"Leben/Lieben" - Eine faszinierende Aufführung und neue Theaterform



Obwohl ich Theaterwissenschaften studiere, stehe ich dem Theater teilweise skeptisch gegenüber. Modernes Theater ist manchmal zu schräg oder ekelhaft, aber die klassischen Stücke mag ich ganz gerne - manchmal! Modernes Theater kann aber von Zeit zu Zeit auch was. Letztes Jahr war ich auf der Wiener Festwochen und sah mir ein Theaterstück namens "Raoul" von James Thiérée an. Es ging über Einsamkeit und wie es eine Person in die Abgrund treiben kann und es war wundervoll. Doch das war 2010. Wir schreiben das Jahr 2011 und ich erlebte die Aufführung einer neuen Theterform:

 

Das virtuelle Theater

Es hat keine Regeln und keine Grenzen. Eine Aufführung kann Tage oder gar Wochen dauern. Man sieht die handelnde Personen nicht und man hört sie nicht, was die Performance umso mystischer und gleichzeitig schwieriger macht. Dem Beobachter wird lediglich Text präsentiert. Rohe, unverarbeitete Informationen, die der Zuseher selber entschlüsseln muss. Ab und zu wird ein Video oder Bild gezeigt, doch Text dominiert ganz stark. Diese neue Form von Theater wurde von Gräfin Attentionwhore von Facebook erfunden. Angelehnt ist das Ganze an das griechische Drama, die sich eher auf das Geschehen als auf die Charaktere konzentriert. Als großer Vorbild dient natürlich Aristoteles, der für seine Dramentheorie bekannt ist. Seine Tragödien waren eine Nachahmung (Mimesis) einer Handlung durch direkte oder indirekte Rede. Das virtuelle Theater hat diese Theorie übernommen. In direkter Rede wird das Geschehen geschildert, der Beobachter bekommt alle Infos.

 

Inspiration Brecht

Berthold Brecht ist ein österreichischer Theaterheld. Er wandte sich mit seinem epischen Theater gegen den Naturalismus und führte sogar den Verfremdungseffekt ein, mit dem er das Publikum quasi kommunizierte. Gräfin von Facebook hat auch das in der neuen Theaterform verarbeitet. DIe handelnde Personen richten sich manchmal direkt an das Publikum und stellen fragen oder Zuschauer stellen fragen, was wiederum aus einer anderen Theatertradition kommt.

 

Theater-Cocktail

Das Virtuelle Theater vermischt mehrere allgängige Theaterformen und bastelt was ganz neues und erfrischendes. Der Zuschauer, die ewige vierte (Pinn)Wand profitiert davon und lässt sich gerne unterhalten. Wer sich selbst von dieser Theaterform Überzeugen möchte:

 

Theaterstück: "Leben/Lieben"

Ort: Facebook-Pinnwände

Eintritt: Freundschaftsanfragen

Zeit: 24/7

 

 

 

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Thumps up :D - obwohl das

Thumps up :D - obwohl das Thema Facebook eigentlich schon total ausgelutscht ist

es geht mehr um

es geht mehr um attention-whoring als form der Inszenierung also eine Form von Performance und somit eine Form von Theater, aber wenn ich Szenen aus dem echten Leben genommen hätte, wäre das ganze weniger absurd, weniger sarkastisch und die Ironie, die ich so sehr liebe, gäbe es nicht :)

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