Mehr Kohle für Tote, als für die Lebenden!
Mein letzter Bosnienurlaub war ernüchternd. Die Anfangsfreude, als ich die Grenze überschritt und mich daheim fühlte, hielt nicht lange. Es war zwar dieses Gefühl, wie es viele beschreiben, zu glauben eine andere Luft zu schnuppern. Aber schnell merkt man, dass man alten Kindheitserinnerung nachjagt, sich aber vieles seit damals verändert hat.
Der Krieg hat es verändert. Nicht nur das Land, sondern auch die Leute.
In meiner Stadt wird vieles gebaut. Ich fahre an einer Straße vorbei, wo mein Vater auf ein Gebäude zeigt, welches angeblich mal eine Fakultät werden soll.
Eine Fakultät in unserer Stadt, wo wir nicht mal eine Ampel haben?
Dann fahre ich am Fußballstadion vorbei und überlege, wie viel Geld an Entwicklungshilfe für Bosnien da reingeflossen ist. Hauptsache Fußball wird gespielt. Und die Leute,die mit Fußball nichts am Hut haben, jammern, dass sie keine Arbeit haben und fast am Rande des Ruins stehen.
Wenn das Österreich wär, dachte ich, dann könnte man sich mit seinen 4 Kindern zumindest auf das Kindergeld verlassen. Wenn das Österreich wär, dann könnte man zumindest auf das Arbeitsamt gehen und auf eine Arbeit warten, während man zumindest etwas an Arbeitslosengeld bekommt.
Und wär das Österreich, dann könnte man mit seiner E-Card zu Arzt gehen und müsste nicht in Bar blechen.
Nein! Kein Kindergeld, kein Arbeitsamt, welches zahlt, keine Sozialversicherung, wenn man sich die nicht selbt zahlt. Und die kann man sich auch nur leisten, wenn man hakelt und genug Geld für so einen Luxus hat. Sonst muss man beim Arzt pro Behandlung ca. 50 K-MARK – umgerechnet 25 Euro zahlen. Wenn nicht mehr. Und wenn man bedenkt, wie viel die Leute Geld bekommen, ist da schon ne Menge Kohle weg.
Wenn meine Oma also 200 KM Pension bekommt, wie oft kann sie dann zum Arzt gehen?
Das Land ist also weit entfernt davon, wie das sichere Österreich zu sein.
Die, die an höheren Positionen sitzen und von irgendwo her Geld beziehen, geben es nicht an die weiter, für die es bestimmt ist, sondern stecken sich so einiges ein. Das ist meine Behauptung. Wie kann man sich sonst die Riesenhäuser mancher Leute unten erklären, die an Luxus nicht zu übertreffen sind.
Einige scheinen echt gute Beziehungen zu haben. Man munkelt, dass manche Leute nicht nur einmal eine Kriegsentschädigung für ihre Häuser kassiert haben. Andere wieder rum bekamen gar nichts, obwohl sie das gleiche Schicksal eines zerstörten Hauses ereilte.
Es ist wirklich ein seltsames Bild, wenn man durch die Staßen geht. Die einen fahren ech fette Autos, haben Bombenhäuser. Andere wissen nicht, wie sie überleben sollen und scheinen fast zu vergessen, wie ein Auto von innen aussieht.
Die interessanteste Investition allerdings sind die Gedenksteine für die Toten. Meine Stadt hat wieder eine neue Gedenktafel.
Die kroatische Bevölkerung ließ sich schon kurz nach dem Krieg etwas kosten, um an die gefallenen Soldaten zu gedenken. Jetzt hat auch die moslemische Seite daneben auch so eine Skulptur aufgestellt, die auch einem Künstler viel Geld einbrachte.
Und in neue Gedenkkränze wird jedes Jahr neu investiert.
Und in der Gegend sind es nicht die einzige Gedenksteine. Familien ehren ihre Gefallenen mit persönlichen Gedenktafeln, so wie bei einer Frau aus dem Dorf meiner Mutter, die ihr Dorf beim Einfall der Tschetniks nicht verlassen wollte, und umgebracht wurde.
Es ist schön, dass man an seine gefallenen Familienmitglieder und Soldaten denkt. Es erinnert aber mehr daran, was passiert ist, als wem es passiert ist. Als ich neben dem Gedenkstein der ermordeten Frau vorbei fuhr, dachte ich nicht an die Frau, sondern hatte das Bild im Kopf, wie serbische Soldaten ihr Haus stürmen, über sie herfallen und sie ermorden.
Dieser Stein erinnert mehr an die Täter als an die Opfer. Und es bringt Leute dazu nie zu vergessen und vor allem nicht aufzuhören, die TÄTER zu hassen.
So verhält es sich auch mit den Gedenksteinen in meiner Stadt. Als ich die Namen der Gefallenen las, dachte ich an die Messerklingen und an die Patronen, die ihren Körper durchbohrten. Den Menschen vorher kannte ich ja nicht. Ich konnte ja durch diesen Gedenkstein nur daran erinnert werden, was ihm passiert ist.
Und so erinnern sich die Leute in Bosnien ständig daran, was ihnen durch die „anderen“ angetan wurde.
Nebenbei haben die jenigen, die nicht durch Korruption und andere Freunderlwirtschaften zu Geld kamen, auch noch mit der Armut zu kämpfen. Mit Hass und Trauer erfüllt, und die Tasche ohne Geld. Tolles Leben nicht?
Und jetzt kommts noch besser!
Ein Bekannter, der versucht in der Politik unten mit zu mischen, erzählte mir, wie die Stadt vorhat ein Museum zu eröffnen. Da sollen angeblich Millionen investiert werden, um ein Gedenkmuseum mit Fotos und Uniformen der gefallenen Soldaten zu errichten. Es soll also ein Museum in der Stadt sein, wo man herein gehen kann und so richtig seinen alten Hass herbei schwören kann. Man kann sich so schön alle Greultaten wieder vor Augen führen.
Und wer soll da ins Museum gehen? Leute, die eventuell kaum zu essen haben, aber einen Museumseintrittspreis zahlen?
Und wenns gratis ist? Na, da müssen halt andere Gelder her, um das Museum zu erhalten.
Irgendwer wird da schon seine Hände im Spiel haben, der da mächtig abkassiert.
Wenn man das Geld allerdings zur Förderung von Arbeitplätzen nehmen würde, wäre vielen damit geholfen. Sie wären nicht so frustriert und mussten sich nicht durch so ein Museum an den Krieg erinnern. Mit dem Geld könnten, wer weiß wie viele Familien unterstützt werden. Wenn allerdings am Verteilerhebel der oder die Falschen sitzen, ist halt schwer mit dem gerechten Verteilen.
Und soooooooooooooooooooooo wird wohl in Bosnien auch in Zukunft mehr Geld für die „Toten“ da sein, als für die Lebenden. Irgendwer wird von diesem Geschäft profitieren. Nicht die Toten, nicht das Land Bosnien, allerdings die, die wissen, wie man den wirtschaftlichen Fortschritt eines Landes zu Gunsten von sich selbst verhindert.
Als ich die österreichische Grenze nach dem Urlaub überquerte, habe ich mich soooooo sicher gefühlt.
Ein kluger Mann hat mir dann gesagt: „Fahre nach Bosnien als Tourist, und kehre als Österreicher wieder! Nur so werden dich die Umstände im Land nicht verrückt machen.“
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pokradi lovu...
sind die Gräber, die wir alle haben nicht Erinnerung genug?
Anstatt die Gelder in Gedenktafeln oder Museen zu investieren (an denen jeder vorbeigeht), sollten sie lieber das Land von Minen befreien, die seit dem Krieg herumliegen, Schlaglöcher auf den Straßen stopfen, jungen Menschen durch Arbeit/Bildung eine Zukunft sichern...
aber nein, diesen scheiß korrupten sesselfurzenden alten Beamtensäcken, ist es wichtig zu zeigen, wie viele Männer jede Seite verloren hat. Ein schönes Miteinander!
jeder denkt nur an sich, in diesem Land wird sich nie etwas ändern, deshalb gehts auch zu Grunde.
Daumen hoch!
Der Blog beschreibt nicht nur Bosnien, die Armut und Verzweiflung, die Korruption sind in vielen anderen (auch EU-)Ländern zu sehen!