Die Liebesagenten

Bild aus dem biber Magazin

Den ATV-Quotenhit "Geschäft mit der Liebe" gibt es seit Jahresbeginn auch in einer deutschen Version. In "Traumfrau gesucht" schickt RTL II deutsche Männer auf Brautschau in den Osten. Partnervermittlerin Ilona Maurer und ihr Mann Thomas sind in beiden Sendungen dabei und erzählen, wie verschieden Deutsche und Österreicher im Ausland baggern.

 

biber: Auf ATV beschreibt der Kandidat und Boxtrainer Mario Orsolics seine Traumfrau mit: „Da Oasch muas passn.“  Auf RTL II sagt der Dieter-Bohlen-Typ Manfred: „Auch ein geiler Hintern ist irgendwo wichtig.“ Sind die Deutschen vornehmer?

ILONA: Absolut. Das sehen wir auch an den eMails. Die Deutschen drücken sich gewählt aus und schreiben in ganzen Sätzen. Die Österreicher schreiben und reden im Dialekt. Die Deutschen achten generell mehr auf Umgangsformen, deswegen kommen sie bei den osteuropäischen Frauen, die Höflichkeit und Umgangsformen sehr schätzen, besser an. Wenn wir den Österreichern sagen, sie sollen sich besser benehmen, ignorieren sie das. Warum strengen sie sich nicht mehr an? Die Deutschen können auch besser Englisch.

 

Apropos Englisch: Welcher Spruch kommt besser an? „Je höher dein Heel, desto größer mein Feel“ (Manfred auf RTL II) oder „I feel se Lav from upstairs“ (Nissel auf ATV)?

ILONA: Weder noch. Das ist beides schlechtes Englisch, das niemand versteht.

 

Sind die Deutschen dafür die größeren Machos? Auf RTL II sagt Manfred: Die Rolle der Frau sei es, für den Mann schön zu sein und der arbeitslose Elvis warnt vor „fetten Emanzen“.

ILONA: Die Österreicher sind die größeren Machos. Die Deutschen reden nur groß, sind zu den Frauen dann aber ganz nett. Die Österreicher lassen die Frauen wirklich alles tun – wie damals, als sich Mario von der Reitlehrerin mit dem wehen Fuß im Winter das Auto abkehren ließ. Das war einfach schrecklich.

 

Trotzdem ist die deutsche Version langweiliger.

THOMAS: Die Deutschen wollen sogar die Spontaneität planen. Die Szenen sind retouchiert und entschärft. Die Österreicher kommen in der Sendung so rüber, wie sie wirklich sind, da hält die Kamera ständig drauf und jeder Ausflipper wird gezeigt. Außerdem sind die ATV-Kandidaten Wiener Originale. Es gibt keinen zweiten Orsolics und keinen zweiten Nissel.

 

Was wollen die Frauen eigentlich?

ILONA: Sie wollen einen ganz normalen Mann, der für sie sorgt und mit dem sie eine Familie gründen können.

In Russland oder der Ukraine gibt es kaum Mittelschicht. Die Frauen haben oft nur die Wahl, von einem Superreichen die zehnte Frau von links zu sein, oder sich einen Armen zu nehmen, der trinkt und sie im Frust schlägt. Es mangelt an verantwortungsvollen Männern. Sich als Mutter alleine durchzuschlagen, ist ohne funktionierendes Sozialsystem fast unmöglich.

 

Die Erfolgsquote auf ATV scheint gleich Null zu sein, nach drei Jahren gibt es noch immer kein Pärchen.

ILONA: Alle Männer haben genügend Chancen gehabt, auch der Nissel. Dem Langhammer haben wir zwei Frauen erfolgreich vermittelt, aber er hat gleich wieder Schluss gemacht. Orsolics war länger mit der Reitlehrerin liiert, die ihm aber zu langsam Deutsch gelernt hat. Eine Rumänin, die nach Österreich kommt, verlangt ja auch nicht von ihm, dass er von heut auf morgen Rumänisch lernt.

THOMAS: Außerdem muss man sagen: In der Sendung geht es ja mehr um die Art und Weise, wie Männer im Osten werben. Es ist eine Realsatire.

 

Für den übergewichtigen, arbeitslosen, langhaarigen Elvis mit den kurzen Hosen und Turnschuhen auf RTL II stehen die Chancen wohl auch nicht so toll.

ILONA: Elvis ist ein guter Mensch. Deswegen kann es funktionieren. Eine schöne Hülle zählt für die russische Frau nicht so sehr, denn sie weiß: Ein schöner, reicher Mann gehört ihr nicht alleine. Ein Mann muss treu und verantwortungsbewusst sein. Dann passen sich die Frauen erst einmal an, und bringen die Männer mit sanftem Druck dorthin, wo sie sie haben wollen – und dann sucht sich Elvis vielleicht einen Job.

THOMAS: Genau diese weibliche Raffinesse ist der Unterschied zu den Frauen in Österreich oder Deutschland, die nur sagen: Mach oder Tschüss!

 

In der deutschen Bild-Zeitung klang das nicht ganz so romantisch. Da haben Frauen-Organisationen gemeint, was Sie machen, grenze an Menschenhandel.

ILONA: So ein Blödsinn.  In der Ukraine leben die Frauen nicht in Höhlen. Die Frauen haben die freie Wahl. Niemand sagt: „Du musst das machen.“ Sie melden sich selbst bei Agenturen wie der unsrigen an. Sie kann dann nach dem Treffen frei wählen, ob sie mit dem Mann etwas zu tun haben will oder nicht. Das ist doch kein Menschenhandel.

 

In Deutschland gehen die Wogen jedenfalls hoch, gibt es auch in Österreich Kritik?

ILONA: Ja ganz oft, hauptsächlich in anonymen Schreiben.

THOMAS: Ilona wird darin als russische Nutte beschimpft, ich als dummer österreichischer Zuhälter, der kastriert gehört.

 

Unter uns: Der 44jährige Maurer Karsten auf RTL II ist nicht wirklich Jungfrau, oder?

THOMAS: So wie er sich anstellt, ist das glaubwürdig. Der ist so schüchtern und hilflos. Der traut sich zu einer Frau nicht mehr zu sagen als Grüß Gott.

 

Können Sie Mario Orsolics noch vermitteln?

ILONA: Ich schaff das nicht. Er benimmt sich viel zu schlecht, ich höre ja, was die Damen hinter seinem Rücken sagen. Aber er nimmt keine Ratschläge an.

 

Wie sind Ihre Kunden außerhalb der Sendung?

ILONA: Die, die es ernst meinen, wollen sich besser benehmen als die Männer in der Sendung. Sie bringen Blumen und Pralinen zum ersten Date mit, damit sich die Damen wohl fühlen.

THOMAS: Und dann gibt es die anderen, die sich nach der Sendung sagen: So wie sich die in der Sendung aufführen – schlimmer bin ich auch nicht. Dann kriechen sie aus ihren Verstecken und rufen bei uns an wie beim Pizzaservice: „Ilona, nimm die eine da gleich mit, am besten gratis.“ Bei einer Million Männer, die auf RTL II zuschauen, sind es Hunderte solche Anrufe nach jeder Sendung.

 

Was kostet Ihre Leistung?

ILONA: Unser Pauschalangebot ohne Flug beginnt bei 1500 Euro für einen 5-tägigen Aufenthalt: Dabei lernt ein Mann garantiert zeh  Damen kennen, die sich für ihn interessieren. Inkludiert sind eigene Wohnung, ständige Betreuung bis hin zu Medikamenten plus Dolmetscher. Da braucht man nur das Zahnbürstl mitnehmen.

 

Wie ist Ihre Vermittlungsquote?

ILONA: Wir sind im zweiten Jahr und haben eine Hochzeit und eine Verlobung. Von den 30 bis 40 Kunden haben zunächst alle jemanden gefunden. Das ist ja nicht die Kunst. Die Kunst ist es, die Beziehung zu halten. Sobald es nicht mehr um die Schönheit der Frauen, sondern um Visa, Sprachkurse, Fremdenpolizei geht, verlieren die meisten Männer die Geduld.

 

von Clemens Neuhold und Philipp Tomsich (Foto)

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