Hacker, Cracker, Crapster



Die Eier im Internet. In letzter Zeit mache ich immer öfter die Beobachtung, dass in Europa und Amerika die Straße als Nährboden für intermenschlichen Gedankenaustausch und Auseinandersetzung immer unbeliebter wird. Statt dessen verlagert sich der Großteil ins WWW. Anscheinend werden im 21. Jahrhundert die Battles des „Westens“ vor dem PC ausgetragen.

Müsst ihr euch vorstellen. Vor zwei Wochen hatte ich einen Traum, in dem ein Computerspiel existiert, welches unsere Welt simuliert; alle Straßen, Häuser, Situationen und Leute sind so wie in der Realität, nur eben in digitaler Form. Dieses Computerspiel wird von sozial und emotional inkompetenten Menschen verwendet, damit sie anderen Individuen nicht ins Antlitz blicken müssen, oder sonst irgendwelche Probleme auf der Straße abhandeln müssen. Alles passiert zu Hause vor dem Laptop und wenns ihnen zu deppert wird, dann Loggen sie sich einfach off. Also kranke Scheiße, aber zum Glück eh komplett unvorstellbar. Da wacht man gleich mal fett mit Verwirrung auf und kommt ins Nachdenken: Z.B.: Werden face to face Konversationen eine Rarität? Oder: Übernimmt das Internet irgendwann Oberhand über unsere Sozialisationsfähigkeit? Eine Modeerscheinung der letzten Zeit ist bekannterweise das Hacken/Cracken. Von Internetneulingen, die sich für Spamangriffe auf Seiten zur Verfügung stellen, bis hin zu Profis, die sogar die (selbst)sichersten Institutionen knacken, alle probieren sich darin, jeder kann sich einer Gruppe wie Anonymous anschließen, Revolutionen werden losgetreten, (korrupten) Staaten der Kampf angesagt, Seiten von Kreditkartenfirmen und Parteien blockiert, alles über das Internet. Während die Straße im Zuge des Arabischen Frühling in Nordafrika und im Nahen Osten brennt, ist sie in Europa nutzlos geworden und verstaubt. Hin und wieder flammen kleinste Brandherdchen auf, aber meist sind dies nur Zuckungen eines ansonsten toten Geistes. Die Zeiten von 1917 und 1789 sind anscheinend vorbei.

Einer der Hauptakteure und „Revolutionsführer“ ist natürlich Julian Assange und die wikileaks - Truppe rund um ihn. Was er darstellt ist die neue Form des Aufbegehrens gegen ein (aus seiner/ihrer Sicht) korruptes Geheimdienst- und Militärsystem. Was bei ihm eine Besonderheit ist, ist die verfehlte Konsequenzverminderung in der Realität. Nach einigen vorerst noch leeren Drohungen wurden gegen ihn Vorwürfe wegen Vergewaltigung erhoben und er wurde vom Lügennetz gefangen, gegen das er eigentlich ankämpfen wollte. Allerdings hat er als einer der wenigen Aufbegehrer auch in der Realität Rückgrad bewiesen. Eine Ausnahmeerscheinung unter Internettrollen. Falls man ihn zu diesen zählen darf.

Was sich neben solchen Cyber-Pseudorevolutionen noch größter Beliebtheit erfreut, ist das Internetbeileid. Besonders jetzt wieder aktuell. Das ist auch eine dieser seltsamen WWW-Erscheinungen. Irgendwann zwischen Japan und Norwegen haben sich einige kluge Leute überlegt, dass sie unbedingt ihr sinnvolles und für die Opfer völlig relevantes Beileid verstreuen müssen. Und zwar von twitter über facebook bis shitter, überall sieht man diese dämlichen Bekundungen, Profilbilder werden geändert, Gruppen à la Eine Million Tränen für Japan werden gegründet, und das Einzige, das im Endeffekt rauskommt ist, dass alle wissen wie die Fahne eines Landes aussieht und vielleicht wo es liegt.
Fazit: Leute. Es ist an der Zeit den Arsch vor die Tür zu bewegen und Menschen wieder in persona zu treffen, Demos auf der Straße und nicht im Internet auszutragen und Mitleidsbekundungen (wenn denn der Drang schon so groß ist) direkt an die Betroffenen zu richten. Also entweder hin fahren und helfen oder sonst irgendwas relevantes tun, aber nicht einfach irgendwelchen Müll herumposten. Man kann auch einfach schnell und sicher Geld überweisen (sei es jetzt an Wikileaks oder Katastrophengebiete), wenn man in unserer kapitalistischen Gesellschaft wirklich etwas verändern will. Am besten mit E-Banking.

5
 
 


Yey...

das "hacken/cracken" ist

das "hacken/cracken" ist aber sehr wohl keine "Modeerscheinung".

regierungsdokumente werden schon seit jahren (ok, nicht im ausmaß wie bei wikileaks aber dennoch) veröffentlicht und lückenhafte bzw. korrupte netzwerke werden schon seit der erfindung des www's lahmgelegt. der einzige unterschied ist nun, dass das ganze eine hollywoodreife weltretter-revoluzer aufmachung mit julian assange bzw. den lulzsec typen hat, die das ganze für die medien erst interessant gemacht haben.

Ich meinte,

ebenso wie du in deinem Schlusssatz, den (medialen) Hype darum.

aus gegebenen anlass (amy

aus gegebenen anlass (amy winehouse, ryan dunn, columbo) ein genialer video blog von illdoc darüber wie sehr wir mittlerweile abhängig von sozialen und massenmedien sind um unsere eigenen lebenserfahrungen zu validieren
oder wenig klugscheisserisch ausgedrückt
was hinter so einem "RIP"-Tweet steckt

"Es geht vom Internet zum

"Es geht vom Internet zum Bordstein zurück
Siehst du unsere Welt, wie Sie niemals still steht Yeah?
Ich hab vom Horizont zum Asphalt geblickt
Es ist unser Leben in der Stadt, die niemals schläft Yeah"

Ich finde Anonymous sollte aus der Untergrund heraustreten und sich endlich trauen das Pentagon mit Mistgabeln anzugreifen um vertrauliche Infos zu stehlen...ist a) gutes work out und b) viel ehrenhafter und heldenhafter :)

ach ja dieses Mitleid des Volkes..finde ich immer überwältigend...bin da aber nicht der einzige. Eifrige Internet-user mit viel freizeit haben was schönes zusammengestellt: http://images.ichc.s3.amazonaws.com/originals/completestore/2011/7/20/8d... und http://img140.imageshack.us/img140/5889/1299928687001.jpg

Der erste Weltkrieg und die Französische Revolution sind für dich zwei gute Beispiele für eine Bewegung auf die Straßen Europas? Die Zynismus-Glocken schlagen bei mir Alarm...ich nehme halt mal stark an (und zweifle nicht eine Sekunde lang) dass du die unzählige Tote nicht verharmlost :)

Fands nett deine Gedanken und deinen Unmut zu lesen, ich merke Intellekt und ein wenig Pessimismus, aber pseudo-mitleid und nervige Facebook kommentare sind besser als gleichgültigkeit. Die Welt ist nicht rosa....aber dafür haben wir ja Biber :)

Naja so zynisch

und pseudointellektuell wie nur geht. :)

Alles ziemlich wie dein erster Satz nach Bushidos

Es war schon sehr heftig gute alte Zeit lastig... Noch schlimmer: 1917 Russland. Opfer sind die Bauern der Geschichte. Meine Lieblinge im Schach.

Gut gemerkt und Ungleichgültig, obwohl irgendwie dagegen.

Good night and good luck.

die Bauern in Sach sind die

die Bauern in Sach sind die Besten weil sie a) die Mehrheit bilden und b) die einzigen Figuren sind die sich transformieren können.....werden halt zu (drag)Queens :)

up, up and away (wenn wir schon Filme zitieren :D )

Mit DragQueens

kommen wir schon zu Bertolt Brecht und seinem Neu Šach.

Jetzt wirds Zeit für Intellektuellness-herum-hirnen.

Oder Bett.

womit wir dann schon bei

womit wir dann schon bei Godard und Truffaut wären....weiß zwar nicht warum, aber sie erschienen mir als die logische weiterführung der Kette :)

Irgendwie hab ich das

Irgendwie hab ich das gefühl, dass ihr zuviel Zeit mit studieren von Theorien verbringt ;)

Naja Schach nicht

Das fällt unter die Kategorie Hausverstand. ^^

Login



Aktuelle Ausgabe

 

biber Kolumne

Wiens schärfste Kolumne!
In Ivanas Welt berichten biber-Redakteurinnen Ivana Cucujkić und Ivana Martionović über ihr daily life. 

Empfehlen