Familie
Auf der Küchenarbeitsplatte steht ein riesiger türkisch beschrifteter Kübel Joghurt, daneben ein kleiner, richtig mickrig wirkender Becher Biojoghurt, "nur" ein halber Liter - meine alltägliche Extrawurst. Die Familie meines Freundes kennt meine Ernährungsgewohnheiten und -vorlieben besser als meine eigene Verwandtschaft, für mich wird extra der normale Supermarkt aufgesucht, obwohl der türkische viel näher ist.
Ich werde nie vergessen, wie ich die Großeltern, Tanten und Onkel meines Freundes kennengelernt habe. Im Februar 2010 standen sie plötzlich alle in meinem Zimmer im Krankenhaus. Geburtenstation. Sie alle strahlten mich an, drückten und küssten mich und beglückwünschten mich zur Geburt ihres neuesten Familienmitglieds. Dass sie mir davor noch nie begegnet waren, war gar kein Thema. Diese mir völlig fremde Menschentraube "entführte" meinen frischgeborenen Sohn freudig auf Türkisch quietschend auf den Gang und ließ mich völlig perplex zurück.
Nein, so hatte ich mir das erste Zusammentreffen nicht vorgestellt, eigentlich hatte ich damit gerechnet, die meisten von ihnen ein einziges Mal offiziell zu treffen und danach so lockeren Kontakt zu ihnen zu halten wie zu meiner entfernten Verwandtschaft. Auch komplette Ablehnung meiner Person wäre eine von mir erwartete Reaktion gewesen, wer wünscht sich denn schon für seinen Enkel/Neffen, dass er mit siebzehn Vater wird?
Und da sitze ich nun im Wohnzimmer der Freundoma, fünf Cousinen und ein Cousin des Freundes tollen kichernd mit meinem Sohn herun und ich werde wie immer mit vegetarischen Köstlichkeiten überhäuft. Ich bin so ubglaublich dankbar und froh über diese wundervolle warmherzige Familie. Meine Familie.
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Das ist schön!!
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