Dieser Student hat den serbischen Wahlkampf aufgewirbelt.

Er möchte Porschemotoren in Traktoren einbauen und Rentnern das Wahlrecht entziehen. Wie ein Student den serbischen Präsidentschaftswahlkampf aufwirbelte.

Von Krsto Lazarevic

„Der beste Kandidat soll gewinnen und der beste Kandidat bin ich,“ sagt der 25-Jährige Ljubisa Preletacevic, als er vergangenen Sonntag seinen Zettel in die Wahlurne wirft. Es hat für ihn dann doch nur für 9,5% und den dritten Platz gereicht. Trotzdem verkündet er seinen Wahlsieg und behauptet, er hätte 67,97% der Stimmen geholt. Es ist eine Satire auf den echten Sieger, den bis jetzt amtierenden Premierminister Aleksandar Vucic. Besonders spannend waren die Präsidentschaftswahlen in Serbien letzten Sonntag nämlich nicht, da allen klar war, wer die Wahl gewinnen würde.  

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Beli auf dem weißen Pferd. (Foto: instagram.com/ljubisa.preletacevic.beli)

Doch mit Ljubisa Preletacevic gab es einen Kandidaten, der den langweiligen Wahlkampf etwas aufgewirbelt hat. „Beli“ (der Weiße), weil er einen weißen Anzug trägt und auf einem weißen Pferd durchs Land reitet. Seine langen Haare sind meist zu einem Dutt zusammengebunden. Seine Anhänger grüßen ihn mit einem „Ave Beli“ statt mit einem „Ave Maria“. Nach seinem Wahlsieg will er die Regierungsgebäude weiß streichen und Swimming-Pools einbauen lassen.

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Der Dutt und der Anzug sitzen. (Foto: instagram.com/ljubisa.preletacevic.beli)

Falsche Versprechungen führen zum Sieg

„Der Weiße“ zieht durch Serbien und verspricht allen, die er trifft, genau das was sie hören wollen. Dabei macht er falsche und unrealistische Versprechungen; eine Strategie, die er sich beim amtierenden Premierminister Aleksandar Vucic abgeschaut hat. „Beli“ macht keinen Hehl daraus, dass es ihm allen voran um seine eigene finanzielle Absicherung geht und man als junger Mensch in Serbien eben kreativ werden muss, um einen Job zu finden. Er sagt bei einem Interview mit dem serbischen Fernsehsender RTS: „Mir ist wichtig, dass mein Geldbeutel und mein Magen voll sind.“ Immerhin will er seinen Reichtum mit dem gemeinen Volk teilen: „Ich bin kein Verbrecher, ich will meinen persönlichen Vorteil und den Vorteil des Volkes.“

Sollte er gewinnen, möchte er in Zukunft Porschemotoren in Traktoren einbauen lassen, um die Effizienz der serbischen Landwirtschaft zu erhöhen. In seiner Außenpolitik orientiert sich „der Weiße“ am jugoslawischen Langzeitpräsidenten und Partisanenführer Tito und möchte eine neutrale Position zwischen Russland und den USA einnehmen.

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Zu einem Treffen zwischen Beli und Trump ist es leider nicht gekommen. (Foto: instagram.com/ljubisa.preletacevic.beli)

Ein Treffen mit Donald Trump ist laut Aussage von Beli daran gescheitert, dass er noch eine Prüfung an der Universität ablegen musste: „Trump fand es sehr schade, dass es zu keinem Treffen kam. Wir werden das wohl nachholen müssen“, sagte er gegenüber dem serbischen Fernsehsender N1. Auf die Frage ob er sich realistische Chancen auf die Präsidentschaft ausrechnet, sagt er bei einer Pressekonferenz: „Selbstverständlich. Wenn der Westen etwas unterstützt, ist alles möglich.“ 

Der Satirekandidat ist ein 25-Jähriger Student

In Wirklichkeit existiert Ljubisa Preletacevic „Beli“ überhaupt nicht. Es ist eine Rolle, die der 25-Jährige Student Luka Maksimovic spielt, der durch Serbien tourt und sich als Heilsbringer inszeniert. Geboren wurde er 1991 in Belgrad und aufgewachsen ist er in der serbischen 50.000 Einwohnerstadt Mladenovac, die auch seine politische Heimat ist. Er studiert Kommunikationswissenschaften und wollte eigentlich Fernsehmoderator werden, bevor er zu einer der meistbeachteten Personen der politischen Szene Serbiens wurde. Sein echtes Fortbewegungsmittel ist kein weißes Pferd, sondern ein alter Golf 2, den er laut eigener Aussage sehr liebt: „Man kann 600 Dinar (5 €) reintanken und drei Tage lang fahren. Welches andere Auto kann das noch?“. Laut seinem echtem Facebookprofil ist Luka Maksimovic Fan des Fußballvereines Partizan Belgrad. Neben der Imagepflege für sein Alter Ego macht er Musik und geht regelmäßig ins Fitnessstudio.

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Stählerner Körper, eiserner Wille. (Foto: instagram.com/ljubisa.preletacevic.beli)

Wahlerfolge auf lokaler Ebene

„Der Weiße“ gehört zu der Partei „Sarmu probo nisi“ (SPN), was übersetzt bedeutet: „Du hast die Sarma nicht probiert“. Die serbische Variante von Kohlrouladen gilt als Nationalgericht in Serbien. Der Parteiname ist eine Verballhornung der amtierenden Regierungspartei SNS (Srpska Napredna Stranka- Serbische Fortschrittspartei). Der Name geht auf einen YouTube-Kanal zurück, den Luka Maksimovic noch als Schüler online gestellt hat, um für seine Sketches zu werben.

In der Lokalpolitik konnte die Partei bereits Erfolge erzielen. Bei den Wahlen im April 2016 warb die Partei mit einem Video, das mit den Worten: „Seid ihr bereit für einen wahren Führer? Ljubisa Preletacevic, das Licht am Ende des Tunnels,“ beginnt. 

Die Kampagne brachte der Satirepartei 21,3 Prozent der Stimmen in Mladenovac, wo sie unter dem Namen „Der Weiße – einfach stark“ (Beli- samo jako) antraten. Damit wurden sie zweitstärkste Kraft hinter der nationalkonservativen serbischen Fortschrittspartei, obwohl die Parteivertreter Mladenovac gerne mit Tschernobyl vergleichen.

Rentnern das Wahlrecht entziehen

Beli setzt auf junge Wähler. Menschen ab 60 Jahren soll seiner Meinung nach das Wahlrecht entzogen werden: „Mein Gott, die sind 60 Jahre alt. Haben die nicht schon genug gewählt in ihrem Leben?“ Außerdem möchte er Euthanasiezentren für Rentner einrichten, um die Probleme mit den Staatsfinanzen zu lösen. Eine Teilnahme an dem Programm soll allerdings freiwillig sein.

Beli zu Rentnern: „Mein Gott, die sind 60 Jahre alt. Haben die nicht schon genug gewählt in ihrem Leben?“ 

Seine ersten Wahlversprechen hat „der Weiße“ allerdings schon gebrochen. Eigentlich wollte er mit einem weißen Pferd nach Belgrad reiten, was er aber nicht getan hat. Seine Erklärung: „Herr Vucic kam nach Mladenovac und hat unseren Lippizaner getötet. Es hat die Mächtigen gestört, dass er so schön und stark war.“

Das aktuelle Wahlkampfvideo des Satirekandidaten heißt „Beli je Pobednik“ (Der Weiße ist ein Sieger). Das Video erinnert an den Kurzfilm „Kung Fury“ und sieht aus, als hätte sich David Hasselhoff in den 1980er Jahren als Präsidentschaftskandidat in den USA aufstellen lassen. In dem Video verprügelt „der Weiße“ einen maskierten Verbrecher. Drei Tänzerinnen treten auf und ein Mann mit Stirnband und Sonnenbrille wirbt für seinen Kandidaten: „Er ist die Zukunft, er ist die Hoffnung.“

Der Wahlkampf ist Realsatire

Die Beliebtheit des Satirekandidaten erklärt sich durch die Unzufriedenheit vieler junger Serben mit der Politik in ihrem Land. Trotzdem fällt bei einem Spaziergang durch Belgrad schnell auf, dass die Wahlplakate von Aleksandar Vucic nicht bemalt wurden. Eine Sicherheitsfirma kümmert sich 24/7 darum, dass niemand dazu kommt, das Konterfei des nun gewählten Präsidenten um einen schwarzen Zahn oder ein Hitlerbärtchen zu ergänzen.

Auch wer den Fernseher einschaltet, wird das Gesicht von Vucic sehen. Laut dem Analysezentrum Kliping hat Vucic 67 Prozent der Sendezeit bekommen. Die anderen 10 Kandidaten mussten sich die übrigen 33 Prozent teilen. Am wenigstens Sendezeit bekam Beli, dessen Wahlkampf aber sowieso über Facebook, Twitter und Youtube lief. Aleksandar Vucic hat die Präsidentschaftswahlen gewonnen, doch der „Weiße“ ist auf 9,5% gekommen und hat die Wahlkampfphase wenigstens witzig gemacht, wenn sie schon nicht spannend war. 

 

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