Frau Akbaba, gibst du Interview für Wiener Zeitung! - liest du hier
"Wir sind noch immer auf Identitätssuche" 
von Stefan Beig (Wiener Zeitung)
Akbaba im Gespräch über Integration und den türkischen Botschafter.
"Ich wurde mir meiner türkischen Herkunft erst mit 22 Jahren bewusst."
Wien. Seit 1. November ist die ORF-Wetter-Moderatorin Eser Akbaba beim Verein "Wirtschaft für Integration" (www.vwfi.at) für PR zuständig. Der Verein will Unternehmen für Integrationsprojekte gewinnen und fördert die Sprach-Kompetenz Jugendlicher.
"Wiener Zeitung": Wie ist Ihr Job?
Eser Akbaba: Sehr intensiv. Eben sind beim Mehrsprachigkeitswettbewerb "Sag’s Multi" Regionalausscheidungen. Erstmals wird im März ein Integrationstag mit Workshops stattfinden.
Dabei gefällt Ihnen das Wort "Integration" ja gar nicht .. .
Integration wurde gerade bei Zuwanderern zum Schimpfwort. Es suggeriert, dass es um Probleme geht. Ein alternativer Begriff fällt mir bis heute nicht ein. Meinen Beruf mag ich aber sehr. Wir zeigen die positiven Seiten der Integration auf, dass Migranten nicht nur Probleme verursachen, sondern auch erfolgreich sind. Eigentlich sollte "Integration" Miteinander bedeuten. Für mich ist Integration wie ein Gespräch auf Augenhöhe, in dem sich Zuwanderer positiv zur Geltung bringen.
Seit dem Interview des türkischen Botschafters ist die türkische Community im Gespräch, etwa deren Bildungsdefizite.
Man soll nicht immer mit den Problemen anfangen. Beim ORF bin ich das Aushängeschild, aber ich bin nicht die Einzige. Nur weil man anders aussieht, heißt das nicht, dass man bildungsfern ist. Meine Mutter hat mir immer eingeschärft: Du wirst studieren.
Dennoch gibt es Bildungsprobleme.
Meine Eltern kamen vor 40 Jahren nach Österreich und haben wie so viele in einer "Fabrikwohnung" gewohnt – unter Türken. Der erste Kontakt bestand zu den eigenen Landsleuten. Viele hatten keine Möglichkeit Deutsch zu lernen – man hat es von ihnen auch nicht verlangt. Diese erste Periode der Integration hat die Politik verschlafen. Seit 15 Jahren soll auf einmal alles klappen, nachdem sich davor niemand darum gekümmert hat. Plötzlich wird von der Jugend Unmögliches verlangt.
Welche Maßnahmen helfen denn?
Gut finde ich die Kindergartenpflicht. Ich bin mit einem Jahr in den Kindergarten gegangen, weil meine Eltern arbeiten mussten.
Wie hat Ihnen das Botschafter-Interview gefallen?
Seine erste Frage, ob er als Botschafter sprechen soll oder nicht, halte ich für überflüssig. Er repräsentiert immer sein Land. Recht hat er damit, dass man mehr über erfolgreiche Türken berichten sollte. Aber seine Tonlage gefiel mir nicht. Er ist auch nicht mein Botschafter, nur weil ich türkisch-kurdische Wurzeln habe.
Sie sind Alevitin. Ihre Dissertation behandelt die alevitische Jugend.
Viele alevitische Jugendliche beschäftigen sich intensiv mit ihrer Herkunft, etwa dem Massaker in Dersim im Jahr 1938. Ich bemerke das an den Facebook-Einträgen. Leider wird für sie sehr wenig gemacht. Können Sie sich vorstellen: Die Aleviten haben in Österreich nur ein Cemevi (Gebetshaus) – bei 60.000 Aleviten!
Haben Sie Konflikte innerhalb der Zuwanderer-Community erlebt?
Meine Eltern sind aus Dersim. Es gibt noch türkisch-kurdische Spannungen. Manchmal wird man als Kurdin schief angeschaut. Auch zwischen Sunniten und Aleviten kann es Konflikte geben. Als ich zwölf war, wurde ich in der Schule gehänselt, weil ich im Monat Ramadan nicht gefastet habe. "Du bist keine Muslimin, wenn du nicht fastest", haben die Schüler gesagt.
Früher wurden Zuwanderer oft wegen der FPÖ-Rhetorik als Opfer in Schutz genommen.
Man muss weg von der Gegenüberstellung Opfer- und Täterrolle. Man soll nicht nur bemitleidet werden. Ein Zuwanderer ist wie ein neuer Mitschüler in der Klasse, der zunächst gehänselt wird. Vorurteile hat am Anfang jeder. Das ist auch gut, damit man sie nachher abbauen kann.
Wie sehen Sie nun die Lage der Jugendlichen aus Migrantenfamilien?
Wir sind noch immer auf Identitätssuche. In der Türkei bin ich eine Ausländerin. In Österreich gelten meine Eltern noch immer als Gastarbeiter. Wie lange ist man Gast? Ich rede oft von einer Hybrid-Identität, die aus Österreich und dem Herkunftsland besteht. Die Jugendlichen haben eine "eigene Sprache" entwickelt – ein "getürktes Deutsch", weil sie sich eine Misch-Identität angeeignet haben. Ich bin mir erst mit 22 Jahren meiner türkischen Herkunft bewusst geworden.
Warum?
Bis dahin hatte ich mich als Österreicherin gesehen. Ein Wiener hat mich damals gefragt, ob ich Österreicherin bin. Als ich das bejahte, sagte er: "Sie haben vielleicht die österreichische Staatsbürgerschaft, aber Österreicherin sind Sie sicher nicht." Da dachte ich mir: "Sie werden mich nie als Österreicherin sehen. Warum?" Liegt es am Aussehen, am Namen? Ich fühle mich hier zu Hause und lebe mit der Mehrheitsgesellschaft. Aber meine Eltern kommen aus Ostanatolien. Vorher hatte ich mich nicht so intensiv mit meiner Herkunft beschäftigt. Die Politik macht es Migranten oft nicht leicht.
Die Wirtschaft schon?
In der Wirtschaft geschieht vieles ungezwungen. Viele sprechen Englisch, weil nicht alle Deutsch können. Keiner fragt: Woher kommen Sie? Den Zuwanderern macht oft viel Bürokratie zu schaffen. Ihre Qualifikationen können nicht genutzt werden. Die Nostrifizierung dauert sehr lange. Für die Zukunft wünsch ich mir ein Österreich, in dem eines Tages alle Integrationsexperten arbeitslos sind und ich ZIB-Nachrichtensprecherin bin. (lacht)
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"getürktes deutsch?"
kommt mir bekannt vor ;)
sehr gute...
...antworten! Ich selber bin auch migrant, sobald ich meinen namen sage. immer dessöbeee! "woher kumans denn???" "des hätt i ma oba net g'dacht heans!"
Bravo!
mein lieblingssatz:
"Für die Zukunft wünsch ich mir ein Österreich, in dem eines Tages alle Integrationsexperten arbeitslos sind und ich ZIB-Nachrichtensprecherin bin."
oje der arme kenan. aber bis
oje der arme kenan. aber bis dahin kann er ja reich werden und sich zur ruhe setzen :-P
da wird er vorher noch ganz
da wird er vorher noch ganz reich, weil in österreich dauert eh alles 15 Jahre länger :-)
supa esa
supa esa
tenk yu, teo meo! :o)
tenk yu, teo meo! :o)
ooo, tesekkür ederim!
ooo, tesekkür ederim! ;o)
danke ivana, dass du so schnell warst und das interview gleich gepostet hast! heast, hast nix zu tun - geh schlafen! :o))))))
hab am nachmittag gepennt
hab am nachmittag gepennt :)
jetzt leg ich nachtschicht ein :-P
na supi, der nächste jetlag
na supi, der nächste jetlag ist schon vorprogrammiert! ;o)
süpersin eserim!
süpersin eserim!