrün. Alles auf derselben Straße, zehn Meter voneinander entfernt. Den Übergang vom trostlosen Gestrüpp zum Rosengarten bildet eine halbherzig betonierter Streifen Beton, krumme Stufen oder ein Brett. Manchmal verschwindet die Straße ganz und der verwirrte Tourist steht mitten auf einer Fläche – halb Baustelle, halb Landweg. Manchmal ist ein Fußgängerbereich vorhanden, der immer enger wird, bis irgendwann nur noch Platz für die Laternen bleibt. Zugegebenermaßen handelt es sich dabei um wirklich hübsche Laternen, die stilistisch perfekt auf das dazugehörige Hotel abgestimmt sind. Die einzigen ihrer Art, denn der Rest des Ortes versinkt im Halbdunkel der leuchtenden Schilder der Hotels. Im Lichte dieser Laternen hüpfen Touristen auf der Straße von Seite zu Seite, um den Autos auszuweichen. Nicht nur Laternen können ein Hindernis auf dem Weg der Fußgänger werden. Auch Mülltonnen, Kaffeeautomaten oder ästhetisch gut gemeinte Palmen können unvorsichtige Touristen zum Absprung auf die Straße zwingen. Überhaupt ist jeder Route durch einen bulgarischen Touristenort tödlich für jede Art von Schuh, kann es aber auch für Besitzer von Higheel werden. In diesem Sinne: Badeurlaub in Bulgarien ist super – aber unbedingt feste Schuhe und eine Taschenlampe mitnehmen
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klingt nicht wirklich
klingt nicht wirklich einladend :D
Ist es auch nicht:) Das war
Ist es auch nicht:) Das war mein hate blog an die Straßen hier vor ort. Bin schon an die fünf mal umgeknickt und mein Knöchel sieht aus wie der oberarm von Wladimir Klitschko in blau:/