Kann ich dich was fragen?



Kann ich dich was fragen?

„Klar kannst du!“ antwortete ich. In dem Moment habe ich mir eine Frage erwartet wie beispielsweise „Wieso machst du dies oder das?“. Aber die Frage war das komplette Gegenteil.

ALS WAS SIEHST DU DICH ?! Als Ägypter oder als Österreicher.

Diese Frage war nicht einfach zu beantworten. Es war keine Frage für die man eine Antwort einfach so aus dem Ärmel schütteln kann. Ich musste echt nachdenken und mich mit dem Thema auseinander setzen.

Bin ich Österreicher?

Dass ich kein waschechter Österreicher bin, sieht man mir sofort an. Ich habe eine etwas dunklere Hautfarbe, schwarze Haare und braune Augen. Aber spätestens wenn man mit mir zu tun hat merkt man, dass ich mithalten kann. Eine durchschnittliche Schulnote in Deutsch habe ich selbstverständlich schon, somit beherrsche ich mal die Sprache mindestens genauso gut wie meine Mitschüler, deren Elternteile  beide aus Österreich sind. Die Kultur kenn ich genauso gut wie, die aus dem Heimatsland meiner Eltern. Auch wenn meine Eltern mir die österreichische Kultur nie erklärt haben, kenn ich sie. Immerhin bin ich in Wien geboren und hier zur Schule gegangen und alles drum und dran.

 

Bin ich Ägypter ?

Meinem Aussehen entsprechend sieht man, dass ich meine Wurzeln in Afrika haben könnte und somit eventuell auch in Ägypten. Die Sprache kann ich leider nur sprechen, das Lesen und Schreiben wurde mir nie beigebracht. Die Kultur kenn ich selbstverständlich auch, einfach weil ich in einer ägyptischen Familie aufgewachsen bin und viele ägyptische Freunde habe. Wie es ist in Ägypten zu leben und wie alles dort so abläuft bekomm ich natürlicherweise ebenfalls mit, immerhin flieg ich jedes Jahr runter und ich bin mit meiner Familie ständig in Kontakt egal ob durch soziale Netzwerke oder das altmodische Telefonieren. 

Die „Ausländer“ Theorie:

Fast jeder kennt diese Theorie. Hier Ausländer, dort Ausländer. Im eigenen Heimatland wird man wie ein Ausländer behandelt und dargestellt. Aber natürlich alles im positiven Sinne, sprich alle sind gastfreundlicher und die ganze Familie gibt immer alles, damit man sich so gut wie möglich wohlfühlt. Zusammengefasst heißt es, man lebt wie ein ausländischer Tourist in der eigenen Heimat.

In Österreich ist es anders. Egal wie gut man sich integriert, wenn man eine anders aussehende Person objektiv einstufen soll, dann ist man sofort  ein „Tschusch“ und so kann es dann mal vorkommen, dass man so behandelt wird. Man wird vielleicht auch mal, von netten Polizisten, nach dem Ausweis gefragt, obwohl man gerade mal 14 ist.

Also komplett wohlfühlen kann man sich weder hier noch dort, weil man immer das Gefühl hat weder hier noch dort dazu zu gehören.

Die Antwort

Eins war klar. Die Frage brauchte eine Antwort. Nach langem Überlegen kamen wir dann auf eine Idee. Wir sind Österreicher, ABER eine eigene Kreation von Österreichern. Wir sind mit 2 Kulturen. 2 Sprachen und 2 Freundeskreisen aufgewachsen. Das heißt, dass wir die doppelte Auswahl haben. Somit nehmen wir uns einfach jeweils die Eigenschaften die uns gefallen und die anderen lassen wir einfach weg. Was berühmt ist für Leute aus dem Nahen Osten ist zum Beispiel das Zuspätkommen, so etwas wird einfach weggelassen und durch Pünktlichkeit getauscht.

Das ist unsere Geschichte, die ich mit euch teilen wollte :)

PS: Als was fühlt ihr euch eigentlich?

4.125
 
 


:)

@amar: Servus :)

Mein ganzes Leben ?! :( hahaha Ich sehs vollkommen als Privileg :D und das beim fußball tu ich seitdem ich klein bin :P :D

@mitch: danke für deine Meinung :) deine 6 Punkte gefallen mir auch :) und interessante story :)

Hey mr. 1731966!:)   Diese

Hey mr. 1731966!:)

 

Diese Frage wird dich dein ganzes Leben lang beschäftigen. Sehe es jedoch als ein Privileg. Ein Privileg mit erweitertem Horizont aufzuwachsen, mehrere Sprachen zu sprechen, Mentalitäten zu unterscheiden und leckeres Essen aus beiden Kulturen zu mampfen!

In 20 Jahren wird dich kaum noch jemand auf der Straße anschauen, weil die Ägypter, Jugos oder Türken von morgen, die Prohaskas und Kadleceks von heute sind!

Und einen Vorteil hast du noch: Wenn dir das ewige Zuschauen bei Fußball-Großereignissen am Wecker geht (Österreichischem Fußballteam sei Dank), kannst du locker zu den Ägyptern halten;)

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