Polanski – Ein Regiesseur hat Hausarrest
FILMTIPP:
„Der Pianist“ war einer von vielen Filmen, die Roman Polanski zum Erfolg verholfen haben. Privat holte ihn aber ein Schicksalsschlag nach dem anderen ein. Freund und Produzent Andrew Braunsberg nutzte die Gelegenheit, des auferlegten Hausarrests Polanskis und besuchte ihn.
„Roman Polanski – A Film Memoire“ entstand aus dem Besuch Braunsbergs im Haus Polanskis in Gstaad in der Schweiz. „Mal sehen was dabei herauskommt“, meint Braunsberg zu Beginn der Dokumentation.
Polanski erzählt von den vielen Erlebnissen während der NS-Zeit in Polen und wie seine Familie dadurch auseinandergerissen wurde. Im Film „Der Pianist“ werden einige Szenen gezeigt, die Polanski seine Kindheit wieder erleben lassen. In Polen wurde ein Judenghetto eingerichtet. Die alten Bewohner mussten wegziehen, sodass die neuen, die Juden, einziehen konnten. Oft wurden mehrere Familie in eine Wohnung gezwängt. Es gab kaum etwas zu essen, noch die Möglichkeit etwas aufzutreiben. Überglücklich waren sie, als Polanskis Mutter Konservendosen mit Essiggurken fand. Sie schlemmten das Essigwasser, sowie die Gurken, was sie aber nur noch durstiger machte. So ließen sie dieses Menü bleiben. Ähnliche Szenen sind im Film „Der Pianist“ zu sehen.
Die Doku zeigt viele Filmausschnitte Polanskis, die in engem Zusammenhang mit seiner Biographie stehen. Das macht seine Werke um einiges interessanter. Auch ausgesuchtes Bildmaterial der NS-Zeit wird gezeigt, welche die Situation von damals näher bringen soll. Hätte Braunsberg aber nicht solch einen ehrlichen und authentischen Gesprächspartner wie Polanski, wäre diese Biographie-Doku so langweilig gesaltet wie ein bewegungsloser Lurch, der in einer Wohnzimmerecke verweilt. Man merkt, dass er mal „g´schaut hat, was dabei rauskommt“.
Bemerkenswert geht das Leben Polanskis nach dem Krieg weiter. Durch zahlreiche Zufälle erhält er eine Film-Hauptrolle und spielt lange im Theater. Nach der Schulzeit bewarb er sich bei Schauspielakademien, doch keine wollte ihn nehmen. Erst als er seinen Vater besuchte, bekam er einen Anruf, dass er in einem neuen Filmprojekt mitarbeiten sollte. Wäre er nicht in der Wohnung seines Vaters gewesen, hätte ihn dieser Anruf niemals erreicht. Diese und weitere Zufälle, wie auch Schicksalsschläge sollten die Folge sein. Neben dem Mord an seiner schwangeren Frau, wurde er Jahre später als Sexualstraftäter in den USA inhaftiert. Doch weil der Richter aus reiner Willkür handelte, flüchtete Polanski 1977 zurück nach Europa und lernte seine heutige Frau Emmanuelle Seigner kennen.
Jahre vergingen. 2009 ging er der Einladung des Züricher Filmfestivals nach und reiste in die Schweiz. Bereits am Flughafen wurde er von der dortigen Polizei aufgehalten und verhaftet. Er wurde 32 Jahre nach seiner Flucht, wegen seinem Vergehen an einer Minderjährigen, in der Schweiz erneut inhaftiert. Er bekam Hausarrest, wurde aber nach 6 Monaten wieder freigelassen. Diese Zeit nutzte Braunsberg für seinen Dokumentarfilm. Durch die schmerzhaften Erlebnisse in Polanskis Kindheit und frühem Erwachsenenalter mit seiner ersten Frau, hat man als Zuschauer das Bedürfnis, sein Sexualverbrechen zu verleugnen. Denn Roman Polanskis Kindheit ist so herzzerreissend und seine Erzählungen so ehrlich, dass man einfach nicht glauben kann, dass so ein Mann Gewalt anwenden könnte. Doch er bekennt sich schuldig.
Roman Polanski: A Film Memoir
Ab 6. September 2012 im Kinos
Fotos: Eclipse Filmverleih
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