HEY where is the FREMDENFEINDLICHKEIT geblieben?
Ich habe mich immer gefragt, obs irgend ein Land auf der Welt gibt, wo du endlich spürst, wie sich das anfühlt, wenn keiner über die Ausländer motzt. Man stelle sich vor, dass man aus einem Land wie Österreich ausreist, wo überall Plakate ins Aug stehen, deren Hauptthema Zuwanderung ist, und wie diese das Land schwächt. Die UREINWOHNER seien durch die Fremden gefährdet, heißt es nicht selten. Dann kommt man in ein Land, wo du absolut deinen Kopf freibekommst und mit Ausländerhetze nicht mehr in Berührung kommst. UFFFFF! Mein Schädl ist so richtig frei. Und das fing an beim Flughafen in Toronto.
So freundliche Leute habe ich in meinem Leben noch nie getroffen. Ich musste ca. dreimal mein Einreiseformular abgeben und den Pass zeigen. Kein einziger von den Zollbeamten war unfreundlich. Hier in Kanada scheint es Standard zu sein, mit Leuten Smalltalk zu führen, wenn du ihnen begegnest. Während er meinen Pass kontrollierte, quatschte er mit mir, wohin ich fahre, was ich hier mache, wie lang mein Aufenthalt ist. Und das in einem Ton, wo du es für keine Kontrollfragen hälst, sondern einfach als ein Gespräch unter Menschen. Klar wollten alle von den drei Zollbeamten wissen, was ich in Kanada verloren haben. Aber keiner von ihnen gab dir das Gefühl von Kontrolle. Wow! Und sie lächelten sogar. Sie LÄCHELTEEEEEN!
Beim Ausgang aus der Flughalle sah ich einen Infostand mit "Information for Newcomer" beschriftet. Da erfährst du alles, wenn du nach Kanada migrierst, was für dich wichtig ist. Da fühlt man sich gleich anders. Willkommener!
Bei meinen Gastgebern (Verwandten) ist das Haus so geräumig, dass du keinen Augenblick das Gefühl hast zu stören. Die ersten Gedanke bei den Riesenräumen waren über Mäuselochwohnungen in Wien, wo du Gäste nicht lange aushälst, weil du wahrscheinlich bei der Quadratmeterzahl die Stunden zählst, bis sie wieder aus deiner Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnung verschwinden. Die Leute sind hier relaxt, fahren dich überall hin. Egal wie weit, auch wenn sie viel arbeiten, um sich diesen Lebensstandard erhalten zu können. Keiner deiner Wünsche wird als unhöflich aufgenommen. Ich hab zb einen Adapter für die ameranischen Steckdosen gebraucht. Jeder Laden wurde abgeklappert, bis ich ihn hatte. Bei so viel Aufwand war es mir schon peinlich danach zu suchen. Aber kein Aufwand ist zu groß, um den Gast glücklich zu machen.
Die größte Angst meiner kanadischen Gastgeber ist, dass ich hungrig werden könnte. So wird ständig irgendetwas angeboten und aufgetischt. Und ich vermisse es gerade hungrig zu werden.
Ich hab mich heute auf den Weg durch Ayr gemacht. Ayr ist ein kleines Dorf nähe der Stadt Kitchener, im Bundesstaat Ontario. Ich fühle mich wie in der Wisteria Lane, aus der Serie Desperate Housewives. Keine Gartenzeune versperren dir die Sicht auf die Nachbarn. Alles im Stil der amerikanischen Vororte, wo vor der Garage riesige Trucks stehen. Auf der Einfahrt liegen Zeitungen in einer Plastiktüte eingepackt, die dir Zeitungsjungen jeden Morgen vor die Tür werfen. Und mitten drin in dieser Vorstadtidylle ich, die eigentlich eine Fremde in dieser behüteten Vorstadtgegend ist.
Und was machen die Leute, wenn ich bei denen am Haus vorbeispatziere? SIE GRÜSSEN EINE FREMDE!
Ich, völlig alleine, auf den Straßen von AYR, gehe an einem Nachbarn, am nächsten Nachbarn vorbei und werde jedesmal mit einem lächelnden HI begrüßt.
Sogar die Neighbourhood-Patrol, welche die Gegend abgecheckt, streckt dir die Hand aus dem Auto und grüßt dich.
Und wo sind die Fremden?
Kanada besteht eigentlich aus Fremden, die nicht mehr fremd sind. Ganz Kanada ist eigentlich ÜBERFREMDET, wovor so manches LAND Angst hat. Und keinen schert es. Jeder liebt Kanada, betont aber migrantische Wurzeln zu haben und pflegt diese Traditionen auch. Bei der Hochzeit meiner Cousine dekorierte eine Griechin. Den Adapter verkaufte mir ein Portugiese. Den Hot Chocolate bei Tim Hortons verkaufte mir eine Vietnamesin. Who cares?
Irgendwo ist ein portugiesisches, kroatisches, serbisches, vietnamesisches, griechisches Zentrum, wo sich die Leute treffen und ihre Traditionen pflegen. Dennoch sind sie Kanadier, reden perfekt englisch und sind keine Fremden.
Der Pole, bei dem ich die Hochzeitskarte gekauft hab, fing Smalltalk an und fragte, ob ich Ukrainerin oder Russin bin. Wahrscheinlich erkannte er mein rollendes R. Wir quatschten mit einem Dauerlächeln, als er meinte, dass er "polnish" sei. Woher ich das hätte wissen sollen, bei seinem perfekten Englisch?
Ah, wie schön es ist, nicht als eine unangenehme Fremde wahrgenommen zu werden. Es ist sooooo schön, dass man sogar als Fremder kein Fremder ist.
Meine nächsten Ausflugsziele sind:
Niagara-Fälle.
China-Town in Toronto ;)
Hier paar Bilder für Euch aus meinem Neighbourhood.
Deko für Halloween

Mr. Rob Deutschmann kandidiert fürn Bürgermeister der Stadt. Bei vielen Häusern steckt die Wahlwerbung im Vorgarten.

Kein Wunder, dass die alle die Haustür nicht abschließen. Wozu?

sooooo schöööööööööön

Und wie heißen kanadische Städte?
Baden, Mannheim, London, Paris, Cassel, uvm.
In London woar i heute. Morgen bin ich wahrscheinlich in Paris. :) 10 Min von London entfernt.
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kanada is ein super
kanada is ein super beispiel, wie man mit migration konstruktiv umgeht - nicht umsonst hieß die generalgouverneurin bis vor kurzem michaelle jean...
kanada is leiwand.
mehr als die hälfte meiner verwandschaft ist in den frühen 1960er jahren nach kanada ausgewandert. du triffst in toronto sicher eine grosse menge burgenländer :-)
viel spass noch da drüben, und mach bei den niagara falls die gelbe regenjacke zu dort plätscherts ordentlich :-)
viele grüsse,
da fred
+++
ich habe meiner Mama schon immer gesagt, sie hätte mit uns nach Amerika oder Kanada auswandern sollen. Aber nein, wir san in Wien gelandet.
Ich habe gerade sehnsucht
Ich habe gerade sehnsucht nach einem land, in dem ich noch nie war! Toller blog echt!
Super Blog Ivana! Das höre
Super Blog Ivana!
Das höre ich gern, dass es Länder gibt die auch richtig zum Leben geschaffen wurden. Das freut mich, und dass die alle europäische Städtenamen haben ist lustig, gibts da auch ein wien oder so?
Hab viel Spass und geniess die Zeit, ich muss mich eh mal erkundigen wie die Vorraussetzungen sind für Auswandern nach Kanada :)
Ich habe Verwandte in Toronto und die sind genau wie du geschrieben hast total integriert, haben aber ihre wurzeln nicht vergessen und als er mal bei mir in meinem zimmerchen in wien war mein Verwandter, und wir sprachen, da hat er migration und so weiter gar nicht so verstanden wie ich, weil er das nicht so erlebt, wie ich in österreich. für die kanadier, die als großes einwanderungsland zählen ist einwanderung was ganz anderes und viel positiveres als wie hierzulande.
als ich vom schalter für
als ich vom schalter für neuankömmlinge gelesen habe, dachte ich es mir schon. dann die bilder von den großen häusern... verschiedenste kulturen auf einem fleck und jeder darf/kann traditionen die ihm lieb sind pflegen ohne gleich als intergrationsunwillig oder terrorist zu gelten... du bist gerade im paradies. ivana, nimm mich mit nach kanada!
vesna, nichts wie hin. mein
vesna, nichts wie hin. mein schwager erzählte mir, wie top das land für kinder ist.
wenn du in kanada ein kind bekommst, kriegst vom staat am anfang eine riesensumme. und dann wird es bis zum 18. lebensjahr immer weniger. ähnlich wie kindergeld, nur eben am anfang viel, am ende weniger.
in die schulen kommen jedes jahr zahnärzte, ärzte und kontrollieren den gesundheitszustand der kinder und deren gebiss. deshalb haben die alle so schöne zähne, weil den eltern geraten wird, dem kind eine spange zuzulegen.
mit schönen zähnen lässt sich auch besser lächeln :) und das tun die kanadier ständig.
schulbusse? wohnst du irgendwo abgelegener, kommt der schoolbus trotzdem. die schule registriert die kinder und organisiert die busse.
uvm.