Lob für die Zivilcourage, die ich nicht hatte



Es ging alles so schnell.
Du gehst am Urban-Loritz-Platz vorbei, hörst irgendwelche älteren Herren rumschreien und denkst dir nichts dabei. Eh typisches Bild auf einer Parkbank. Die Bierdosen sind daneben, Männer fuchteln temperamentvoll mit den Armen hin und her und scheinen eine heiße Auseinandersetzung zu führen.

Der vorbeigehende Passant schüttelt dabei nur den Kopf und geht weiter. Auf einmal eskaliert die Situation. Es kommt zu Handgreiflichkeiten. Der eine stößt den anderen Weg, der andere macht provokante Boxbewegungen ins Leere und will seinen Gegner anscheinend herausfordern.

Aus der Dränglerei wird mehr. Ich schon fast vorbei an der Szene, sehe eine junge Frau zu ihnen laufen. Sie sah den Konflikt aus der Ferne und eilt zur Hilfe. Wie allerdings soll man helfen? Sie als Frau auseinander bringen? Die Männer sehen tatenlos zu, vor allem, wie die junge Frau versucht nachzufragen, was denn los sei.

Der Angreifer versucht ihr zu erklären, völlig besoffen, was sein Gegner ihm gesagt haben soll. Der Gegner verteidigt sich auch, indem er der vermittelnden Frau irgendwelche Gesten macht. Scheinbar brachte die verbale Wiederholung  des Konflikts die Männer noch mehr in Rage, wo der eine oder andere Schlag folgte.

Die junge Frau blieb fassungslos stehen, andere eilten dazu, vor allem jüngere Menschen, aber auch ein Kebapstandbesitzer, der die zwei immer härter schlagenden Männer auseinander bringen wollten.
Und dann kommt es zum Eklat. Der eine liegt bereits am Boden, als der andere sich runterbeugt und mit voller Wucht mit Fäusten auf sein Gesicht einschlägt. Der Verlierer dieser Straßenschlacht versucht sein Gesicht mit den Händen zu schützen, als sich sein Gegner aufrichtet und ihm einen Fußtritt mitten ins Gesicht verpasst.

Die Menschenmasse um sie herum ist fassungslos. Die Junge frau versucht ständig zu vermitteln, aber bereits zu spät.
Der Mann liegt regungslos am Boden. Der Schläger bewegt sich zurück Richtung Parkbank, wo er sich wieder zu den anderen der Kumpels hinsetzt und zusieht, wie sich die Passanten um den Verletzten kümmern.

Was weiter geschehen ist, weiß ich nicht. Aber meine Bewunderung und gleichzeitig ein Unverständnis für die junge Frau, die zur Hilfe eilte.
Das Bild der besoffenen streitenden Männer war schon abschreckend genug für mich, um mich überhaupt in ihre Nähe zu begeben.
Dann die Angst, selbst von einem alkoholisierten Mann zur Seite gestoßen oder geschlagen zu werden, die mein zurückhaltendes Verhalten dominierte.
Vor allem zeigte die Situation eines - sie wollte helfen, schaffte es aber nicht die groben Verletzungen des Mannes zu verhindern, weil sie nichts daran zu hindern schien mit der Gewalt aufzuhören.

Ich würde mich nicht als Frau zwischen zwei gewalttätige Männer stellen. Einer Frau oder einem Kind zu helfen, andere zu motivieren einzugreifen, ja und dann auch situationsabhängig, da man die Gefahr für sich auch einschätzen muss.

Aber bei diesen Typen schien nichts zu helfen, bevor der eine am Boden lag und der andere relaxt und ohne Räue zu seiner Bierdose und der Parkbank zurückging.

4.666665
 
 


helfen ist schon wichtig, aber

ich bin mir sicher, daß die beiden kontrahenten schon bald wieder auf der parkbank in friedlicher eintracht ihren "alk" in sich hineinschütten als wäre nix gewesen.
nicht untypisch bei solchen leuten.
jetzt stellt dir vor du mischt dich ein und wirst dabei verletzt.
egal ob du dann leicht oder schwer verletzt bist, es wäre doch eine verhöhnung dort nochmal vorbei zu gehen und die dann dort sitzen zu sehen.
es klingt jetzt zwar hart, aber ich hätte in diesem fall genau so wie du reagiert wie du, nämlich daß die trunkenbolde sich ruhig kloppen sollen.
selbstverständlich gibt es es situationen wo man aus gründen einer berechtigt begründeten zivilcourage eingreifen muß.

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