It's my life
Gestern Abend war ich im Theater, nichts Ungewöhnliches für eine Germanistik-Studentin wie mich. Doch anstatt Faust Zitaten, flogen diesmal die Fetzen. Hip-Hop Einlagen statt Ausdruckstanz, Rap statt Bach, Tschuschenslang statt Hochdeutsch, Ausländerkids statt Schauspielprofis.
Stell dir vor es ist Schule und keiner geht hin. An einem ganz normalen Tag kommen die Jugendlichen in die Schule und finden das Gebäude leer vor. Aufgrund des zu hohen Migrantenanteils wurde die Schule nämlich gesperrt. Zunächst finden das alle, außer der nerdige Svabo Gibbs und Klassenstreberin Ybelfin, total leiwand. Doch nach und nach begreifen die Schülerinnen, dass sie ohne Schulabschluss keine Zukunftschancen haben. Deshalb bewerben sie sich mit selbstgedrehten Videos (Achtung: Lachflash) an einer renommierten Schule im ersten Bezirk, die nur noch wenige freie Plätze hat.
Zukunftsängste
„It's my life" erzählt die Geschichte von 8 Teenagern, die zwischen Saufen und Schularbeiten herauszufinden versuchen, wo sie in der österreichischen Gesellschaft stehen. Jugo-Tusse Tina, ihr schwuler bester Freund David, Klassen-Boss Embre, Oberchecker Vali, Fußballerin Tugba, Streberin Ybelfin, Kopftuch-Klassensprecherin Elif und Ösi-Außenseiter Gibbs strotzen nur so vor Kultur-Klischees. Eine wird vom türkischen Alki-Vater verprügelt, die andere soll lieber heiraten statt Fußballspielen. Die Jungs baggern was das Zeug hält und feinden den schwulen David an. Was sich anhört wie ein Revival der ORF-Serie "Tschuschen-Power", ist in echt eine humorvolle Abbildung unserer Zwei-Klassen-Bildungspolitik. Schulen mit hohem Migrantenanteil werden weniger gefördert und als minderwertig betrachtet. Dass dem aber nicht so ist, beweisen die Schülerinnen des bfi Margaretenstraße, die mit diesem selbstgeschriebenen Theaterstück ihre Zukunftsängste eindrucksvoll verarbeiten und diese glaubhaft auf der Bühne präsentieren.
"Ich will nix Coban sein, ich will Schule gehen!"
Gerade deswegen ist das Stück so authentisch. Denn die Schauspieler spielen sich selbst. Reden wie sie tatsächlich auch untereinander reden. Nichts wirkt aufgesetzt, alles ist echt. Von der türkischen Hausmeisterin, die die Schülerinnen mit ihren Lebensweisheiten motiviert ("Ich habe zu mein Vater gesagt, ich will nix Coban sein, ich will Schule gehen!"), bis hin zu Mädchenschwarm Embre ("Ich geh seit eine Jahr Fitness. Die Mädls wollen immer meine Muskeln anfassen."), sie alle gibt es auch wirklich an jeder Wiener Schule.
Ich habe schon so einige Theaterstücke besucht, aber keines hat mich je so sehr begeistert wie dieses. Ich habe Tränen gelacht und zum Schluss geweint, als mir meine eigenen, ganz persönlichen schulischen Erfahrungen als „Ausländerin“ hochkamen. Denn wie die Schülerinnen in ihrem Rap schon ausdrücken: „Mutter nix Deutsch, das interessiert kein Schwein – nur mit Matura kannst du was Besseres sein“, hat sich seit meiner Schulzeit nicht viel geändert. Ausländische Schülerinnen werden noch immer als minderwertig betrachtet. Doch keiner versucht zu verstehen, wie schwer sie es oft zu Hause haben, welcher Druck auf ihnen lastet. Fast keiner - denn Regisseurin Sandra Selimovic und Autorin Ursula Knoll nahmen sich dieser Schülerinnen an und entwickelten in einer Verbindung von Schauspielworkshop und Schreibwerkstatt, gemeinsam mit den Schülerinnen das Stück „it’s my life“. Die Message des Stücks ist klar: Gleiche Bildungschancen für alle!
Ein großes Bravo an die Jungs und Mädls von "it's my life". Ihr habt mich begeistert, wie selten jemand zuvor. Die großen Wiener Theater könnten sich eine Scheibe von eurer Leichtigkeit und Coolness abschneiden. Mit eurem Talent steht euch die Welt offen - weiter so!
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sandra selimovic
die ich noch aus meiner arbeit im schauspielhaus kenne, hat vor kurzem auch ein wunderbares stück stationentheater gestaltet. im dritten bezirk wurden die stationen in parks und gemeindebauten in szene gesetzt. eine bearbeitung von jura soyfers "die botschaft von astoria".
äußerst sehenswert! leider schon aus!
die letzte station war ein gasthaus mit musik und anschließendem besäufnis. ein hurra auf das theater!
meint prometheus
tolles projekt! sowas braucht
tolles projekt! sowas braucht jede schule!
Hört sich interessant an!
Hört sich interessant an! Kann man das noch sehen?