RINGO GLAVINGO - TEIL 2 (von Vol.1: HEIL FIDEL!)
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Hier draußen vor der Schulter des Orion, im großen Asteroidenhaufen am Rand der bewohnten Zone, wo die kläglichen Reste der Menschheit ein neues Zuhause finden, ist man entweder schnell - oder schnell tot.
Dies sind die Abenteuer von Ringo Glavingo, dem letzten Space Cowboy, der dorthin reitet, wohin die Vernunft es nicht wagt!
Was bisher geschah:
Wider mal ohne Job und Kohle muss ich bei Joe Drum anheuern. Mein neuer Job: Mit Joe´s zahlenden Gästen, Piraten in den Badlands jenseits der bewohnten Zone abknallen. Aber schon bald stoßen wir auf ein geheimnisvolles Schiff...
Vol.1, Teil 2 HEIL FIDEL!
Das fremde Schiff
Als ich Mrs. Gaddahaveit meine Weisheit verkaufe, niemals Vermutungen anzustellen, sondern nur sicheres Wissen zur Grundlage meiner Entscheidungen zu machen, ist das nicht die ganze Weisheit. Wer so lange mein Geschäft betreibt und noch lebt, um es zu erzählen, weiß, das es da noch etwas gibt. Es ist das, was romantische Seelen Gefühl nennen, Pragmatiker Erfahrung und Mystiker Vorahnung - wie ihr wollt. Ich nenne es: Sackjucken. Und beim Anblick dieses merkwürdigen Schrotthaufens, juckt es gewaltig. Deswegen lasse ich Mrs. Gaddahaveit weiter auf ihre Zielübungen hoffen und gehe hinunter zur MoscaMigo. In ihren Datenbanken ist auch ein historisches Archiv, dass ich schon seit Jahr und Tag löschen will, um die Leistung zu erhöhen und Dolly einige neue Features zu ermöglichen, was ich aber immer wieder aufschiebe. Jetzt bin ich dankbar für meine Faulheit und Dolly hat es mir noch nie übel genommen, dass ich ihr keine neuen Kleider und Glitzerkram schenke. Gute, brave Dolly. Was mir die Datenbanken zeigen, ist allerdings alles andere als beruhigend.
Zurück auf der Brücke der Floston, ziehe ich Joe beiseite: „Alter, dieses Ding in deiner Lastschleuse gehört irgendwelchen Typen, die man Kommunisten nennt und die sollen ziemlich schlimme Finger sein. Ich hab´ zwar noch nie von denen gehört, aber falls es die noch irgendwo in der Galaxis gibt und sie ihren Schrott wiederhaben wollen, brauchst du eine ganze Menge Kähne wie diesen, um es mit ihnen aufzunehmen. Mein Rat: schmeiß das Ding über Bord, solange du noch kannst. Und diesen Typen da drinnen auch!“
Leider ist Joe schon ziemlich hinüber, aber er kann noch lallen: „Geht nich´... der Typ wacht g´rad auf...“
Was mir die Datenbank der Mosca noch so alles verrät, erzähle ich Joe nicht. Es ist ohnehin zu spät und außerdem kann ich diesen tiefgefrorenen Kerl bald selbst fragen. Die Medirobos leisten gute Arbeit. Der Typ aus der Mir kann fast auf eigenen Beinen aus dem Medmodul spazieren und muss sich nur auf Jose´s Schulter stützen. Alle Passagiere und die gesamte Mannschaft der Floston sind auf der Brücke versammelt. Sogar dieser Schauspieler, der den ersten Angriff auf ein Piratenschiff verpennt, weil er sich bei der Rimtaufe des Jackpotgewinners über seine Grenzen zudröhnt, ist dabei. Hätte Neugier die Farbe Rot, wäre die gesamte Brücke in tiefrotes Licht getaucht. Alle Augen sind nun auf Jose gerichtet, der wissend lächelt und den Augenblick seines Triumphes über die Unwissenden, also uns alle, genüsslich hinauszögert. Was wir sehen, ist ein alter, hagerer, großgewachsener Mann mit einem rauschigen Bart, der in einer olivgrünen Uniform steckt und eine lustige Mütze in der selben Farbe auf dem Kopf trägt. Endlich öffnet Jose seinen schmalen Mund: „Leute, ich darf vorstellen: Fidel.“
Der Letzte seiner Art
Bei der Nennung seines Namens zwinkert der aufgetaute Typ und blickt neugierig in die Runde bis seine Augen Mrs. Gaddahaveit erfassen und ein Stück weiter aufgehen. Ein kleiner, übriggebliebener Eiszapfen aus seinem Bart bricht ab und landet mit einem leisen „Pling!“ auf dem Deck. Jose wuchtet Fidel auf den Sitz vor der Navkonsole und betrachtet unsere fragenden Minen: „Fidel Castro, um genau zu sein. Außerdem ist Fidel mi Carnal, er spricht Espanol und zwar genauso gut wie mein seliger Abuello, der mich großgezogen hat. Und er hat genauso einen Bart. Aber damit ihr auch was davon habt, hab´ich ihm ein Lingomodul einpflanzen lassen! Er kann uns jetzt verstehen! Los! Fragt ihn, was ihr wollt!“
Ich nütze das kurze Schweigen aller Anwesenden: „Mr. Fidel, ihr Raumschiff ist vor über eintausend Jahren kontrolliert auf dem Planeten Erde abgestürzt. Wie kommt es in den Outer Rim und wie sind sie an Bord gekommen?“
Meine Frage schlägt wie eine Bombe ein und alle Augen sind nun auf mich gerichtet. Erst als sich Fidel räuspert drehen alle ihre Köpfe zu ihm. Fidel grinst und räuspert sich noch mal: „Alles eine Show! Dieser Verräter Gorbatschov hat sich für ein paar Dollares bestechen lassen und die Mir an mich verkauft! Was da abgestürzt ist, war nur die Fluchtkapsel!“
Danach lacht Fidel, bis ihn ein Hustenanfall stoppt.
„Ich brauche dringend eine Habanna! Jose, mi Carnalito...porfavor!“
Jetzt weiß ich endlich, wie diese komischen Dinger, die Jose dauernd im Mundwinkel hängen und die Luft verpesten, heißen. Nun stopft ihm Jose eine seiner Habannas zwischen die Lippen, zündet sie an und Fidel zieht den Rauch in seinen Mund, um ihn gleich durch die Nase wieder hinaus zu blasen.
„Tausend Jahre, sagst du? Wer regiert jetzt in Kuba, mi Compadre?“
Ich beschließe gleich auf´s Ganze zu gehen: “Mr. Fidel, ich weiß nicht was Kuba ist, aber der Planet Erde ist vor exakt 753 Standardjahren explodiert und das einzige Kuba, das ich kenne, ist ein mieser Schuppen mit billigen Nutten in Mors Isley! Der Chef dort heißt Bo-Bo und hat einen Haken statt seiner rechten Hand! Sind sie ein Kommunist, Mr. Fidel?“
Die Köpfe und Blicke der Anderen schwingen nun, wie von einem unsichtbaren Puppenspieler bewegt, zwischen mir und diesem Fidel hin und her. Nur Joe, plötzlich wieder nüchtern, stiert mich an. Fidels Mine verfinstert sich: „Die Erde gibt es nicht mehr... und... und... mi Cuba linda auch nicht...?!
Irgendwie habe ich Mitleid mit Fidel. Aber ich muss es jetzt wissen, und Joe offenbar auch: „Ringo hat dich was gefragt, Bärtiger! Bist du ein Kolumnist! Los spuck´s aus! Sonst wer´d ich ungemütlich!“
Jose ist nicht sehr erfreut, das sein Partner Joe diesen Fidel, den er irgendwie zu mögen scheint, so anschnauzt, sagt aber nichts. Fidel wischt sich eine kleine Träne aus dem Augenwinkel, zieht an der Habanna und bläst langsam den Rauch aus Nase und Mund: „Wenn es die Erde nicht mehr gibt und das bedeutet, dass es auch Kuba nicht mehr gibt, dann mein Junge bin ich wohl der einzige und letzte Kommunist im Kosmos...!“
Joe ist sichtlich erleichtert. Wenn es nur diesen einen Kommunisten gibt, muss er nicht um sein kleines, schmutziges Geschäft fürchten. Aber ich weiß, dass er nun überlegt, wie er aus dieser Situation Kapital schlagen kann.
„Mr. Fidel, wir haben Sie gerettet, ihren Schrotthaufen an Bord genommen und werden Sie wohl bis zur Rückkehr nach Mors Isley durchfüttern müssen. Das kostet mich etliche Credits...“
Weiter kommt Joe nicht, weil Mrs. Gaddahaveit ihn unterbricht: „Ich zahle alles!“
Das Spiel der sich wendenden Köpfe wiederholt sich und meiner ist diesmal auch dabei. Mrs. Gaddahaveit stelzt zur Navkonsole und säuselt das Lied der Vogelspinne: „Willkommen an Bord, Fidelito... ich darf Sie doch Fidelito nennen... ?“
Der alte Sack ist offenbar kein Kostverächter, man sieht das an der Art und Weise, wie er Mrs. Gaddahaveit´s scheinbar jungen Körper mit seinem Blick abtastet. Was Mrs. Gaddahaveit motiviert, kann ich nur vermuten, aber ich denke, es mit einem Tausendjährigen zu treiben, ist für eine wie sie Motiv genug. Armer Fidelito...
Die Versteigerung
Joe ist zufrieden, Jose grinst auch und unsere Reise könnte weitergehen. Aber Mr. Angel ist mit der getroffenen Regelung nicht ganz einverstanden: „Mr. Drum! Ich zahle das Doppelte!“
Diesmal drehen alle nicht nur ihre Köpfe sondern auch die Körper, weil Mr. Angel hinter uns allen steht. Ich ärgere mich, dass ich in diesen eigenartigen Tanz ganz automatisch einfalle, aber ich bin genauso überrascht von dieser Wendung wie alle anderen auch. Mrs. Gaddahaveit will protestieren, aber Mr. Angel ist mit seinem Maul etwas schneller: „Dieser Kommunist ist ihre Beute Mr. Drum und Sie können ihn gewinnbringend an den Meistbietenden verkaufen! Ich biete das Doppelte seiner Unterbringungs- und Verpflegungskosten!“
Immer wenn Gewinnmaximierung in der Luft liegt, scheinen Joe´s Augen zu schmalen Schlitzen zu werden. Es ist fast so, als ob er versuchen würde in die nahe Zukunft zu sehen, in der er die Credits zählt, die er für diesen Fidel noch bekommen könnte. Die Magnaten, der Jackpotgewinner und der Schauspieler haben kein Interesse an Fidel, aber sie verfolgen die Situation mit Amusement. Mrs. Gaddahaveit ist gar nicht über die Entwicklung der Sache erfreut, muss sich aber fügen. Noch ist ja keine Kohle geflossen und weil Joe der Eigentümer der Floston ist, kann er mit seiner Beute machen was er will. Inzwischen beendet Joe eine kleine Kopfrechnung: „Na gut! Das Eröffnungsgebot liegt bei 5000 Credits! Inklusive des Schrotthaufens in der Lastschleuse!“
Mr. Angel erhöht das Gebot sofort: „Ich biete 10.000! Und den Schrotthaufen können Sie von mir aus über Bord kippen, ich will nur die Seele dieses Kommunisten retten!“
Wir wissen alle, was das bedeutet, genauso wie wir wissen dass Mrs. Gaddahaveit ihr neues Spielzeug nicht so leicht aufgeben wird: „Ich verdoppele auf 20.000!“
Mr. Angel verdient mit seinem Predigten und an den Spenden seiner Schafe, die daran glauben, er stehe in direkter Verbindung mit Gott und wüsste wie der Kosmos atmet, so viele Credits, dass es ihm ein Leichtes sein muss, mit Mrs. Gaddahaveit mitzuhalten. Also grinst er nun genüsslich und öffnet seinen Mund: „Vierzigt....“
Weiter kommt Mr. Angel nicht. Ein sehr lauter Knall übertönt sein Gebot und wir alle beobachten vollkommen überrascht, wie ein kleines, kreisrundes Loch in seiner Stirn zu bluten beginnt. Aus seinem Hinterkopf spritzt gleichzeitig Blut und Gehirnmasse auf den Reservefeuerleitstand. Mr. Angels Gesicht erstarrt in einer Grimasse aus Schmerz und plötzlicher Erkenntnis, er greift sich auf die Stirn, schiebt seinen Zeigefinger in das Loch, zieht ihn blutig und mit Hirnstückchen behangen aus der Wunde heraus und betrachtet ihn mit weit aufgerissenen Augen. Im nächsten Moment fällt er wie eine losgelassene Gliederpuppe auf das Deck der Floston.
Erst jetzt greifen alle Anwesenden nach ihren Waffen die sie irgendwo am Körper haben und richten sie auf Fidel. Mrs. Gaddahaveit und Jose haben ebenfalls ihre Blaster gezogen und richten sie - auf uns! Eine total uncoole Situation, wie ich sie immer zu vermeiden trachte ist gerade im Entstehen – die Massenschießerei! Aber noch zögert jeder, weil niemand genau weiß, was eigentlich geschehen ist. Und es ist diese Verzögerung, die uns allen die Augen öffnet. Fidel hat an seiner Uniform eine komische, braune Tasche, die bisher niemand beachtet und in der eine Waffe steckt, die er noch immer mit ausgestreckten Arm auf jene Stelle richtet, an der zuvor noch Mr. Angel steht. Aus dem Lauf dieser Waffe, die ich als antike halbautomatische Pistole erkenne, raucht es noch. Fidel beugt nun seinen Arm und bläst den Pulverrauch in unsere Richtung. „Damit ergeht der Zuschlag an diese wundervolle und großzügige Senhorita! Die Versteigerung ist beendet!“
Jose und Mrs. Gaddahaveit zielen allerdings noch immer auf uns und wir auf sie. Joe kann es nicht fassen, das sein Geschäftspartner und Pilot Jose für einen Wildfremden, bereit ist auf ihn zu feuern: „Jose...!“
Das ist alles was Joe einfällt. Aber Jose hat seine Gründe: „Fidelito ist mein Compadre. Wir sprechen die selbe Muttersprache und er ist genauso drauf wie mein Großvater! Dieser Prediger soll zur Hölle fahren und damit basta!“
Dann steckt Jose seinen Blaster ein, Mrs. Gaddahaveit ebenfalls und wir machen dasselbe. Die Situation ist entschärft. Außer für Mr. Angel. Er zuckt noch mit einem Fuß und seine Augen rollen in den Höhlen. Er scheint noch irgendwie am Leben zu sein. Joe winkt Boromir, den Kopfgeldjäger herbei: „Los! Wir schaffen den Kerl in das Medmodul... vielleicht lässt sich da noch was machen!“
FORTSETZUNG FOLGT
LIESTU!
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Schön!
Ich habe die Geschichte sehr genossen. Wann drehen wir den Film zum Buch? (;
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