Die Salonfähigkeit der Xenophobie – dem Wort geschuldet



Im Beitrag des letzten Monats habe ich es angeschnitten und möchte es heute fortsetzen, aber ohne dabei darauf zu drängen dieses Thema zufriedenstellend abzuschließen, da ich denke, dass es viel mehr an Aufbauarbeit zu tun gilt, bevor man von Verständnis sprechen kann.

Sprachliche Systematik war die Bezeichnung, die ich verwendet habe um anzudeuten inwieweit das Beherrschen der Sprache von immenser Wichtigkeit ist um Policies, Argumente und Meinungen angemessen zu beschreiben und durchzusetzen. Dabei geht es nicht bloß um die reine Kenntnis der Grammatik, die hier Voraussetzung ist, sondern um das Erschaffen von Räumen in denen Aussagen wirken.

Eine Wortmeldung kreiert ein Feld das beladen ist mit Ideen, Bildern, Vorstellungen und einem Haufen an Interpretation. Ich bin in meinem Umfeld kläglich gescheitert die Benutzung des Begriffs Integration im gesellschaftlichen Gemeinbild als harmlosere Variante einer xenophoben Einstellung zu demaskieren und werde es nun hier mittels mehrerer Beispiele erneut versuchen.

Mein erster Weg die Sache erklärend anzugehen begann bei populistischen Parteien, die mit Begriffen spielen und damit Nichtgesagtes zwar nur als Eindruck aber dennoch hinterlassen. Hier ist mir der Umgang mit nichtösterreichischen Mitmenschen aus meiner Jugend eingefallen. Seien es Leserbriefe in Zeitungen gewesen, Aussagen von Politikern oder auch die Fülle von Nachrichten der Sparte Chronik mit direktem Negativbezug zu Ausländern, all dies hatte zur Folge, dass es Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, der Türkei oder etwas später aus Nigeria in Österreich nicht leicht hatten. Kriminalität war eng mit dem Ausländer auf der Straße verwoben, Faulheit ebenso wie Berufsbanditentum. Im Falle von Einwohnern aus Nigeria war es der Vorwurf des Drogenabsatzes, der ein schlechtes Licht auf jene Volksgruppe warf, die nur von einer weiteren „Logik“ in Sachen Vorurteile innerhalb der Bevölkerung übertroffen wurde: Jeder Nigerianer wurde zum Drogendealer – jeder Afrikaner wurde zum Nigerianer.

Doch wie war das passiert?

Es gab Zeiten, in denen es nicht so ein gesellschaftliches Tabu war seinen Unmut über Ausländer zu äußern. Unterstützt wurde dies durch Politiker, die das erwähnte Feld schufen und es mit Bildern von Gewalt, Kriminalität, Faulheit und „Arbeitsplatz-Fladderei“ füllten. Sie bauten damit zugleich ein Repertoire an rhetorischen Mitteln, ein Argumentationsgerüst aus der sich alle bedienen konnten, denen der Sinn nach Äußerungen stand.

Doch die Zeiten änderten sich.

Die Fülle an potentiellen Wählern mit migrantischem Hintergrund wuchs, sodass man sich als populistische Partei und Medium etwas einfallen lassen musste. Politisch korrekt wurde nicht gerade zum Dogma, fand aber den Weg in die Köpfe Vieler. Die Sprache änderte sich und durch 9/11 vollzog auch der Fokus auf Feindbilder eine  Wandlung. Es war plötzlich zwar nicht mehr chic über Ausländer herzuziehen, doch das Feld aus dem man sich bisher bedient hatte wurde nicht aufgelöst. Es wurde neu gefüllt.

Und hier kommt der Begriff Integration ins Spiel. „Die, die sich integrieren dürfen bleiben, die anderen wollen wir nicht.“ Ich möchte nicht nochmal darauf eingehen, dass dem Begriff Integration eine genaue Definition im alltäglichen Leben fehlt, sondern eher darauf hinaus, wie diese neuen Mittel als Rhetorik verwendet und als sprachliche Waffe gebraucht werden. Die Wenigsten lassen sich gern als Rassisten  bezeichnen - denkt an Sätze, die mit „Ich bin ja nicht ausländerfeindlich, aber…“ beginnen – und müssen dem sozialen Druck halber ihre xenophoben Einstellungen gesellschaftlich verkleiden.

Das Problem, das sich mir hier zugleich stellt und offenbart ist, dass Integration ein positiv besetzter und verbindender Begriff und die Gegenargumentation aufgrund der vorurteilsbehafteten Intention eine schwierige ist. Hier wurde nicht nur Ausländerfeindlichkeit salonfähig gemacht, sondern es wurde damit auch ein Zustand  erreicht, der in der Erstlogik nicht widerlegbar ist. Jeder möchte eine gelungene Integrationspolitik.

Auf den zweiten Blick aber fehlt es an Substanz. Wie das Bild zwischen Asylwerber und illegal Eingewanderten verschwommen ist, so definiert Nichts und Niemand was genau jene, die sich nicht  integrieren wollen zu Nicht-Integrationswilligen macht. Die Kritik führt ins Leere, so wie es einst die Aussage „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber…“ auch getan hat. Plump gesagt, man darf nun über Nicht-Österreicher öffentlich  herziehen ohne sich genieren zu müssen – man will ja nur die Integration fördern.

Ich habe 9/11 erwähnt und angedeutet, dass mit dem Islam ein neues Feindbild entstanden ist und damit Älteres abgelöst hat. Ende der 90er war es , so erinnere ich mich, eine Aussage gemacht zu und gewettet zu haben, dass asiatische Mitmenschen bald Opfer eben jener rhetorischer Waffen aus dem Feld des Populismus und der Xenohobie und damit einhergehenden Vorurteilen werden würden, doch dieses Wagnis habe ich wohl verloren.

Ohne dies groß wiederholen zu wollen, möchte ich betonen, dass bei dieser Thematik auch hier ein Feld geschaffen wurde, dass durch Wortspielereien von populistischen Akteuren mit Vorurteilen und Negativbildern gefüllt wurde. Manche Beispiele der letzten Jahre sprechen für sich, doch das soll hier nicht das Thema sein. Vielmehr interessiert es mich zu sagen, dass auch hier durch die mediale Berichterstattung eine Argumentation gegen Verallgemeinerung und Vorurteil schwierig geworden ist. Als religionsfreier Mensch sehe ich alle Religionen sehr kritisch an, doch der Versuch Umstände, die zu Gewalt führen, zu hinterfragen oder zu erklären, werden als Verständnis-Hascherei für eine undemokratische Welt mit strengen Religionsgesetzen und Unterdrückung der Frauen gleichgesetzt. Dieses Mittel Kritiker zum Schweigen zu bringen hat einen Ursprung, der dem Bild der westlichen Freiheit einen Dienst erweisen will. Die Kritik an politischer Ausnützung der Situation, gewollte Gewalt und mediale Übertreibung sind in diesem Feld leider nicht willkommen. Die Versuche von ausländerfeindlichen Akteuren, mögen sie sich noch so sehr im Konsens des Begriffs Integration verstecken, ich bleibe bei dieser Bezeichnung, Kritiker an vorurteilsbehafteten und feindlichen Einstellungen als „neue Faschisten“ zu bezeichnen, lasse ich unkommentiert – Ich hoffe das mittlerweile klar ist:

Das Wort war, ist und bleibt ein Machtinstrument, dessen man sich nach Belieben bedienen kann, aber auch bedient wird.

Bei dem ganzen Beitrag hier darf man nicht den Fehler machen Vorurteile und rhetorische Waffen einzig und allein bei ausländerfeindlichen und populistischen Kräften zu verorten, dasselbe Prinzip funktioniert in anderen Ebenen ebenso, insbesondere auch innerhalb von Migranten zum Thema Österreicher, mit dem ich mich unter diesem Aspekt nächstes Mal näher befassen möchte.

 

 

 

 

 

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ist ein Menschenrecht - selbst wenn man persönlich Religion ablehnt...

Woh...Völkermord - aus welchem Eck kommt denn dein Vokabular?

 

 

der rechte Cyber-Troll wurde

der rechte Cyber-Troll wurde aufgrund solcher und NOCH deftigerer Statements aus dem biber-Universum verbannt!

Ok

Alles Klar - auch wenn ich normal für harte Dialoge bin - habe ich gemerkt, dass es manchmal wenig Sinn hat. Seine Wortwahl erinnert ja stark an Breivik...

Herr im eigenen Haus bleiben!

tl;dr.

Es ist mein gutes Recht in meinem Land keinen Islam haben zu wollen.

Dieses Recht nehme ich mir, wir müssen Herr im eigenen Haus bleiben.

Multikulti ist Völkermord. angry

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