Immer in der Siegermannschaft
"Meine Mutter ist Deutsche und mein Vater Engländer. Es ist furchtbar, wenn diese beiden Mannschaften gegeneinander spielen. Ich bin dann immer Sieger und Verlierer zugleich". Stefan hat zwei Muttersprachen, zwei Pässe und zwei Lieblingsmannschaften.
Noch fünf Tage lang besetzt König Fußball das Hauptabendprogramm. Die EM weckt in vielen von uns einen gesunden Nationalstolz oder Sympathien für ein bestimmtes Land. Wir binden uns stolz den Schal unserer Lieblingsmannschaft um und schwänken Fähnchen für den Sieg der Nationalelf. Zur EM dürfen sogar die Deutschen ihre Fahnen wehen und "'Schland" brüllen, ohne gleich als Nazis geschimpft zu werden.
Nationalstolz ist dann schön, wenn man eine Nationalität hat; etwas schwieriger wird es, wenn man zwei hat oder drei. Was macht man, wenn die Mama Spanierin und der Papa Serbe ist? Zu welcher Mannschaft hält man dann? Wessen Fähnchen schwingen Türken, die in Österreich aufgewachsen sind? Und singt Mesut Özil die deutsche Nationalhymne? Viele von uns wurden im Ausland geboren, haben Eltern aus verschiedenen Ländern und sind irgendwie nirgends und überall fremd. Wer sich viel Leid und kulturbedingte Selbstzweifel sparen möchte, verzichtet auf Länderspiele und auf sonstige Sportspektakel, die unter Nationalfahnen stehen. Zumindest dann, wenn beide Heimatländer gegeneinander antreten.
Anderseits kann man in solchen Sportduellen ja gar nicht verlieren. Wenn Österreich gegen die Türkei spielt, gehört man als gebürtiger Austrotürke immer zur Siegermannschaft, egal wer das Spiel gewinnt. Oder nicht? Liebe "neuen und alten Österreicher", kann man eine einzige Nationalmannschaft haben oder ist Sport wie eine Doppelstaatsbürgerschaft?
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