Der Tod auf bulgarischen Straßen
Wien gilt als Metropole des Morbiden - das besondere Verhältnis der Wiener zum Tod wird in Liedern, Büchern und Bildern behandelt. Die Autoren und Künstler, die dies taten, war wohl noch nie auf Urlaub in Bulgarien. Jedes Dorf kann es in puncto Todesallgegenwärtigkeit mit unserem zweifellos schönen Wien aufnehmen. Dieser Blog ist der bis jetzt zu wenig beachteten und unbesungenen Morbidität Bulgariens gewidmet.
Kurz nach dem Grenzübergang zu Bulgarien - sogar schon vorher in Serbien - ist der Tod wahrnehmbar. Er ist alle paar Kilometer sichtbar. Anders als in Österreich. Anders als überhaupt irgendwo. Mindestens einmal in einer halben Stunde ziehen Kreuze aus Stein oder Metall am Reisenden vorbei. Gepflegt und mit Blumen belegt, so anders als der Rest der Landschaft. An manchen Stellen häufen sich die Kreuze – ein schauriger Indikator für einen gefährlichen Streckenabschnitt. Diese kühlen, dumpfen und plötzlich erscheinenden Denkmäler der Endlichkeit des Lebens versauen mir regelmäßig meine Heimkehreuphorie. Vor allem bei Nacht, wenn sie im Scheinwerferlicht erscheinen, oder, wenn es mir ungewollt gelang, den Namen oder das Gesicht des hier geehrten zu erkennen.
Den Wienern wird nachgesagt, sie seine morbide. Ein unverdienter Ruf. In den bulgarischen Städten und Dörfern sind die Toten allgegenwärtig, noch allgegenwärtiger als auf den Straßen, die in sie führen. Die Gesichter und Namen der Toten hängen an Eingangstoren, Türen und Bäumen, auf Pfeilern und überhaupt auf jeder erdenklichen vertikalen Fläche. Die Nachrufe werden nicht bloß einmal irgendwo abgedruckt, wie in Österreich üblich. Sie werden vervielfältigt und auf das Haus des Verstorbenen geklebt, aber auch vor seinen Arbeitsplatz, auf die Häuser seiner Verwandten, in die Nähe seines Lieblingsplätzchens, oder auf spontan entstehende Massenansammlungsplätze von Nekrologen (oft im Stadtzentrum oder vor Behörden). Dort bleiben sie dann. Bis sie von der Witterung getilgt oder von nachfolgenden Verstorbenen überdeckt werden.
Die Denkmäler an Menschen, die nicht mehr sind, sind nicht immer reglos wie ein Steinkreuz, oder stumm wie ein Nachruf. In den Straßen gehen noch ab und an Frauen in schwarz umher. Ältere Frauen mit weißen, hochgesteckten Haaren. Sehr ordentlich und oft sehr dünn. Witwen, die über Jahre hinweg die Trauerfarbe trage. Scheinbar ein düsteres Bild, das so düster nicht ist. Denn nach einiger Zeit gewöhnt man sich an den exzessiv ausgelebten Ahnenkult. Die Witwen scheinen freundlich und fröhlich. Der Blick streift über den vertikalen Papierfriedhof auf einem zentral gelegenen Baum und bemerkt nur ein pietätlos angebrachtes Anzeigenblatt im mitten der Gesichter. Ein weiteres Detail, das endgültig die Behauptung widerlegt, die Wiener seine Morbide: Ein Bulgare, der stirbt, ist kein Toter. Er ist ein „Ausgeruhter“ (починал). Ein gelassener Ausdruck, der freundlicher, natürlicher ist und fast schon positiv klingt. Was könnte denn schöner sein, als sich endlich ein für alle Mal auszuruhen?
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Ist mir jetzt in Serbien auch
Ist mir jetzt in Serbien auch wieder stark aufgefallen, echt viele Denkmäler an den Straßenrändern. Und wirklich alles zugepflastert mit den Todesanzeigen. Bei uns hängt an den Häusern noch so ein riesiges schwarzes Tuch, wenn jemand gestorben ist. Sag, isst man in Bulgarien bei der Beerdigung auf dem Friedhof?
Und ich kenn auch so orge Geschichten, was diese Totenwache angeht :S
Ja die Tücher werden auch in
Ja die Tücher werden auch in Bulgarien aufgehängt...in Schleifenform
Wirklich nice blog!
Wirklich nice blog!
Danke!hab mich bemüht!:)
Danke!hab mich bemüht!:)
Toller Blog
In Bulgarien wird sogar noch die Totenwache gehalten: Die Familie und die besten Freunde verbringen im eigenen Haus eine Nacht mit dem Leichnam, bevor er am nächsten Tag beerdigt wird. Nicht schön...
Thx:) ich kann mich noch an
Thx:) ich kann mich noch an die "Gutenachtgeschichten" meiner Uromi erinnern-da gefriert mir dad blut bis heute:) Da gings auch mal.um so eine Totenwache