Lauda: „So lange du unter meinem Dach lebst, wird nicht schwul umadumgetanzt!“



Der liebe Herr Lauda war ja in der letzten Zeit nicht mehr so oft in den Medien - unpraktisch für einen Geschäftsmann. Was könnte man da tun? Naja, ein paar kontroverse Aussagen zusammenwürfeln, einen Schuss altösterreichischen Chauvinismus dazu und voilà, die Berichterstattung boomt wieder.

Die beste Art, die Sinnlosigkeit, Lächerlichkeit und Borniertheit seiner Statements vollkommen zu begreifen ist, sich folgende Zitate zu Gemüte zu führen:

Ich bin empört, dass sich der öffentlich-rechtliche ORF, der ja von unser aller Gebühren finanziert wird, aus reiner Quotengeilheit dafür hergibt, schwules Tanzen zu propagieren.

Ich will nicht, dass meine Kinder im ORF sehen, dass ein Mann mit einem Mann tanzt – und dass sie glauben, das nachmachen zu müssen.

Es tanzt ja nirgendwo ein Mann mit einem Mann – in keiner Disco, auf keinem Ball...

Ich will nur nicht, dass Kindern und jungen Leuten ein völlig falsches Rollenbild beim Tanzen vermittelt wird.

Es gibt so was wie gute Traditionen in unserer Kultur – dazu gehört, dass Männer mit Frauen tanzen.

So, nach einer kurzen Pause zum Durchatmen kommen wir jetzt zum Kommentar. Das erste, was mich so stört, ist diese unaufhaltsame, nervenaufreibende und wahrlich müßige Diskussion um Traditionen. Was ist denn bitteschön WIRKLICH der Wert an einer Tradition? Eine Tradition ist ein Verhaltensmuster, dass sich über mehrere Jahre hinweg hält. Und siehe da: Traditionen sind vergänglich. Früher haben wir unsere Frauen an den Haaren in die Höhle gezogen, ihnen eins mit der Keule übergebraten und sie dann geschwängert. Das war Tradition. Heißt das, dass es zu erhalten ist? Nein. Es gab Zeiten, da war es Tradition, sich (selbst als Adeliger) ein paar Monate lang nicht zu waschen. Nur weil etwas IRGENDWANN mal Tradition war, bedeutet das nicht, dass dies eine Existenzberechtigung für die Handlungen ist. Traditionen sind an Gesellschaften gekoppelt, und Gesellschaften befinden sich im ständigen Wandel. Get over it.

Das nächste Witzige ist, dass Herr Lauda offenbar nicht sehr viel über die jetzige Kultur und die jetzigen TRADITIONEN weiß. Er meint, NIRGENDS, in keiner Disco, tanzen Männer miteinander. Wie oft geht er in eine Disco? Weil wenn er es nur ein Mal machen würde, dann würde er sehen, dass nicht nur schwule Männer wirklich miteinander tanzen, sondern auch Heten begeistert auf Tanzflächen springen, wenn „Bohemian Rhapsody“ von Queen erdröhnt. Mit Bier in der Hand und Kumpel im Arm wird dann abgeshaked. Und traditionelle Tänze, bei denen NUR Männer miteinander tanzen, gibt es zuhauf, überall, in jedem Land. Vom Volkstanz zur Folklore am Balkan. Also kennt sich der Lauda sowieso ned mit Tradition und Tanz aus. Für diesen Fall gilt eines: Wenn ich mich nicht auskenne, sollte ich lieber meine Klappe halten.

Dann kommt noch irgendein Mist über Rollenbilder und seine Kinder. Na gut. Rollenbilder waren ja immer was gutes, gelt? Frauen an den Herd, Männer in die Kneipe ans Biertschi, nicht wahr? Ach, waren das noch Zeiten, als diese Rollenbilder ganz klar und deutlich waren. Seufz! Lauda will außerdem nicht, dass seine Kinder schwul tanzen. Ergo will er nicht, dass seine Kinder schwul werden. Schwul werden können sie beispielsweise durch ORF-Sendungen wie Dancing Stars. Interessanter Gedankengang, Herr Lauda. Welche Sendungen sich der Haider wohl im ORF angeschaut haben muss, dass er jetzt so eine Tunte ist!

Ich habe das Gefühl, dass sich der Lauda zu einer unterhaltsamen Persönlichkeit entwickelt. Keiner fragt ihn oder interessiert sich ernsthaft für seine Meinung, er hat aber offenbar das Bedürfnis irgendeinen undurchdachten Müll von sich geben. Klingt für mich nach Senilität. Und wie witzig senile Omas und Opas ist, weiß doch jeder.

Das größte Problem an der Sache ist, dass es nicht einfach komplett normal aufgefasst wird, dass der Haider mit einem Mann tanzen will. Eigentlich sollte so etwas im 21. Jahrhundert nicht mal eine Meldung sein. Soll jeder tanzen mit wem er will. Und Dancing Stars wird dadurch auch nicht gerettet.

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@olja alvir es gab keine

@olja alvir

es gab keine männlich homo schwulere gesellschaft als die es im dritten reich gab.nur eben versteckt.
und heute ist die gesellschaft auch fast latent männlich schwul.
alle machen das um aufzufallen das stimmt!
vorallem das verstecken des outings das outing typisch männlich!vielleicht seine eigenen wünsche sich zu seinesgleichen hingezogen zu fühlen und es deshalb zu verneinen!

hast mal über einen anderen grund nachgedacht?

lauda hat einen neuen käppchensponsor und sein vertrag wird nach seiner medienpräsenz bezahlt. je öfter er also in einer zeitung zu sehen ist desto lauter klingelt bei ihm die kassa. klingelts jetzt auch bei dir ;-)))

sooooo funktioniert die

sooooo funktioniert die werbebranche also.
homophobe aussagen vom werbeträger = gut fürs unternehmen
stimmt, macht sinn

...hmm, eigentlich nicht

vielleicht schon. um ehrlich

vielleicht schon. um ehrlich zu sein, glaube ich, gibt es LEIDER noch immer weitaus mehr menschen, die mit homophoben sympathisieren als mit homosexuellen. ich kann mir gut vorstellen, dass sich seeehr viele leute insgeheim oder auch öffentlich denken: a der niki lauda, der hat noch a gute einstellung, und hält an den alten werten fest und blabla (keine ahnung, was die alles noch so denken, da ich echt nicht zu dieser gruppe gehöre).. jedenfalls, geschäftsschädigend war die aussage, traurigerweise, wahrscheinlich nicht..

++++

:D

hat sich...

...NikiNazionale beim lifeball vor ein paar jahren nicht auch irgendwelche abwertende kommentare geleistet? ich weiß nicht mehr, aber es ging, glaube ich, um schwule paare...kann mich nicht mehr erinnern. auf jeden fall genoss er danach viel aufmerksamkeit durch die medien....

er hatt sich darüber

er hatt sich darüber aufgeregt das im economy berreich des life balles schamlos herumgepoppt wird. und das es nicht der aufklärung über aids dienlich ist wenn soetwas passiert. mehrere hatten das kritisiert. selbst der gerry. deswegen versuchen sie seit 2 jahren die themen etwas weniger aufreizend zu gestalten.......

beim tanzen stellen sich aber jetzt noch ganz andere feministische fragen! wieso soll der mann immer führen? das ist doch auch eine scheiss tradition und sollte von den achselhaaren verfächtern niedergerissen werden! ;)

+++

klingenscharf, dein kritischer blog!

anmerkung: vielleicht stört den lauda ja die omnipräsenz vom lugner und er will jetzt auch in aller munde sein?

Stimmt.

Wahrscheinlich ist er eifersüchtig. Was könnte er denn noch machen, um aufzufallen? Wie wär’s mit dem klassischen „Unterm Hitler hätt’s des ned gegeben!“ oder vielleicht eine eigene Realityshow bei ATV?

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