Ich bin voll drIN Alter!
Wochentags fahre ich 7:30 Uhr morgens mit der Bahn die Spree entlang. Eine Haltestelle macht mich besonders neugierig – die Jannowitzbrücke. Jedes Mal sehe ich am anderen Ufer einen kleinen Strandbarabschnitt, an dem Leute weiter in den Tag hineinfeiern. Das Haus, das daneben steht, gleicht einer besetzten Punkerhüttn. Ich muss da unbedingt mal hin, denke ich an jedem verdammten Morgen, an dem ich da entlang gleise.
Mein erstes Mal
Meine temporäre Mitbewohnerin feiert ihren Abschluss und lädt mich ein dabei zu sein. Ich freue mich. Es soll meine erste Berliner Partynacht werden. Wie auch in Österreich, wird hier in einer Gruppe vorgeglüht und abgewartet bis die Klubs gefüllt sind, um loszuziehen.
Was es in Wien nicht gibt? Kurzstrecken-Taxi
- Halte ein fahrendes (kein Stehendes ) Taxi an. Teile dem Taxifahrer mit, dass du eine Kurzstrecke fahren willst, während du einsteigst. Für ein Ziel, das maximal 3km weit entfernt ist, zahlst du pauschal € 4,-.
Beim Klub angekommen, reihen wir uns in die lange Schlange ein. Es ist der Klub, an dem ich jeden verdammten Morgen mit der Bahn vorbei fahre. Endlich bin ich da. Wir stehen uns eine geschlagene Stunde die Beine in den Bauch. Aber es soll sich lohnen. Denn es ist das KaterHolzig.
In Berlin, da gibt’s n Klub, der heißt so wie das, wasde nachher hast – Kater.
Im Jahr 2003 eröffnete in Berlin ein Techno-Klub namens Bar25. Der Holzschuppen hatte nur im Sommer geöffnet, im Winter mussten die Betreiber schließen. Daher gab es jeden Herbst eine Abschlussparty, aber auch weil ständig um den Fortbestand des Klubs verhandelt wurde. Bis zum Frühjahr 2010 konnte die Bar25 immer wieder öffnen. Das Aussehen änderte sich von Tag zu Tag. Kreative ließen ihren Inspirationen freien Lauf und machten diesen Ort zum einzigartigsten Ausgeherlebnis Berlins. DJs kamen aus aller Welt, um am Spielplatz für Erwachsene aufzulegen. Im September 2010 allerdings, musste der Klub seine Pforten endgültig schließen. Die Stadt riss das Areal an sich, um Bürohäuser bauen zu können. Ein Klub, international bekannt wie das Studio54, sollte vom Erdboden verschwinden. Heute erinnert nur mehr der Dokumentarfilm Tage außerhalb der Zeit an den Klub.
Doch einige der Betreiber konnten es sich scheinbar nicht vorstellen im nächsten Frühling keinen Klub mehr zu eröffnen. So siedelten sie einfach um, auf das gegenüberliegende Ufer der Spree und eröffneten den Klub KaterHolzig. Er sollte mindestens genauso spektakulär werden, wie die einstige Bar. In und um das Areal einer alten Seifenfabrik gibt es seit Sommer 2011 Theater, Restaurant, Lounge, Kino, Ausstellungsort und Strandbar. Leider wird auch der Kater 2013 wieder schließen müssen. In dem alten Objekt sollen Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen.
Da bin ich ja heilfroh, dass ich wenigstens den Kater noch erlebt hab! Im wahrsten Sinne des Wortes.
Hier hat Frau Türsteherin das Sagen!
Während wir in der Schlange zum ersehnten Eingang warten, werden mir die Türstehersitten näher gebracht. Im Kater kann man nie so genau wissen, ob man rein kommt oder nicht. Aber was man auf keinen Fall tun sollte steht trotzdem fest:
- Nicht unangenehm auffallen
- Keine großen Gruppen – in kleinere Gruppen aufteilen, am besten Frauen und Männer gemischt, weil sonst kommen die Männer nicht rein
- Immer lächeln und gute Laune zeigen
- Haarpracht und Dekolleté zeigen
Am besten man stellt sich schon während dem Warten darauf ein, die Schwelle nicht überqueren zu können, damit die Enttäuschung nicht zu groß ist. Ein Plan B muss her. Das ist ja schlimmer als in Wien, denke ich. Oder geh ich in Wien einfach nicht in solche Läden?
In Internetforen finden sich zur Türsteherin interessante Kommentare:
„…waren nicht alternativ genug…“ – „…die Türsteherin ist peinlich, gemein und unwürdig…“ – „Wenn man drauf steht, von einer machtgeilen Türstherin herabwürigend behandelt zu werden: Place to be!!!“ – „TIPP NUR FÜR MASOCHISTEN !!“ – „Durch die giftige Dame an der Türe soll Exklusivität suggeriert werden, tatsächlich waltet absolute Willkür.“
Ich bin voll drIN Alter!
Eine bunte Welt tut sich mir auf. Ich hab sowas noch nie gesehen, auch wenn die Leute sagen, dass der Kater der Bar25 nie das Wasser reichen kann. Überall Lichter, Kunst, Floors mit coolen Sounds, nette Leute. Für mich auf jeden Fall ein Erlebnis.
Was es in Wien nicht gibt? Eine Flasche Club Mate, aus der du soviel trinkst wie du kannst, damit sie die Barkeeper mit Vodka wieder auffüllen. Willkommen im Kater!
Foto: Sarah Al-Hashimi
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

.png)


