„Die Rom:nja sind eine unauffällige Volksgruppe.“

08. April 2022

Danijela Cicvarić, Leiterin des Vereins "Romano Centro", spricht über die soziale Lage und die Diskriminierung der Volkgruppe.

.
Vereinsleitung Danijela Cicvaric. Foto:Ljiljana Marinkovic

BIBER: Wie sieht die soziale Lage für Rom:nja und Sinti:zze in Österreich aus?

Danijela Cicvarić: In Österreich besser als in anderen Ländern in Europa. Wir konnten zum Beispiel 2018 beobachten, wie in der Ukraine vier Roma-Siedlungen verbrannt wurden. Es gibt noch viel Raum für die Verbesserung der Lebenslage der Rom:nja. In Österreich befolgen wir die sogenannte "Roma-Strategie", ein EU-Projekt, das dafür da ist, die Lebenslage der Rom:nja zu verbessern. Es geht um die Integration der Rom:nja in die Bildung und am Arbeitsmarkt und auch um die Sensibilisierung der Mehrheitsgesellschaft im Umgang mit der Volksgruppe.

Welche Probleme und Herausforderungen bestehen für die Rom:nja und Sinti:zze Community in Österreich?

Was wir sehr oft erleben ist die Tatsache, dass die Rom:nja, die in den 60er hierhergekommen sind, einen niedrigeren Bildungsstand haben als die Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft. Es herrschen Schwierigkeiten im Bildungssystem, da die Kinder nicht so gut Deutsch können, weil die Eltern selbst wenig Schulerfahrung haben. Sie finden schwerer Arbeit und damit ist auch Armut ein großes Thema. Es gibt selbstverständlich aber auch viele, die schon länger hier leben, integriert sind und einen Job haben.

Woher kommt der Hass der Gesellschaft der Community gegenüber?

Das ist die Ein-Millionen-Euro-Frage! Ich kann es leider nicht plausibel erklären, warum es diesen Hass gibt. Die Rom:nja sind eine unauffällige Volksgruppe und ich bin sehr stolz, dass zum Beispiel noch kein Rom:nja wegen einem Kriegsverbrechen angezeigt oder verurteilt wurde.  Ich versuche Rom:nja lieber zu unterstützen.  Sie haben kein eigenes Land oder Regierung, nur einige Rom:nja Organisationen, die für ihre Rechte kämpfen. Leider müssen wir immer wieder als Sündenböcke herhalten.

Was sind die Aufgaben von „Romano Centro“?

Wir verstehen uns nicht als reiner Kulturverein, weil wir in Sachen Bildung und Sozialberatung sehr viel machen. Dazu gehören: die „Roma-Schulmediation“, welche den Kindern bei allen Fragen und Problemen im Schulalltag behilflich ist. Sozialberatung für Frauen sowie Mädchenprojekte, bei denen wir uns mit Rom:nja monatlich Treffen und mindestens einmal im Jahr verreisen. Wir sprechen über wichtige Themen wie Frauenrechte, Sexualität und Identität. Die Teilnehmerinnen haben zu vielen Dingen keinen Zugang, da sie über keine finanziellen Mittel verfügen und zum Teil sehr patriarchal aufwachsen. Unser Magazin, das zwei bis vier Mal pro Jahr rauskommt ist auf Deutsch und Romanes. 2017 haben wir auch einen Antiziganismus Bericht rausgebracht, indem wir auf Diskriminierungsfälle aufmerksam gemacht haben. Wir setzten uns gegen Diskriminierung ein und versuchen mir unserer Arbeit die Lebenslage der Rom:nja zu verbessern.

Auf der Website des Romano Centro findet ihr mehr Informationen über die Arbeit des Vereins.

Bereich: 

Das könnte dich auch interessieren

Die Autorin
Während die meisten 13-Jährigen Tik-Tok...
Fotoflausen
Von Jad Turjman Auf der Suche nach...
Foto: Zoe Opratko
Er imitiert alle möglichen Akzente,...

Anmelden & Mitreden

1 + 6 =
Bitte löse die Rechnung