NASENKRISE IN MEINER GASSE – Showdown Part 2
Normal
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Was bisher geschah…
Ein illustrer Haufen junger Nachbarn findet sich in meinem Haus und im Haus gegenüber ein…
Gegenüber wohnt eine Kleindealer-Gang: Nedjad, Mario und ein Typ, der nur vor dem Plasmaschirm sitzt. Über mir zwei ihrer besten Kunden und Kumpels: die Junge Sylvia und der junge Roberto. Ihre Drogensachen besprechen meine Nachbarn stets indem sie aus ihren Fenstern über die Gasse brüllen.
Inzwischen ist mein Haustor Nedjads Büro geworden, in dem er seine Kunden empfängt und mit ihnen Geschäfte macht.
Ich beschließe irritierend in aller Leben einzugreifen…
(Siehe „Nasenkrise in meiner Gasse Vol. 1 bis 4“)
DER SHOWDOWN – Part 2
DAS ENDE DER NASENKRISE
Bisher waren meine akustischen Irritationen sehr erfolgreich, weswegen ich dabei bleibe.
Für meine nächste Irritation brauche ich die Mitarbeit und Güte von Alex dem Liguster. Alex ist Techniker bei einem TV Sender und hat Zugriff auf das entscheidende Stück Hardware: ein Sennheiser Richtmicro. Mit diesem Modell kann man das Flüstern eines Kindes auf 800 Meter Distanz aufzeichnen. Das ist viel mehr Power als ich brauche. Darüber hinaus stattet mich der Liguster mit Software und Ratschlägen aus der wunderbaren Welt der Akustik aus.
In meiner Wohnung packe ich das Teil vorsichtig aus und baue es zusammen. Ich fühle mich wie damals, als ich als kleiner Junge die „Mirage“ der französischen Luftwaffe zusammenbaue. Deswegen benenne ich diese Irritation: „Action Mirage“ (Aussprache: aksion mirasch).
Eine Mirage aber ist eine Luftspiegelung. Eine Fata Morgana, TV für Beduinen…
Der Plan ist einfach: ich erzeuge ein Echo.
Aber nur wenn Nedjad aus dem Fenster brüllt. Alle anderen Brüllenden, bekommen kein Echo verpasst.
Technisch gesehen ist alles einfach. Das Micro zeichnet Nedjads Gelaber auf und die Software im Laptop hat einen „Echoe Button“. Wenn ich den anklicke, schickt die Software Nedjads Stimme als Echo in die Boxen. Die Tarnung ist schwieriger, weil das Mikro fast einen halben Meter lang ist und einen Reflektor mit 30 cm Radius hat. Ich bringe das Sennheiser daher in der Tiefe des Raumes unter. Hier ist es dunkel, das Micro zielt genau auf Nedjads Fenster.
Ich warte…
Nicht lange.
Nedjad erscheint am Fenster. Er pfeift. Ich hebe meinen Finger über das Touchpad. Jeden Augenblick wird Sylvia zum Fenster gehen, Nedjad wird einen Wortschwall auf sie loslassen und mein Finger wird sich ebendann auf das Pad senken…
Etwas großes, schwarzes fliegt an meinem Fenster vorbei und knallt dumpf auf den BMW des Arztes vom Psychosozialen Notdienst im Erdgeschoß unter mir. Mein Finger schlägt im Reflex auf das Pad und das schmerzerfüllte Aufjaulen eines Hundes hallt als Echo durch meine Gasse.
Es ist der Hund von Sylvia. Ein schwarzer Pit Bull.
Und er ist soeben aus Sylvias Fenster im zweiten Stock gesprungen.
Nun liegt er am Gehsteig, zwischen Hauswand und BMW und brüllt den Schmerz gebrochener Knochen in die Gasse, während sich eine Menschentraube um ihn versammelt. Das nächste Echo erzeugt Sylvias Kreischen, als sie an ihr Fenster stürzt und kapiert, was geschehen ist.
Ich schlage mit dem Finger auf das Pad und das Echo verstummt.
Nun hängen aus fast allen Fenstern in Sichtweite meines Hauses Menschen und verfolgen die Tragödie eines unschuldigen Tieres. Nedjad und Mario sind schon beim Hund, der dritte Mann aus ihrer WG bleibt vor dem Plasmaschirm. Schluchzend gesellt sich Sylvia dazu, dann Roberto und immer mehr Passaten.
Bald ist die Tierrettung da, der Hund versorgt und verstaut.
Stille kehrt in meine Gasse ein.
Ich löse sämtliche Kabel von meinem Laptop, demontiere das Sennheiser und frage beim Liguster nach, ob ich das Zeug einen Tag länger haben kann. Weil er meint, ich könne es die ganze Woche behalten, packe ich das Micro nicht in seine Schachtel, sondern schiebe alles griffbereit an die Wand.
Morgen ist auch ein Tag. Morgen werden Sylvia und Nedjad viel zu bequatschen haben.
Morgen ist mein Tag.
Oder?
Leider nein!
Am nächsten Morgen wecken mich Lärm und Tumult im Stiegenhaus. Trampeln, Männerstimmen, Sylvias Stimme. Aus dem Fenster sehe ich, wie Sylvia in ein Polizeiauto gesteckt wird. Es ist erst sieben Uhr früh und Nedjad´s WG scheint nichts von diesem Vorfall bemerkt zu haben.
So lehne ich am Fenster, rauche und denke nach, wieso Sylvia verhaftet wird, während eine Dealerpartie friedlich abpennt? Kommt die Polizei jedes Mal, wenn ein Hund aus dem Fenster springt?
Die Antwort bekomme ich zwei Stunden später.
Erst als das Überfallkommando, verstärkt durch eine Abteilung Drogenfahnder zur Gänze in ihrer Wohnung steht, wachen Mario und Nedjad auf. Nur der Typ am Plasmaschirm bleibt wo er ist. Wahrscheinlich weil einer der Rambos gerade mit so einem roten Punkt auf seine Stirn zielt.
Ob der Typ das überhaupt mitbekommt?
Widerstand – so merken es die beiden anderen – ist zwecklos! Bald wedeln die Drogenfahnder mit diversen Säckchen und Päckchen vor ihren Nasen, legen sie in Handschellen und stecken sie in genau so ein fahrbares Gefängnis, wie meinen afrikanischen Nachbarn eine Woche zuvor.
Am Ende schalten die Bullen den Plasmaschirm ab, heben den Typen der davor sitzt zu zweit hoch und tragen ihn in sitzender Körperhaltung zum Arrestantenwagen. Ich habe den Eindruck, er glaubt sich in eine besonders reale Reality-Show reingezappt zu haben.
Was diese Ereigniskette vom selbstmörderischen Hund bis zur Aushebung dieses, wie es ein kleinformatiges Schmierblatt ausdrückte – „Multi-Kulti-Drogen-Netzwerks in Meidling“ – ausgelöst hat, erfahre ich Stück für Stück im Laufe der nächsten Woche.
Einiges erzählt mir Sylvia nach ihrer Anzeige auf freiem Fuße. Aber um die ganze Geschichte zu erfahren, muss ich mich erst bei Roberto einschleimen und heucheln, ich fände es fies von Sylvia, auch Robertos Namen genannt zu haben, sodass nun auch er eine Anzeige auf freiem Fuße am Hals hat.
Es ist so: mit der Zeit kann man als Dealer jeder Koksnase vorgaukeln, das soeben gekaufte Kokain sein viel besser als das Letzte. Einfach indem der Dealer mehr billiges Speed, also: Amphetamin, und weniger (teures) Kokain in das Briefchen mischt. Damit wird seine Spanne größer und die Koksnase kann tagelang nicht schlafen – so gut ist das Koks! Danke, danke Dealer!
Am Wochenende des Fenstersturzes beschließt die junge Sylvia es sich bis zum Riß der Nasenscheidewand zu besorgen. Und weil das Koks diesmal besonders gut sein soll – so hat es ihr Nedjad über die Gasse zugebrüllt – kauft sie auch ein Gramm in Robertos Auftrag. Am Abend will Roberto sein Briefchen abholen. Doch dazu kommt es nie.
Sylvia beschließt Roberto ein wenig zu bescheißen. Eh nur um ein viertel Gramm…
Die Gier der Koksnasen kennt keine Grenzen, wenn es um wirklich gutes Koks geht. Genauso wie ihre Dummheit.
Weil sie es in einem Film so gesehen hat, ersetzt sie das viertel Gramm in Robertos Briefchen mit Staubzucker. Diese Operation führt Sylvia auf ihrem Coutchtisch durch, indem sie Robertos Koks auf der Tischplatte auflegt, mit einer Kreditkarte zerkleinert und mit dem Staubzucker vermischt.
Dann wird Sylvia durstig, geht in die Küche.
Inzwischen leckt der Hund das süße Zeug auf. Und das unsüße Zeug darin brennt in seiner Kehle, fährt aber sofort auch in sein Kamphundgehirn ein. Als ganze Tagesdosis eines 75 Kg schweren Gewohnheitskoksers auf ein Mal.
Aus dem Haus gegenüber pfeift genau in diesem Augenblick Nedjad.
Und der brave, brave Hund folgt mit brennender Kehle dem Ruf seines besten Freundes – des Menschen. Auf das er ihn von dieser Plage in Kehle und Hirn befreien möge.
Armer, braver Hund.
Im Tierheim, wohin die Tierrettung den Hund nun bringt, wundert sich der Veterinär, das dieses Tier mit gebrochenen Hinterläufen, nach wie vor munter ist, obwohl er ihm Valium für Nilpferde gibt. Deswegen nimmt er eine Blutprobe und findet darin viele, viele Amphetamine. Daraus schließt der Tierliebe Arzt, er habe es mit illegalen Hundekämpfen zu tun, weil man ja die Hunde für diesen Sport mit Amphetaminen aufputscht.
Also verständigt der brave, brave Kuhdoktor die Behörden, diese holen Sylvia ab, Sylvia verpfeift alle.
Auch Roberto. Es war ja sein Speed…
Dieser Tage sehe ich Sylvia mit einem Welpen im Arm in unserem Stiegenhaus. Damit tröstet sie sich bis zu ihrer Verhandlung. Die Reparatur des alten Hundes wäre zwar möglich, hätte aber 1600 Euro gekostet. Eine Einschläferung nur 60.
Und eine neuer Hund beim Ungarn auf dem Autobahnrastplatz läppische 150 Euro.
Das ist das Ende der Nasenkrise in meiner Gasse.
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:)
zu schade das es vorbei ist...
Bereitet mir Vergnügen beim
Bereitet mir Vergnügen beim Lesen! danke
:O)) sehr geil. Vor allem
:O)) sehr geil. Vor allem die Formulierung: TV für Beduinen...spitze.
war an der grenze
zum rassismus...
irgendwie...
ach neee, ich glaube schon
ach neee, ich glaube schon das die Beduinen Scheichs in der Wüste schon riesen leinwände mit Satelitenübertragung direkt aus dem All empfangen ;O))