Der Tod vor dem Leben



Pension. Bei diesem Wort klingelt es den meisten in den Ohren. "Endlich das Leben genießen" - Bullshit sag' ich nur! Warum ich so denke, wie man Glück portioniert und wieso das wichtig ist:

 

Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen

 

Meine Eltern haben mir beigebracht, dass man zuerst etwas erreichen muss, um belohnt zu werden. Dass einem nichts im Leben geschenkt wird und man für alles etwas tun muss. Andererseits sind sie nicht wie die meisten Gastarbeiter hier in Österreich. Denn sie wohnen in keiner 30m² Wohnung, während die Villa in Bosnien auf ihre Erstbezieher wartet. (http://bit.ly/MKJdvH)

 

Es ist schade, dass die Mehrheit der Menschen ihr Leben erst dann genießen will, wenn sie die nötigen Arbeitsjahre erreicht haben, um in Pension gehen zu können. Dass sie erst dann 2 Wochen ans Meer fahren und sich ein teures Schuhwerk leisten, um die Rückenschmerzen erträglich zu machen. Die Rückenschmerzen, die sie wegen der jahrelangen Fließarbeit haben und die sie wohl für immer begleiten werden.

 

Auch mein Vater war früher einer von diesen erst-die-Arbeit-dann-das-Vergnügen Individuen. Tag ein, Tag aus ist er in seine Firma geradelt, hat 12 Stunden Schichten abgerackert und ist in 31 Arbeitsjahren nur zweimal auf Krankenstand gegangen. Einmal als er mit hohem Fieber im Bett lag und einmal, als er eine Schulteroperation hatte.Meine Eltern haben zwei Lokale eröffnet, sind also nach ihrem Fabriksjob direkt ins Wirtshaus oder ins Café gefahren, um dort bis Ende zu bleiben. Um dann morgens um 5 Uhr aufzustehen und wieder arbeiten zu gehen. Urlaub gab es nicht. Viel Zeit für die Familie auch nicht.

 

Als ich ausgezogen bin, hat es anscheinend klick gemacht. Sie haben eingesehen, dass man das Leben nutzen muss. Dass man arbeiten muss, um zu leben und nicht zu leben um zu arbeiten. Ich wünschte, alle würden so denken und fahren jetzt, wie meine Eltern, zwei Wochen auf Kur und lassen es sich gut gehen.

 

Der Weg ist das Ziel

 

Freunde von mir teilen diese Meinung nicht. Sie finden, es wird schöner, wenn man alt ist und sich anstrengen musste. Stimmt so auch, ich sage auch nicht, dass man nichts machen und das Geld einfach nur aus dem Fenster schmeißen soll. Das Glück nicht am Ende, also zur Pension, einheimsen, sondern portionsweise.

 

Ersteres ist löblich, zeigt Fleiß und verlangt Respekt. Aber ich pfeife darauf, wenn ich mit 60 Jahren vor dem Eingang meiner Wohnung stehe und müde bin. Müde vom Leben. Obwohl das Leben so viel bietet und ausgekostet werden sollte. Der Weg ist das Ziel und ich will meinen Kindern erzählen können, wie sehr ich nicht nur meine Jugend, sondern mein Leben genossen habe während wir am Strand liegen und das Leben… einfach genießen.

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stimmt/stimmt nicht passt weniger

Das ist ein guter Artikel, der generell für viele Menschen passt. Die alemannische Version lautet in etwa "schaffe, schaffe Hüsle baue!" und trifft des Pudels Kern, den viele Generationen gelebt haben und noch immer leben.

Die dahinterstehende Philosophie, viel zu arbeiten, um die Familie zu ernähren und eventuell später die Früchte zu geniessen, passt aber nicht mehr ganz in das moderne Leben. Familie heute ist kleiner als früher und gleichzeitig oft geographisch weiter verstreut.

Heute ist der "Ego" Gedanke ist definitiv viel stärker ausgeprägt und die Gedanken an die Zukunft treten in den Hintergrund "denn es ist eh noch so lange hin". Gleichzeitig gibt es speziell bei Jugendlichen heute große Unsicherheiten in Bezug auf Zukünftiges. Aussagen wie "Wer weiss, was wird..." oder "Ist eh alles egal, alles wird eh nur teurer" gehen einher mit der Fokussierung auf das momentane (kurzfristige) Sein und der recht vagen "Planung" im Sinne von "es wird scho werden - es hat eh immer funktioniert".

Was aber - zielbezogen - sicher falsch ist: der Weg kann nicht das Ziel sein.

Etwas zu erreichen ist das Ziel, darauf arbeitet man hin.

Oder andersrum ausgrdrückt: arbeitet jemand, der einen weiten, umständlichen Weg zurücklegt ohne etwas Bestimmtes im Sinne zu haben, zielgerichtet?

endlich wird hier wieder

endlich wird hier wieder gebloggt :)

meine eltern die in 2-3 jahren in die pension gehen können es kaum erwarten. aber ich glaube die generation unserer eltern hat, schlichtweg aufgrund ihrer damaligen lebensumstände, da noch eine ganz andere sicht auf die dinge. es chillt sich halt nicht so leicht wenn man 2 kleine kinder zuhause hat in einem land, dass man kaum kennt. vor allem wenn man bedenkt, dass sie sich so abgerackter haben damit wir mal die möglichkeit haben noch vor der pense ein entspanntes leben zu führen.

nichts destotrotz freu ich mich schon drauf mit 60, sorglos, am stand mit einer ordentlichen wampe und einem schirmchen im glas zu chillen :)

Ja, das stimmt

Ja, das stimmt wahrscheinlich. Meine Eltern haben auch erst kurz vor ihrer Pension angefangen und auch erst als das Küken, also ich :D, außer Haus war.

Alles sehr treffend

Alles sehr treffend formuliert. Toll!

danke, freut mich :)

danke, freut mich :)

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