Nachts ist alles anders



Es ist 03:10 Uhr. Ich zünde mir nun schon meine 2. nächtliche Zigarette an und starre aus dem Fenster, wo auf der sonst so belebten Einkaufsstraße nur ein paar zerfetzte Zeitungen die Straße entlang wehen.


Kindheitserinnerungen


Als Kind hatte ich Angst vor der Dunkelheit. Ich war regelmäßiger Gast im Bett meiner Eltern und auch das gute Zureden ihrerseits hat meine Furcht nicht gelindert. Wenn ich mich doch einmal getraut habe, in meinem Bett zu schlafen, malte ich mir die schrecklichsten Geschichten aus. Ich bildete mir riesige Schlangen ein, die sich um mein Bett schlängeln und nur warten, bis ich die Augen schließe. Der Boogieman war einer meiner treuen abendlichen Gefährten. Vor lauter Angst, etwas nicht sehen zu können, bin ich erst eingeschlafen, wenn mich der Schlaf übermannt hat. Eine Quelle des Übels war wohl die Tatsache, dass ich zu viel „X-Factor, das Unfassbare“ geguckt habe.


When the night has come and the land is dark…


Auch heute ist mir die Dunkelheit nicht ganz geheuer. Die Angst vor Riesenpythons habe ich zwar beiseite geschoben, außer ich bin gerade in Bosnien. Auch der Boogieman, der unter meinem Bett lauert und wartet, dass ich meine Äuglein schließe, ist in meinen kindlichen Gedanken hängen geblieben und gehört der Vergangenheit an.


Trotzdem bin ich nachts nicht gerne alleine unterwegs. Wenn ich die Autobahn entlang fahre und es allmählich dämmert, umgibt mich ein leicht beengendes Gefühl. Vor allem am Land ist es wirklich dunkel. Denn hier in Wien.. Als Dunkelheit kann man das auf den meisten Straßen nicht bezeichnen. Aber draußen, außerhalb von Wien, übermannt mich ab und zu diese Furcht, die meine Gedanken zu vergiften versucht und meinen logischen Sinn betäuben will. Dann blicke ich mitten ins Nichts und frage mich, ob in diesem Nichts vielleicht jemand sitzt und mich beobachtet. Doch sobald ich im Auto sitze und in Richtung Wien fahre, löst sich diese Angst im Licht der Straßenlaternen auf.


Der Boogieman ist wohl ne Schnapsnase


Wien birgt ganz andere Unannehmlichkeiten. Während es am Land zwar richtig dunkel ist, sind in unserer Hauptstadt Saufbolde und Möchtegern-Casanovas zu Hause. So kommt es mir mittlerweile völlig normal vor, wenn ich mehrmals täglich irgendwie angepöbelt werde oder die U-Bahn von einem nach Wodka stinkenden und vor sich hinsäuselnden Typen unterhalten wird. Tagsüber nicht so schlimm. Nachts mehr als unangenehm.


Auch die Sorte von Männern, die Tag ein, Tag aus vor dem Wettbüro lümmeln – mir ist noch immer nicht ganz klar, warum sie nicht drinnen, sondern davor sitzen – verändern ihre Gestalt, sobald die Sonne untergeht. Bei Licht wirken sie armselig, hilflos und lächerlich, mit ihrer gekünstelten Coolness und der ausgetragenen Kleidung. Kaum ist es dunkel, könnte man meinen, ein Rudel Wölfe fletscht sich die Zähne beim Anblick des vorbeilaufenden Schafs.


In Momenten jedoch, die vom Geräusch der brennenden Zigarette beherrscht werden, genieße ich die Dunkelheit. Auf seltsame Art und Weise ist die Angst wie weggepufft. Den Grund für meine Schlaflosigkeit kenne ich aber trotzdem nicht.


 


P.S.: Ich hab den Blog wirklich nachts geschrieben. Mich hat dann (Gott sei Dank) doch die Müdigkeit eingeholt.


 


 

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The Hills have Eyes

Das von dir beschriebene Gefühl kann glaub ich jeder nachempfinden.

Letzte Woche bin ich an einen einsamen Strand in Kroatien gewandert - 3 Stunden Fußmarsch durch den Wald. Als wir uns auf den Rückweg gemacht haben, ist die Sonne gerade untergegangen. Das war zuerst sehr romantisch. Dann aber recht schnell eher furchteinflößend. Weil: Sonne weg, Weg weg.

Dann war es plötzlich so dunkel, dass man die weissen Markierungen an den schwarzen Bäumen kaum mehr sehen konnte. Ich hatte schon die Meldungen vom nächsten Tag im Kopf: "Zwei Wanderer am Berg von der Nacht überrascht."...

Dann -endlich raus aus dem verdammten Wald - waren es noch zwei Stunden Fußmarsch auf einer Forststraße den Berg runter. Keine Straßenbeleuchtung. Nur das blasse Mondlicht und unsere zwei hektisch schwankenden Taschenlampen. Und immer wieder die blitzend gelben Augen der Schafe im Gebüsch und am Wegrand. Zwei Stunden lang, die immergleiche Forststraße im Schwarz der Nacht, ohne Anhaltspunkt wie weit es noch bis ins Dorf sein könnte. So langsam ist die Zeit selten vergangen.

Und dann ist mir auch noch dieser dumme Film in mein panisches Hirn eingeschossen: The Hills have Eyes. Den wurde ich irgendwann gezwungen zu sehen und habe ihn damals für äußerst lächerlich befunden... Dann Jahre später auf dieser nächtlichen Forststraße in Kroatien, war mir beim Gedanken an den Film dann plötzlich nicht mehr so nach Lachen.

Und ich könnte schwören, ich habe eine geduckte menschliche Gestalt am Außenrand des Lichtkegels meiner Taschenlampe vorbeihuschen sehen...

(...oder es war doch ein Schaf^^)

wow, klingt richtig

wow, klingt richtig unheimlich. wobei bei uns am land in bosnien gibt es auch keine straßenbeleuchtung, wozu auch, es gibt ja kaum ne richtige straße, aber da hätte ich zum beispiel nie angst vor menschen sondern eben nur von verwirrten schlangen, die mich für ihr feindbild halten.. aber gegen deine geschichte wirken meine besoffenen boogiemänner ja wie harmlose schäflein :D und wenn wir schon bei schafen sind, es war sicher ein vorbeilaufendes schaf und kein sich duckender mensch.. hoffe ich.. :P

sehr schön geschrieben. ein

sehr schön geschrieben.

ein mulmiges gefühl wein mein fuß über die bettkante hängt werd ich glaub ich noch mit 99 haben

danke damir :) haha ja das

danke damir :)


haha ja das kenn ich nur zu gut. die hand über der bettkante ist mir aber auch nicht so recht um ehrlich zu sein :D

  Never alone Ghost is always

 

Never alone Ghost is always watching you! :D

 

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wie beruhigend :D

wie beruhigend :D

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