"Dann bin ich eben nicht Österreicher!"

Am Papier Österreicher, im Herzen lieber alles andere: Warum es jungen Migranten an Nationalstolz für ihr Geburtsland mangelt – und warum das in Deutschland anders ist.

Von Delna Antia, Fotos: Marko Mestrović

 

"Natürlich ist Österreich mein Land! Ich kann zum Teil besser Deutsch als viele Österreicher, ich kann Dialekt sprechen und bin mit Austropop aufgewachsen.“ Aber Österreicherin sei Dajana nicht. Sie ist Wienerin. Ein gravierender Unterschied. Und eine gewollte Absage. Sie fühlt sich ausgeschlossen. 

Nara kennt das Gefühl. „Wenn die Leute nicht einmal mich, die perfekt Deutsch spricht und hier geboren ist, akzeptieren, wie soll das dann erst mit den Flüchtlingen gehen?!“ Gute Frage.

Nara und Dajana heißen in Wahrheit anders. Aber wenn es um die Staatszu- und angehörigkeit geht, redet es sich besser verdeckt. Die beiden Frauen sind Anfang 20, sie wurden in Wien geboren, gingen hier zur Schule und wuchsen in Favoriten auf. Die eine hat tunesische Eltern, die andere serbische. Die eine trägt Kopftuch, die andere ist blond und blauäugig. Beide sind Migrantinnen der zweiten Generation und beide besitzen die österreichische Staatsbürgerschaft – die Krönung jeder Integrationsbiographie. Doch wie vielen fällt es auch ihnen schwer, meine Frage zu beantworten: Bist du Österreicherin?

„Puhhh, ich weiß es nicht.“ Diese Antwort höre ich oft. Statt „ja“ oder „nein“, werden mir in meinen Interviews lieber Alternativen angeboten. Eine ist „eher Europäerin“, ein anderer „lieber Kosmopolit“ und manch einer findet: „Von nationalem Denken halte ich nichts.“ Geübte Ausweichmanöver. Es scheint nicht leicht Österreicher zu sein.

Foto: Marko Mestrovic
Foto: Marko Mestrovic

„Die stehen zu ihrem Deutschsein!“

Die Antworten bestätigen meinen Verdacht. Den hege ich nämlich seit längerem: Migranten in Österreich wollen sich national partout nicht identifizieren. Und um es schlimmer zu machen: Deutsche Migranten wollen das schon eher. Sie fühlen sich stärker Deutschland zugehörig, als die österreichischen zu Österreich. Starker Tobak, ich weiß. Doch mein Bauchgefühl wurde vor dem Sommer durch zwei Dinge angefeuert: Ich stieß auf Statistiken einer europaweiten Studie und ich traf meine türkische Freundin. Beide bestätigten den Unterschied.

Die Ergebnisse von TIES, einer großen Studie, die 2012 in neun europäischen Ländern die Situation von Migranten der zweiten Generation untersucht hat, zeigen folgendes: Während sich in Deutschland türkische und ex-jugoslawische Migranten zu 49 – 70 Prozent stark zugehörig fühlen, sind es in Österreich nur 29 – 57 Prozent. Hinzu kommt, dass meine Freundin zu 100 Prozent lieber mit einem Deutschtürken als mit einem Türken aus Österreich ausgehen würde. „Die stehen zu ihrem Deutschsein!“ Das mache attraktiv, im Gegensatz zur österreichischen Zerrissenheit. Hier will keiner stolzer „Austrotürke“ sein, sie eingeschlossen. Aha, interessant und danke! Das Thema meiner Masterarbeit war hiermit gefunden. Ich ging der Sache nach.

Im Frühsommer diesen Jahres führte ich daher jede Menge Interviews, 26, um genau zu sein. Ich sprach mit Migranten der zweiten Generation, im Alter zwischen 15 bis 36 Jahren, im Ruhrgebiet und in Berlin, in Wien und Wiener Neustadt. Ich habe mit ihnen Kaffee getrunken und sie gefragt, wie sie zum Land ihrer Geburt und Staatsbürgerschaft stehen. Im Gegensatz zur aktuellen Studie der Stadt Wien über die Radkalisierung von Jugendlichen, habe ich bewusst nicht mit „benachteiligten“ Jugendlichen in Jugendzentren gesprochen, sondern mit „etablierten“ jungen Leuten. Solchen, die ein Studium verfolgen, ein Praktikum machen oder fest im Job verankert sind. Nur in Duisburg war ich auf einer sogenannten „Brennpunktschule“.  

Was dabei rausgekommen ist, könnt ihr auf der Uni-Bibliothek differenziert auf 84 Seiten nachlesen – oder hier kompakt.

Foto: Marko Mestrovic
Foto: Marko Mestrovic

„Der Pass ist Sicherheit!“

Zunächst, ein Pass macht noch keinen Landsmann. Da sind sie sich in Österreich wie in Deutschland einig. Identität ist ein Gefühl und kein Stück Papier. Was aber nicht heißt, dass es keine Wechselwirkung gibt. „Was der deutsche Pass mir bedeutet? Privilegien! Innerhalb der EU frei reisen zu können... Sich an Wahlen beteiligen zu können, mich für bestimmte Posten bewerben können. Wirklich überhaupt ein Teil dieses Landes zu sein“, erklärt mir Metin. Der 26-Jährige sei zwar eher Oberhausener als Deutscher, aber mit dem deutschen Rechtsstaat identifiziert er sich sehr.

Die Demokratie, das deutsche Grundgesetz, die politische Sicherheit sind für viele gute Gründe, froh und stolz auf den deutschen Pass zu sein. Amirs Antrag auf Staatsbürgerschaft läuft derzeit. „Ganz ehrlich, als 100 Prozent deutscher Staatsbürger wäre ich in Europa, mit den rechtspopulistischen Entwicklungen, zu 100 Prozent sicher.“ Auch Luca hat seinen Antrag dieses Jahr gestellt – ebenfalls aus politischen Gründen. Der 36-jährige Familienvater will mitgestalten können im Land, in dem er und seine Familie leben: „Ich habe beschlossen, dass mit meinem Kind der Integrationsprozess abgeschlossen sein soll. Wegen dem Aufschwung der AFD brauche ich eine Stimme!“ Weil so, als Italiener, kann er nicht wählen. Und unterm Strich sei er ja deutsch, abgesehen von den schwarzen Haaren.

Auch in Österreich zählt der Sicherheitsgedanke, jedoch mehr in Punkto sozialer Sicherheit. „Existenzsicherung“ gäbe es in seiner Heimat nicht, erklärt mir Can, ein 29-jähriger Wiener.  Und Esma, eine Wienerin mit bosnischen Wurzeln, wünscht sich nichts mehr als die österreichische Staatsbürgerschaft - aus Gründen des „inneren“ Schutz. „Der Pass ist Sicherheit! Dass ich nicht ausgewiesen werde. Wenigstens wählen zu können, in dem Land, in dem ich lebe. Als Mensch ohne EU-Bürgerschaft bist du ein Mensch zweiter Klasse. Du musst dich in der Uni an eine andere Schlange anstellen und auch bei Jobs hast du es schwerer.“

Die „Papier-Identität“, wie viele sie nennen, mag zwar weniger emotional sein, sie ist aber existenziell. Und weil die eigene Existenz nun einmal von Geburt an mit dem Land verknüpft ist, empfinden einige schlicht ein Recht auf den rot-weiß-roten Pass. Wie der 33-jährige Robert. Ja, Robert ist auch Migrant. Seine bosnischen Eltern gaben ihm bewusst einen österreichischen Namen, damit er es weniger schwer als sein älterer Bruder mit typisch jugoslawischem Namen haben würde. „Ich bin da aufgewachsen und ich lebe hier. Es ist für mich legitim die Staatsbürgerschaft zu haben und selbstverständlich sie auch zu nehmen.“

Doch letztlich gilt, was Malva sagt: „Der Pass stempelt mich definitiv nicht als Österreicherin ab!“ Aber was dann?

Foto: Marko Mestrovic
Foto: Marko Mestrovic

Nicht richtig Österreicher

Die 22-Jährige weiß es nicht. „Ich denke sehr oft darüber nach. Was bin ich? Halbe Österreicherin? Halbe Türkin?“ Die Identitätsfrage beschäftigt jeden, der anders ist. Als Migrant gehört sie zum Leben dazu wie Marmelade zur Sachertorte. Wer von dir wissen will, woher du  „wirklich“  kommst, will wissen wer du „wirklich“ bist. Und macht mit der Frage klar, einer wie er bist du wahrlich nicht. „Es ist eine schwierige Frage.“ Den 29-jährigen Leon aus Wien beschäftigt sie auch heute noch. „Ich sage immer, ich bin Türke, wenn jemand in Österreich fragt. Aber im Urlaub sage ich: I am from Austria.“ Wie viele andere teilt er seinen Charakter in österreichische Eigenschaften und in türkische ein. „Für einen Österreicher habe ich zu viele türkische Einflüsse. Und umgekehrt, für meine Verwandten in der Türkei habe ich beim Essen österreichische Ansprüche. Ich bin nicht typisch!“

Nicht „typisch“ zu sein, hat ihn mit Anfang 20 dazu veranlasst seinen Vornamen zu ändern. Er gab sich einen, der weniger türkisch und für Österreicher nicht fremd klingt, der aber auch kein Verrat an seinen türkischen Wurzeln ist. Er wollte dadurch bessere Chancen bekommen. „Es gibt einfach Momente, wo man überlegt, wie es wäre, wenn ich nur Österreicher wäre. Wenn du 10 Jobabsagen bekommst, dann fragst du dich schon, ob es daran liegt?!“

Starke Diskriminierungen hat er allerdings nicht erfahren. Andere schon. Etwa Nara, die 22-jährige mit tunesischen Wurzeln. Obgleich sie eine der wenigen war, die sich klar als Österreicherin bezeichnet hat – es sei nun mal ihre einzige Heimat – kennt sie die bewusste „Kontra-Identifizierung“: „Es gab schon Zeiten, wo ich keinen Bock hatte, Österreicherin zu sein.“ Warum? „Wegen der fremdenfeindlichen Politik zum Beispiel!“ Aber auch, weil sie sich nicht anerkannt fühlte. „Und wenn ich gesagt habe, dass ich Österreicherin bin, dann waren die Leute nicht zufrieden – es gibt keine Akzeptanz, dass Österreicher auch anders aussehen können und andere Namen haben.“ Später ist es Nara wurscht gewesen.

Sich eindeutig positionieren zu müssen und dann hinterfragt zu werden, ist Los und Frust von Migranten. Obwohl sie zwei Heimaten besitzen, oft zwei Sprachen beherrschen, macht sie dies nicht reicher, sondern "ärmer". Sie sind nirgends "richtig“ Teil. Einige fühlen sich in ewiger Schwebe – wie Can. „Ich würde mich nicht als Türken bezeichnen. Aber Österreicher bin ich nicht, egal wie sehr ich mich anpasse, die Sprache spreche, hier aufgewachsen bin und meine Ausbildung gemacht habe. Auch wenn ich mich hier zu Hause fühle, bin ich ganz sicher nicht Österreicher. Und selbst wenn ich mich so bezeichnen würde, würden es die richtigen Österreicher nicht akzeptieren. Mit Rassismus haben wir alle schon zu tun gehabt, das fängt im Kindergarten an.“

Oder in der Schule. Malva stöhnt jetzt noch, wenn sie an ihre Schulzeit denkt. „Man traut den Türken hier nichts zu. Meine Lehrerin hat mir ins Gesicht gesagt, dass ich eh Supermarktverkäuferin werde.“ Aber nicht nur Türkischsein scheint in der Schule vorbelastend. Es reicht ein „ic´“ im Namen und schon ist man draußen. Dajana ist deswegen Wienerin – zum Trotz. „Weil Österreicher mich nicht als Österreicherin sehen. Immer kam, dass ich ja keine richtige sei, schon wegen dem Namen. Naja, dann eben nicht!“

 

Künstliche Verfremdung

Langsam verstehe ich: Österreicher ist man ganz oder gar nicht. „Entweder-oder“ heißt die gesellschaftliche Ansage, dazwischen müssen Migranten sich entscheiden. Auch rechtlich. Im Gegensatz zu Deutschland wird hier die doppelte Staatsbürgerschaft nicht toleriert. Der Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft bedeutet immer den Verlust jeder anderen. In Deutschland können seit 2014 dagegen nicht mehr nur EU-Bürger die doppelte Staatsbürgerschaft besitzen, sondern auch jene, die „lediglich“ in Deutschland aufgewachsen sind – wie eben Deutschtürken. Und ohne Optionspflicht. „Es soll der besonderen Situation der in Deutschland mit mehreren Staatsbürgerschaften aufgewachsenen ius-soli-Deutschen Rechnung getragen werden“, sagt das Deutsche Innenministerium auf seiner Website. Ius Soli heißt Geburtsrecht.

In Österreich dagegen gilt allein das Abstammungsrecht. Kenan Güngör, Integrationsexperte, kritisiert dies als „künstliche Verfremdung von hiergeborenen Kindern“ in Österreich und erwähnt auch „Demütigungsrituale“ beim Erwerbsprozess. Vuk, ein 36-jähriger Wiener Neustädter, findet „Demütigung“ treffend. Er erinnert sich, wie mit seiner Familie abwertend im bewussten „Ausländerdeutsch“ gesprochen wurde. Solche Erlebnisse prägen für‘s Leben. Wer nicht willkommen ist, will auch nicht Österreicher sein, wie Vuk. Er ist „Jugoslawe“.

Foto: Marko Mestrovic
Foto: Marko Mestrovic

Deutschtürke statt Austrotürke

Im Gegensatz zu Österreich ist es in Deutschland also gesetzlich erlaubt „beides“ zu sein. Und interessanterweise zeigt sich dies auch in den Ergebnissen meiner Befragung: Sie mischen mehr. Die Frage „Bist du Deutsche(r)?“ beantworten viele selbstbewusster mit „ja“ – ohne das zwingend als exklusiv zu begreifen. So antwortet eine junge Frau: „Ja, ich bin Deutsche... mit arabischen Wurzeln“. Ein junger Mann ist „Deutschtürke“, ein anderer antwortet einfach zweimal mit „ja“: Er ist Deutscher und ja, er ist auch Syrer. Deutscher zu sein scheint fragmentiert möglich zu sein – sowohl als auch.

Das vermissen Migranten in Österreich. Die Wienerin Zaida hat Cousins in Hamburg. „Bei denen ist das Deutsche viel verinnerlichter. Eine Cousine hat erst hier bei uns in Österreich Türkisch gelernt,“ erzählt sie. Die Wahnehmung, dass die deutschtürkische Verwandtschaft besser integriert ist, teilen Viele.

Doch in Deutschland herrscht keine rosa Integrationswelt. Im Gegenteil, einige Befragte verneinten klar, Deutscher zu sein. Wie die Berlinerin Nazan. Die 15-Jährige erklärte mir den Grund dafür: „Wenn ein Hund in einem Kuhstall geboren wird, ist er trotzdem noch keine Kuh.“ Für sie sei es so: Am Papier deutsch, im Herzen türkisch. Aber als „Teil der deutschen Gesellschaft“ sieht sie sich durchaus. Und besteht darauf: Als in der Schule eine Mitschülerin fand, sie sei trotz deutschem Pass keine richtige Deutsche, hätte sie entgegengesetzt: „Das ist doch meine Sache. Wenn ich mich so fühle, dann gehöre ich zur deutschen Kultur genauso dazu – und dann war die auch still.“ Klare Ansage, über ihre Identität entscheidet Nazan selbst, niemand anderes.

Das ist der Unterschied zu Österreich. Hier wurde meiner Frage unentschlossen ausgewichen und zudem mehr Fremdbestimmung und Machtlosigkeit ausgedrückt. Die eigene Zugehörigkeit wurde wenn auf Adjektivebene formuliert: Als „österreichisch“ im Charakter vermag der ein oder andere sich beschreiben, aber ein Österreicher sei er dadurch noch lange nicht. Die Idee „beides“ sein zu können, wurde erst gar nicht ausgesprochen – nur später im Gespräch gewünscht. So ist es nicht verwunderlich, dass im Gegensatz zum „Deutschtürken“ die Identität des „Austrotürkens“ keine Option ist.

Foto: Marko Mestrovic
Foto: Marko Mestrovic

Beides bitte!

Dabei wären auch die Austro-Migranten „beides“ gerne. Nicht zerrissen und säuberlich in zwei Hälften geteilt, sondern vermischt, verwoben und mitunter widersprüchlich – als eine Identität. Denn, so sind sie nun einmal, eine „Melange“. Auf eine Frage antworten nämlich alle gleich: Ob in Deutschland oder Österreich, keiner würde tauschen wollen, wenn er könnte. Alle sind lieber beides, als eins.

„Ich finde Beides repräsentiert besser das, was ich bin“, sagt Rana. Die gemischte Identität bringt Vorteile wie Nachteile mit sich. Und vor allem bringt sie Verantwortung. Migranten stehen oft in der Vermittlerrolle. Nara, die junge Frau mit tunesischen Wurzeln, wäre stets die „Korrespondentin für den arabischen Raum“. Für Dajana ist die Kulturvermittlung zur Berufsmission geworden. Sie habe bewusst ihr Studium der transkulturellen Kommunikation gewählt und will als Journalistin aktiv die serbische Kultur in ein besseres Licht stellen. „Denn gerade als „Tschusch“ und Serbe bist du immer der Arsch.“

Mir wird klar: Leon, Dajana, Nara und all die anderen wären gerne – auch – Österreicher. Sie wollen fraglos, also „richtig“ Teil sein und mehr noch, sie wollen beitragen – als Vermittler und Korrespondenten. Nun, wenn wir sie lassen, sogar einladen, wer weiß, vielleicht bereichert es uns alle? Denn die Welt ist global, egal wie national wir sie gern hätten.  „Ich gehöre hier hin und ich möchte, dass das Land mich als Österreicherin mit bosnischem Migrationshintergrund akzeptiert“, wünscht sich Esma. Ein legitimer Wunsch. ●

 

Nachtrag

Nun wird wohl dem ein oder anderen aufgefallen sein, dass ausgerechnet eine Piefkin diesen Artikel verfasst hat. Typisch, nicht? Und vielleicht werden sich manche gedacht haben, dass auch die Unentschlossenheit in Österreich typisch ist, nicht? Immerhin fehlt meiner „richtigen“ österreichischen Freundin auch der „Nationalstolz“: Sie ist im Ausland stets Wienerin. Vielleicht sind die Austromigranten also nur ein Spiegelbild der Gesellschaft, quasi bestens integriert und ausgestattet mit jener unentschlossenen, aber so österreichischen Seele?! Tja dann, mehr Melange bitte.

Bereich: 

Kommentare

 

Das is eine interessante Frage die du da aufwirfst. Und wie du sagst, die interessante "Kontrollgruppe" wäre gewesen Österreicher ohne Migrationshintergrund zu fragen oder eben solche wos schon extrem lange her ist (100+Jahre). Ich persönlich finde auch dass "Ich bin Österreicher!" irgendwie sperrig klingt im Vergleich zu "Ich bin aus Österreich/Ich liebe meine Heimat, Österreich/Ich bin Wiener". Aber ich bin halt allein noch keine Stichprobe (auch wenn ich denke dass das bei vielen von meinen Freunden ähnlich ist).

Ich meine, wenn ich mir so manche Namen von Politikern anschaue (zb Sobotka, Doskozil) nehme ich schon an dass der eine oder andere *irgendwann* Mal Ahnen hatte die nicht ursprünglich deutsch gesprochen habe. Es muss also schon irgendwie möglich sein.

Ich fand den Punkt zu den "heimischeren" Vornamen interessant. Der Nachname ist ja etwas was man einfach mitnimmt. Vielleicht ist der Vorname halt schon auch irgendwie was mit dem man zeigt wer die eigenen Verwandten sind/wer die Helden sind/wer die Heiligen sind zu denen man aufsieht.

Ich glaube nicht dass es eine ernstzunehmende Anzahl von Menschen gibt die glauben (Wolfgang) Sobotka oder (Hans Peter) Doskozil wären keine Österreicher oder werden weniger Österreicher als ein "Kern" oder "Kurz". Also irgendwann, irgendwie muss es halt funktonieren. (wobei ich mich bei manchen Politikern schon frage ob manche vielleicht überkompensieren...).

Ich denke also es ist möglich, die Frage ist nur wie lange dauert es und was sind die Umstände. Vielleicht könnte Biber ja mal Sobotka und Doskozil fragen "wo sie wirklich her sind" oder ob sie in der Schule jemals wegen ihrer Namen gehänselt wurden.

 

Interessant zum Nachdenken ist ja auch wie Migration früher funktioniert hat. Neu ist ja nicht dass Menschen migrieren. Ich glaube neu ist eher dass man mobil ist, dass man zum Beispiel jede Ferien "heimfliegen/heimfahren" kann.

Ich glaube das macht einen großen Unterschied, wenn man das zb mit "Den Kärnterslowenen" oder "Den Burgenlandkroaten" vergleicht (man beachte: Burgenlandkroaten, nicht Österreichkroaten, Kärntnerslowenen, nicht Österreichslowenen => österreichische Logik?).

Ich glaube da war die andere Sprache/Kultur/Vergangenheit eher deine Ethnie/dein Attribut, aber dass du zu Österreich gehört war halt so weil die Leute hier gelebt haben und eben nicht mobil sind.

Ich bin deswegen nicht so der größte Fan von dem Loblied auf die Doppelpässe. Mir kommt es vor als ob das eher eine Sache gibt für die es eben Bedarf gibt eben weil die Leute mobiler sind, aber auch komplizierter weil eben jedem Pass ein anderer Staat steht und eben nicht nur eine innerliche Ethnie/Identität/was man es auch immer nennen will.

Das könnte dich auch interessieren

Foto:Christoph Liebentritt
Missbraucht, bedroht und isoliert: Die...
a
Wir wollen wissen, wie die...
Husagic, Ahmed, SPÖ, Interview, Merak
Frauen würden in Bosnien bezahlt werden...

Anmelden & Mitreden