Kirche statt Schule
Was sich wie ein Strache - Slogan anhört, ist im Moment Alltag für viele Schülerinnen. In der ersten Schulwoche stehen statt Deutsch und Turnen, Gottesdienste und Messen am Schulplan. Für viele Schülerinnen mit anderen oder gar keinen Religionsbekenntnissen, ist das eine unangenehme Angelegenheit. Nach 2 Monaten Ferien, freuen sie sich endlich wieder ihre Klassenkammeraden zu sehen und wollen nicht gleich zu Hause bleiben, nur weil sie nicht katholisch sind. In der Kirche aber fühlen sie sich fremd, können die Lieder nicht mitsingen und die Gebete nicht aufsagen. Vor allem wenn sich am Ende alle gemeinschaftlich bekreuzigen, wird ihnen schmerzlich bewusst, dass sie nicht dazugehören, dass sie anders sind.
Religion ist Privatsache
Ich frage mich jedes Schuljahr aufs Neue, ist das wirklich notwendig? Religion ist eine Privatsache und hat nichts in der Schule zu suchen. Schlimm genug, dass Österreich, als eines der wenigsten Länder, Religion als Unterrichtsfach für Katholiken anbietet und nicht auf Ethik für alle umsteigt. Da braucht es doch nicht auch noch diese stundenlangen Gottesdienste, bei denen die ganze Schule versammelt wird und nur diejenigen, mit einer anderen Religion fernbleiben „dürfen“. Wie viel deutlicher kann man diesen Schülerinnen denn noch zeigen, dass sie anders als der Rest sind? Ich erinnere mich ungern zurück an meine Schulzeit, wo am Beginn des Schuljahrs unser Name, gleichsetzend mit unserem Religionsbekenntnis, laut vorgelesen wurde: „Melisa, Moment da fehlt ein „s“, Aljo – kurze Pause – wie spricht man das aus? Ah Alevisch. Religionsbekenntnis: Islam. “ Ich bin im September 2001 ins Gymnasium gekommen. In eine Klasse voller neuer Gesichter. Die ganze Schule hat eine Gedenkminute zum 11. September 2001 gehalten, na ihr könnt euch vorstellen, wie gut ich da angekommen bin, mit meinem Religionsbekenntnis: Islam.
„Du bist dumm, weil du Moslem bist.“
Aber zurück ins Schuljahr 2012. Nichts hat sich geändert. Meine kleine Schwester kommt traurig nach Hause, sie wusste nicht, ob sie sich beim Gottesdienst bekreuzigen darf. Alle haben sie erwartungsvoll angeschaut, bis ein Mitschüler sagte: „Lasst sie, die ist islamisch.“ Mit ihren 11 Jahren hat sie diesbezüglich schon viele negative Erfahrungen gemacht. Einmal ist sie ein Mitschüler angegangen: „Du bist dumm, weil du Moslem bist. Euer Mohammed war ein schlechter Mensch.“ Alle haben gelacht und die Religionslehrerin hat weggeschaut.
Nun frage ich mich, wann wird das endlich aufhören? Werden meine Kinder noch dasselbe Schicksal erleiden müssen wie ich? Es ist längt an der Zeit, dass sich was ändert. Religion und Schule sollten getrennt werden. Ethik sollte für alle eingeführt werden. Lasst die Kirche im Dorf - in der Schule hat sie nichts zu suchen.
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unfreiwilliges Pflichtprogramm
"...können die Lieder nicht mitsingen und die Gebete nicht aufsagen." - das können die "katholischen" Kinder auch nicht. :D
Es ist eher ein unverständliches-vor-sich hin-murmeln gefolgt von Amen. Und das wars. Ich weiß ja nicht, wie die Kinder heutzutage so drauf sind, aber zu meiner zeit haben wir nur faxen gemacht und von der Messe nichts mitbekommen.
Also bitte...
"Kirche statt Schule" könnte ein Strachespruch sein? Lächerlich! Erstens reimt sich der nicht und zweitens sollte man wissen, daß die FPÖ eine antiklerikale Partei ist. Wenn Strache ab und an mit christlichen Symbolen hantiert, dann nur, weil er gegen den Islam mobilisieren will, und nicht, weil er ein wahrer Christ ist.
Außerdem verstehe ich nicht, was jetzt so schrecklich daran sein soll, wenn dreimal im Jahre (Schulbeginn, Weihnachten, Schulende) eine katholische Messe besucht wird. Die Nichtkatholiken müssen da ja nicht mitgehen, obwohl die meisten in unserer Schule mitgingen. Wird da schon wieder eine "Ich-bin-so-ein-armes-Opfer-weil-die-bösen-Österreicher-so-voll-ganz-böse-sind-und-sie-nicht-akzeptieren-wollen-dass-ich-ein-islamistischer-Integrationsverweiger-bin"-Masche abgezogen?
es geht hier nicht um opfer
es geht hier nicht um opfer sein wollen, sondern um wahre kränkung und ausgrenzung, weil man nicht der religionsmehrheit angehört. kinder, und vor allem junge teenager schmerzt soetwas besonders.
es geht auch nicht um islamistische integrationsverweigerer, sondern um kinder, die in der schule ihre identität entwickeln und durch stigmatisierung daran gehindert werden bzw. gestört werden.
und, wenn messen und religionsunterricht, egal welcher religion, dazu beitragen, dass ausgrenzung passiert, dann sollte sie wenigstens mal in der schule abgeschafft werden. die kinder sollen was gscheites lernen, nicht wie ausgrenzung funktioniert. glauben können sie privat und unter gleichgesinnten.
nö, wird nicht abgezogen. ich
nö, wird nicht abgezogen. ich bin deutschlehrerin und keine integrationsverweigerin und spreche aus erfahrung. da ich aber über eine ziemlich gute menschenkenntnis verfüge, glaube ich, dass eine diskussion mit dir diesbezüglich nicht sinnvoll wäre. also denk' doch was du willst, srpski_fih.
Also ich hab das noch nie so
Also ich hab das noch nie so gesehen - ich war auch immer froh, dass ich früher kommen oder früher gehen konnte^^ oder halt Freistunde hatte. Hab auch noch nie jemanden sagen hören, dass er/sie sich jetzt ausgeschlossen fühlt.
Hm ich hätte sehr gerne Ethik-Unterreicht gehabt.
Ich sehe das nicht so dramatisch - immerhin muss man ja nicht zu diesen Gottesdiensten und überhaupt zum Religionsunterricht. Außerdem gibt es ja auch Religionsunterricht für alle anderen Religionen. Katholiken müssen ja den Religionsunterricht besuchen, damit sie gefirmt werden können, ge? Und da die offizielle Religion Österreichs auch der Katholizismus ist, ist das auch in Ordnung, dass es an den Schulen katholischen Religionsunterricht gibt.
Aber die ideale Lösung wäre: Ethik-Unterricht für alle vormittags und katholischer Unterricht nachmittags(so wie die anderen Freifächer)
Der Lehrerin deiner Schwester gherat ja ... argh
P.S.: Ich wollte im Gymnasium unbedingt mal bei einer Religionsstunde dabei sein - ich wurde aber rausgeschmissen, weil ich zu viele Fragen gestellt hatte haha Frechheit!
finde nicht, dass "da die
finde nicht, dass "da die offizielle Religion Österreichs auch der Katholizismus ist, ist das auch in Ordnung, dass es an den Schulen katholischen Religionsunterricht gibt." gerechtfertigt ist. ich stelle mir gerade vor, wie es dann in bosnien wäre? aber gut, um beim thema zu bleiben, fakt ist, dass religion und staat getrennt werden müssen, wieso dann nicht auch religion und schule. wie gesagt, in anderen ländern ist diese trennung vorhanden, österreich ist rückständig was das angeht und nur weil es immer schon so war, heißt das nicht, dass es sich ändern muss.
der religionsunterricht für andere religionen findet immer nachmittags statt und oft sogar außerhalb der schule, das kannst du also nicht vergleichen mit dem regulären katholischen reli-unterricht.
ja, die gottesdienste sind nicht verpflichtend. aber wenn deine ganze klasse hingeht, nur du nicht, ist das sehr wohl ein exklusionsmechanismus und meiner meinung nach, institutionelle diskriminierung!
Man muss sich auch bewusst
Man muss sich auch bewusst sein, dass es am meisten katholische Leute hier gibt, deshalb gibt es den Unterricht dazu auch regulär und direkt an der Schule. Aber ich hab schon geschrieben was ich als Lösung sehen könnte.
Ich weiß nicht in welche Schule deine Schwester geht aber bei dem üblichen "Ausländeranteil" an Wiens Schulen ist es ja so gut wie unmöglich, dass "deine ganze klasse hingeht, nur du nicht".
Es können alle mitgehen, die möchten, Wenn du als Moslem nicht in eine Kirche reinwillst, dann ist das doch deine Entscheidung. Warum fühlt man sich dann diskriminiert? Man weiß doch wohl was man ist.
dessen bin ich mir - und auch
dessen bin ich mir - und auch alle anderen pädagogen, die die abschaffung des religionsunterrichts fordern -durchaus bewusst. es ist viel komplexer als man sich vorstellt. als angehende lehrerin, weiß ich wovon ich spreche. und ja, meine schwester ist tatsächlich die einzige in ihrer klasse, die da am dritten tag nicht hingegangen ist.
natürlich weißt du als erwachsener mensch, was du bist. aber kinder und teenies wissen das noch nicht. wie gesagt, ich erlebe tag für tag in der schule, wie stark nicht-katholische schülerinnen ihr "anders-sein" durch den reli-unterricht erleben.
und just for the record, dasselbe fordere ich für islamische länder. in der türkei werden schule und religion auch strikt getrennt.
Die Trennung von Schule und
Die Trennung von Schule und Religion existiert in der Türkei noch weniger als in Österreich, obwohl die Türkei als "streng laizistisch" (so ein Quatsch) gilt. Bist schon ganz eingenebelt von der Erdogan-Propaganda, oder wie?
als ich noch in die
als ich noch in die Volksschule ging, mussten wir jeden Morgen vor dem Unterricht ein katholischen Lied aufsingen. Zum Glück weiß ich heute nicht mehr wie es ging. Der nächste Schritt war, dass die nicht mitsingen müssen, die nicht röm.kathol. sind - dann bin ich mit vereinzelt anderen gesessen, während die katholischen standen und sangen. Ich weiß nicht mehr wie lange es gedauert hat, aber ich glaub es war erst in der 3. VS-Klasse, dass dieses Gesänge endgültig gelassen wurde.
Für mich gab es erst bei einer Taufe ein gemeines Erlebnis, dass mich sehr gekränkt hat. Freunde meiner Mutter tauften eben ihr kleines Baby und gingen am Ende nach vor zum Pfarrer, um sich ihr Brot - diese komische Oblate - zu holen. Ich wollte immer schon wissen wie das schmeckt und ging auch dorthin. Ich war höchstens 9 Jahre alt.
Ich steh also vor diesem Pfarrer und halte meine Hände demütig auf, um auch eins davon zu kriegen. Was macht er? Er fragt mich: "Bist du katholisch?" - "Nein." - "Bist du getauft?" - "Nein." - "Gehst du in den Religionsunterricht?" - "Nein." - "Dann kriegst du auch kein Leib Christi." Und schickte mich weg. Seitdem kann mich jegliche katholische Veranstaltung mal :D
Und ja, ich finde auch, dass Religion Privatsache sein soll und ein allgemeiner Ethikunterricht eingeführt werden soll, worin die Kinder jede Kultur nähergebracht wird, um ein besseres Verständnis füreinander zu schaffen.
ich kenn das gefühl. aber ich
ich kenn das gefühl. aber ich habs immer positiv gesehen: ich durfte immer später aufstehen. ;) am montag habe ich meinen kleinen cousin zu seinem ersten schultag begleitet und er konnte auch später aufstehen als seine anderen schulkameraden, weil die alle zur kirche gingen. dann kam ein bekannter meiner tante, dessen kind übrigens auch nicht katholisch ist, er es aber trotzdem in die kirche schickt. "also ich finde das nicht richtig, denn du grenzt das kind ja dann aus. ist doch wurscht, soll er sich das anhören, was ist dabei" und "in der schule ist der reli-unterricht dann keine grenzstunde und das kind muss däumchendrehend da sitzen und in die luft schauen". ich hab ihm dann fein erklärt, dass das ein bildungspolitisches problem ist und dass ICH auch nicht in den reli-unterricht gegangen bin. wieso auch? außerdem waren alle neidisch auf mich, weil ich freistunde hatte. :D aber ich werde nieee vergessen, als mich die religionslehrerin der volksschule überreden wollte, dass ich doch auch in den unterricht gehen soll. sie wollte mich richtig manipulieren die alte hexe, meinte, "tja dann seid du und m. die einzigen, die nicht dabei sind" in einem total unguten ton.
arge lehrerin!! bei meiner
arge lehrerin!! bei meiner schwester war es gestern so, dass der pfarrer vor der gesamten schule gesagt hat: "..ja und die moslems unter euch müssen jetzt nicht mitmachen, weil dass ist für sie nämlich eine beleidigung gott so anzubeten, sie müssen auf die knie gehen und ihren gott so anbeten." und na klar, aufgelegt für alle, wenden sie die klassenkammeraden meiner schwester zu und feuern sie an, sie solle doch auf die knie gehen, gefolgt von großem gelächter.