Kennen Sie diesen Mann?

Bild aus dem biber Magazin

Erstmals in der Geschichte leistet sich Österreichs Regierung eine eigene Stelle für Integration. Seit etwas mehr als 100 Tagen ist der 25-jährige Sebastian Kurz Chef-Integrator. Seine Forderungen sind ambitioniert: Deutschsprachige Moscheen, gesündere Zuwanderer, ein weiteres verpflichtendes Kindergartenjahr. Und am wichtigsten:
Leistung, Leistung, Leistung.
Aber was war bis jetzt seine Leistung? Kennen die Migranten ihn überhaupt? Hat auch er sich in den Bezirken der Zuwanderer integriert und kommen seine Botschaften dort an? Eine erste Bilanz aus 25 Stimmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NACHGEFRAGT BEI ...

Kenan Güngör


 

"KEIN SCHLECHTER START"

Den Vorwurf, dass Kurz zu jung und unerfahren ist, und dass es unklug ist, junge PolitikerInnen mit Potenzial unvorbereitet in reißende Politgewässer springen zu lassen, kann man der ÖVP (aber auch anderen Parteien)  nicht ersparen. Die Überforderung lässt junge Politiker und Politikerinnen schnell alt aussehen.  Sebastian Kurz scheint bis jetzt aber eher die Ausnahme als die Regel zu bestätigen.

 

 

 

 

 

Über großes Wissen in Integrationsfragen verfügte Sebastian Kurz bei Amtsantritt nicht – dennoch musste er zu einem
der heikelsten Themen der Politik – Integration und Migration – vom ersten Tag an Antworten und Konzepte liefern.
Schonfrist gab es keine – es hagelte Kritik von allen Seiten. Über seine bemerkenswerte Lern- und Aneignungsfähigkeit
sowie ein politisch-kommunikatives Gespür und Können konnte er das negative Bild in einen Achtungskredit umwandeln.

Die Herkulesaufgabe
Ob er es damit auch schaffen wird, einen Wandel weg von einer populistisch-ausgrenzenden Integrationsdebatte in einen sachlichen Diskurs zu schaffen, bleibt die Herkulesaufgabe schlechthin. Dies kann er jedoch nur über ein klares zukunftsorientiertes Leadership, und einer breiten Kooperation mit Politik, Verwaltung, Wirtschaft, NGOs etc. Hier ist es wichtig, dass er der vorherrschenden Misstrauenskultur und „organisierten Unverantwortlichkeit“,  eine neue sachbezogene Kooperationskultur entgegenhält. Sein bisheriges parteiübergreifendes Agieren und sein offener Zugang  zur einheimischen und zugewanderten Bevölkerung halte ich für den richtigen Weg.


Hier könnte seine Jugendlichkeit vom Nachteil sogar zum Vorteil werden, indem er den alten Zöpfen und Verkrampfungen mit unvoreingenommener Offenheit frischen Wind sowie etwas mehr Lust in der Sache einhauchen könnte.


Integration durch Leistung und RESPEKT!
Mit seinem Leitslogan „Integration durch Leistung“ wollte Kurz die bürgerlich-konservative Mitte einerseits ansprechen und andererseits aufzuzeigen, dass es nicht auf die Herkunft ankommt, sondern auf das, was Menschen leisten und geleistet haben. Kein schlechter Schachzug – doch es fehlt ein weiterer wichtiger Aspekt: Es ist der gegenseitige RESPEKT, was in der Integrationsdebatte der letzten Jahren zunehmend ausgehöhlt wurde, und Integration ohne Respekt funktioniert nicht. Aus diesem Grunde sollte der Leitslogan um die Respektdimension erweitert werden.


Jenseits von Hui und Pfui !
Dabei ist es wichtig, dass er jenseits von „Pfui, alles nur schlecht“ und „Hurra, alles nur toll“ einerseits für die Chancen und Potenziale, die mit der Vielfalt unserer Gesellschaft einhergehen, sichtbar macht. Andererseits aber ein differenziertes Sensorium für die Fragen, Probleme und Anliegen der Alt-Eingesessenen und zugwanderten Bevölkerung entwickelt, ohne diese gegeneinander auszuspielen. Sein bisheriges Auftreten und Anliegen geht in dieser Richtung. Das ist ihm anerkennend anzurechnen.

 


Kenan Güngör, geb 1969 in Dersim, ist ein bekannter Wiener Sozialwissenschafter. Er gilt
als Experte für Integrations-, Diversitäts- und Steuerungsfragen.

 

 

 

von Anna Thalhammer, Daniel Shaked (Fotos) und Philipp Tomsich (Fotos)

Leistung

Der Begriff "Leistung" im Zusammenhang mit der Migrationsdebatte hat aus meiner Sicht einen ziemlich bitterer Beigeschmack: Wer nix leistet kann sich gleich wieder heim schleichen; Zwang zum Deutschlernen (gibts ja eh schon); Frühpensionen für MigrantInnen überhaupt streichen; ... - nur so meine ersten assoziationen, aber kann schon sein, dass ich da etwas paranoid bin ;)

Dazu fällt mir ein Plakat

Dazu fällt mir ein Plakat ein, welches ich erst kürzlich gesehen habe ...

Bilder-Upload.eu - share DEINE Bilder

Login



Aktuelle Ausgabe

 

biber Kolumne

Wiens schärfste Kolumne!
In Ivanas Welt berichten biber-Redakteurinnen Ivana Cucujkić und Ivana Martionović über ihr daily life. 

Empfehlen