Kosovo: Ein Engel in Uniform

Bild aus dem biber Magazin

Sie ist Österreichs einzige muslimische Kadersoldatin und bewacht im Kosovo das serbisch-orthodoxe Erzengelkloster „Svet Arhandjela“. biber flog in die ehemalige Kriegsregion, um Melek Yapakci an ihrem Arbeitsplatz zu besuchen. Ein Lagebericht aus dem „Camp Casablanca“.

 
Irgendwie verdreht: Diese junge Türkin trägt eine Waffe und kämpft in Uniform. Beim österreichischen Bundesheer. Junge Machos müssen für sie putzen und zu Hause sitzt ein Mann, der darauf wartet, dass seine Frau aus dem Auslandseinsatz heimkehrt.

Für die 23-jährige Melek Yapacki ist das ganz normal.
Ursprünglich wollte Melek (das bedeutet Engel) zur Polizei, aber dort bekam sie von einem desinteressierten Beamten nur die Auskunft, dass man keine Migranten aufnehmen würde. „Also hab’ ich mich zum Entsetzen meiner Mutter beim Heer zu den Jägern gemeldet. Wenn dann gleich gscheit“, sagt die Wienerin lachend. Normalerweise ist Wachtmeisterin Yapakci im Burgenland stationiert, wo sie junge Rekruten ausbildet. „Manchmal, da hab’ ich so junge Macho-Türken, die glauben, sie müssen sich von mir nix sagen lassen. Denen zeig’ ich als Erstes, wie man einen Boden wischt und ein Klo putzt. Das hat bis dahin eh die Mama gemacht, jetzt können sie helfen“, grinst Melek verschmitzt. „Gefallen lässt sich diese Frau gar nix und ist männlicher als manche ihrer Kameraden“, sagen ihre Kollegen. „Die ist knallhart.“

Klosterschwester
Weil es immer noch ein bisschen härter geht, leistet Melek derzeit ihren sechsmonatigen Auslandsdienst im Norden des Kosovos ab, wo sie gemeinsam mit den Truppen der KFOR an vorderster Front für den Erhalt des Friedens kämpft.


Der Krieg  im Kosovo 1998/'99 (siehe Kasten) war zwar nur ein kurzer, dafür aber sehr blutiger Krieg. Die Wunden in der Bevölkerung sind immer noch tief. Noch wie vor kommt es zu Vorfällen zwischen Kosovo-Albanern, die zum Großteil muslimisch sind, und der serbischen Minderheit.
Die letzten großen Unruhen gab es im Jahr 2004,
als auch das serbisch-orthodoxe Erzengelkloster
in Prizren niedergebrannt wurde, wo Melek derzeit ihren
Dienst verrichtet. Das Kloster hat vor allem große
symbolische Bedeutung,
weil es als Wiege des serbisch-orthodoxen Glaubens gilt.

Melek hat kein Problem damit, das Gotteshaus eines anderen Glaubens zu schützen.
„Im Koran lässt sich nirgendwo finden, dass Krieg wegen einer Religion geführt werden darf. Der Islam akzeptiert eigentlich alle Propheten. Auch wenn es nicht die unseren sind. Ich kämpfe hier an der Seite vieler Religionen für den Frieden und bleibe unparteiisch. Das ist auch wichtig, sonst kann man meinen Job nicht machen“, sagt sie.

Lagerkoller Wenn sie nicht gerade das Kloster bewacht, schiebt Melek Dienst im „Camp Casablanca“, dem KFOR-Stützpunkt der Österreicher und Schweizer. Melek ist Soldatin in der Alfa-Kompanie, der Infanterie des Bundesheers. Ihr Tag beginnt um acht. Dann fährt sie Patrouille, bewacht das Camp oder übt mit ihren Kameraden für den Kampfeinsatz. Meistens ist das Leben im Camp eher ruhig und nach ein paar Monaten schon mal langweilig. Zwischenfälle werden immer seltener, dennoch kann jederzeit etwas passieren und dafür muss Melek gewappnet sein.
Ein Auslandseinsatz war immer ihr großer Traum, aber nach sechs Monaten freut sie sich auf das nahende Ende.
„Jetzt mach ich mal einen Shopping-Urlaub in Istanbul. Da lass’ ich mir gscheid die Nägel machen. Und Ende März geht’s zurück nach Österreich. Ihr könnt’s gar nicht glauben, wie sehr ich mich auf eine Sachertorte freu’.“



Foto: Günter Farcher

KFOR
Camp Casablanca

Für die militärische Sicherung sorgt die KFOR (Kosovo Force) unter der Leitung der NATO. 8700 Truppen aus 32 Ländern wurden entsandt, um beim Wiederaufbau der Region zu helfen. Das österreichische Bundesheer ist seit 1999 mit ca. 400 SoldatInnen im „Camp Casablanca“ im Norden des Kosovo nahe Suva Reka vertreten.

Verdienst
Der Auslandseinsatz ist vor allem wegen der guten Bezahlung beliebt. SoldatInnen ohne Chargengrade verdienen bis zu ca. 3300 Euro brutto. Melek Yapakci ist Unteroffizierin und bekommt monatlich 4500 brutto. Neben den österreichischen SoldatInnen ist die KFOR vor allem für Einheimische ein beliebter Arbeitsplatz: Locals arbeiten hinter der Bar, in der Küche oder in der Wäscherei. Ein Arbeiter verdient hier ca. 350 Euro. Das sind 100 Euro mehr als der durchschnittliche Lohn im Kosovo.


Der Kosovo-Krieg
Der Kosovo war eines von zwei autonomen Gebieten innerhalb Serbiens im Rahmen der Sozialistischen Föderation Republik Jugoslawien. Bereits in den 1980er-Jahren gab es Bestrebungen, den Kosovo in den Status einer Republik zu erheben. Als der damalige Präsident Slobodan Milosevic 1989 den Autonomie-Status aufhob, um die Rechte der Serben zu stärken, kam es immer häufiger zu Unruhen, die dann in einem Krieg 1998/'99 eskalierten. Albanische UCK-Milizen kämpften gemeinsam mit einer NATO-Koalition gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Die Intervention der NATO erfolgte ohne Einwilligung der UN als Reaktion auf Menschenrechtsverletzungen der jugoslawischen Sicherheitskräfte gegen die mehrheitlich albanische Zivilbevölkerung. Jugoslawien seinerseits beklagte die Abspaltungstendenzen und die Guerilla-Methoden der UCK. Ergebnis: Eine UN-Verwaltung wurde in der Provinz eingerichtet, gleichzeitig aber auch die Zugehörigkeit zu Jugoslawien bestätigt. Vor drei Jahren hat sich der Kosovo für unabhängig erklärt.


EIN KLEINES LAND RÄUMT AUF

Am 17. Februar feierte der Kosovo den dritten Unabhängigkeitstag. Ein Rundgang durch die Altstadt von Prizren.

Prizren zeigt sich von seiner besten Seite. Die Straßen wurden saubergefegt, die Müllhalden sind weitgehend verschwunden. Überall jubelnde und feiernde Menschen, die sich in Schale geworfen haben. Die Häuser und Straßenpfosten sind mit Flaggen geschmückt. Hupende Autos mit feiernden Menschen fahren ihre Runden.
Vor drei Jahren hat sich der Kosovo für unabhängig erklärt, bis heute wird dies nur von 75 von 192 UN-Mitgliedsstaaten anerkannt.
Und was bedeutet das eigentlich für die Bevölkerung? „In erster Linie sind wir nicht mehr Teil Serbiens, das ist das Wichtigste. Und was die Zukunft bringt? Keine Ahnung!“, sagt uns ein Fahnenverkäufer. Wir trinken noch einen Kaffee und machen uns wieder auf den Weg zurück ins Camp.



Phönix aus der Asche
Auf dem Weg dorthin sehen wir Neubauten, so weit das Auge reicht. Ein Mann sammelt Müll am Straßenrand. Vereinzelt haben sich große internationale Firmenhäuser angesiedelt. Jeder zweite Bau trägt einen Namen, in dem „Europa“ vorkommt.
„Es gibt noch viele Baustellen und viele bitterarme Menschen. Auch Korruption ist natürlich ein Thema. Es ist aber nicht so, als würde nichts passieren. Wenn man sich das vor ein paar Jahren angeschaut hat und jetzt, sind da Welten dazwischen“, sagt Padre Alexander, der Militärpfarrer im „Camp Casablanca“. „Eigentlich hat der Kosovo viel Potenzial, viele Rohstoffe, sie schaffen es nur noch nicht ganz, dieses Potenzial auf Schiene zu bringen. Nachdem die größte Not vorbei ist, ist es nun wichtig, Geld in nachhaltige Projekte zu stecken, damit die Wirtschaft anläuft. Bis jetzt ist sehr viel Geld in dieses Land gesteckt worden, aber niemand hat sich wirklich einen Plan überlegt, wohin das führen soll. Der Output lässt noch auf sich warten.“

 

 

von Anna Thalhammer und Reinhard Lang ( Fotos)

Angst zu Bücken?

@MemphiS: Es ist nicht in jeder Kaserne gleich und Frauen werden durchaus genau so gewetzt wie die Kerle.
Du gefährdest deinen Zug im Kampfeinsatz, wenn du nicht genau so ausgebildet wirst wie jeder andere. Denkst du ein Angreifer nimmt Rücksicht darauf ob er nun eine Frau erschießen muß oder nicht?

Meine Zeit im Bundesheer habe ich sehr genossen, sie war gemütlich, nett und nicht so hart wie die, ähm, Ausbildung vor dem Bundesheer - und im Heer hatte ich in der Dusche keine Angst davor mich zu bücken und alleine Duschen durfte ich mich auch, wenn ich am Abend wollte.

Hast du das alles was du da

Hast du das alles was du da geschrieben hast in deiner 6 Monatigen Bundesheer "KARRIERE" festgestellt?? Wenn Ja dann wurdest nicht so RICHTIG wie ein MANN gewetzt worden!!! Falls dir der Begriff was sagt ;)

Und wenn du schon von Ausbildungen redest wieviele hast den schon hinter dir das du der Meinung bist "das die Ausbildung, für die Frau leichter und diskriminierender und für den Mann eine Verarsche ist!!!

lg kommt von unten ;)

ich finde frauen haben im

ich finde frauen haben im bundesheer nichts zu suchen solange keine 100% gleichstellung gibt..

sie haben eine leichtere ausbildung.. ist eigentlich diskrimierend für die frau und verarschung für den mann..

die damen geniessen ein flexibeleres bewertungssystem schaffen sie die geforderten ergebnisse nicht wird ein auge zu gedrückt, mann fällt durch..

mann muss sich 10 männerarsche in der dusche anschauen hat angst sich zu bücken.. frauen duschen alleine haben einzel zimmer (so war das bei mir in der kaserne)..

da würde ich auch lachen wie dame auf dem foto...

.

Das ist einfach ein Blödsinn...

Ich hab sowohl Frauen als auch Männer in der Ausbildung gehabt... Es gab keine Unterschiede... Sie haben sich gleich verhalten und wurden auch gleich behandelt...

Aber, wäre es nicht irgendwie Paradox Frauen vom Bundesheer auszuschließen um - ohne sie? - eine 100% Gleichstellung zu erreichen? Da passt was nicht, oder?

Den einzigen Unterschied gabs zwischen den normalen Auslbildnern und diesem Jagdkommando-Korporal-Psycho den ich leider erwischt habe... Der war echt extrem hart drauf - wobei er noch behauptete, er wäre für uns runtergefahren mit der Ausbildung, weil wir alle kleine Schwuchteln wären... Najo.

Jagdkommando-Korporal-Psycho

Jagdkommando-Korporal-Psycho
das kommt mir leider sehr bekannt vor...

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