Richtung Nowa Huta



FILMTIPP: Nowa Huta, ein Krakauer Stadtteil zwischen Kommunismus und Sozialdemokratie. Lange wurde er in Reiseführern als gefährliches Slum bezeichnet. Der Dokumentarfilm „Richtung Nowa Huta“ klärt auf.

 

Drei Jungs spielen Basketball, aber nur bis zum frühen Nachmittag, denn dann kriechen die bösen Jungs hervor und zertrampeln alles, was sich ihnen in den Weg stellt. „Wenn es dunkel ist, bleibt man am besten zuhause“, äußert sich einer dieser jungen Männer nüchtern. Es sollen schon einige durch Messerstiche umgekommen sein.

Ein Brautpaar lässt sich fotografieren. Nichts Ungewöhnliches. Nur der Ort ist es. In einem heruntergekommenen Haus, voller Trümmer und schlechten Graffiti, steht das frisch vermählte Ehepaar in feinstem Zwirn und Tüll. Es zeigt wie gegensätzlich der Krakauer Stadtteil Nowa Huta noch immer ist.

 

1144 Als der Kommunismus in Polen, zwischen 1980-1989, durch die Gewerkschaft Solidarność in eine Demokratie umgewandelt wurde, spielte Nowa Huta, eine bedeutende Rolle. 1949 wurde der Stadtteil als Standort der Stahlindustrie erbaut. Eine Arbeitergesellschaft etablierte sich und war maßgeblich am Umbruch von Kommunismus zu Demokratie beteiligt. Später sollte die gesamte Stahlerzeugung zu Hökerpreisen verkauft werden, sodass die heutigen Besitzer Arcelor/Mittal Group der erfolgreichste Stahlkonzern der Welt ist.

Regisseur Dariusz Kowalski nimmt uns mit auf eine Stadtrundfahrt durch Nowa Huta, zu Deutsch Neue Hütte. Gleichzeitig zeigt er Videos und Bilder der kommunistischen Zeit und erinnert sich mit Freunden nostalgisch zurück. Zum Beispiel, als sie Klopapier nur erhielten, wenn sie es gegen Altpapier eintauschen konnten. An Luxus war damals überhaupt nicht zu denken.

 

 

Richtung Nowa Huta - Trailer from Medienwerkstatt on Vimeo.

Ab 12. Oktober im Kino.

 

Foto: StadtkinoFilmverleih

 

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