Mein Bester Rat: Schleimer helfen nicht.

Mein bester Rat: Schlechte Ratschläge gibt es genug. Für Biber verraten daher Top-Manager und Spitzenpolitiker jene Weisheiten, die sie im Leben weitergebracht haben.
 

Foto: Michele Pauty
Foto: Michele Pauty

Diesmal: Michael Häupl, Bürgermeister von Wien (SPÖ)

Von Simon Kravagna und Michele Pauty (Fotos)

biber: Was würden Sie jungen Politikern als Rat mitgeben?

Michael Häupl: Freunde, werdet nie finanziell von der Politik abhängig und lernt was Gescheites.

Wie verkraftet man Wahlniederlagen?

Nach meiner ersten Wahl als Bürgermeister 1996 – einer herben Niederlage – hat mir mein privates Umfeld geholfen. Denn die anfängliche Euphorie war plötzlich wie weggeblasen. Da braucht man ehrliche Freunde. Schleimer helfen da nicht. 

Eva Glawischnig hat sich aus der Politik zurückgezogen. Sie will sich nicht mehr anfeinden lassen. Wie viel muss man in der Politik aushalten?

Ich habe gelernt, diese emotionalen Geschichten überhaupt nicht an mich heran zu lassen. Man braucht einen guten Panzer.

Sie nehmen am Abend nichts Berufliches mit nach Hause?

Ich bin seit 30 Jahren politisch tätig, da sollte man das können. Sonst hält man das nicht durch. Ich rede mit meiner Frau, einer Ärztin, daheim lieber über Medizin oder Fußball. Sie ist übrigens Rapidlerin, was gut ist, sonst hätten wir gar nichts zu streiten.

Lesen Sie nicht, was so über Sie gepostet wird?

Nein. Wenn mal was Wichtiges dort zu finden ist, dann erfahr‘ ich das eh.

Foto: Michele Pauty
Foto: Michele Pauty

Christian Kern ist ein Jahr Kanzler und sieht fünf Jahre älter aus. Macht er etwas falsch?

Überhaupt nicht. Er macht das ausgezeichnet. Allenfalls merkt er, dass es einen Unterschied zwischen einem Manager und einem Politiker gibt.

Welcher Unterschied ist das?

Auch wenn Unternehmen heute modern geführt werden, kann ein CEO noch immer anschaffen. Das kann der Kanzler in einer Koalitionsregierung nicht. Er muss den Partner überzeugen. Das kann mühsam sein, wie man aktuell sieht.

Der neue ÖVP-Chef Sebastian Kurz kann jetzt auch alleine entscheiden.

Im Wienerischen gibt es da einen guten Satz dazu: „Schau ma moi.“

 

 

Kurz kann mit 30 bereits Bundeskanzler werden. Ist das Glück oder Können?

Ob er Bundeskanzler wird, steht in den Sternen und was ich dazu beitragen kann, dass er es nicht wird, das werde ich tun. Aber nicht weil ich böse bin, sondern aus inhaltlichen Gründen. Schwarz-Blau hat Wien noch nie gut getan.

Aber zu seinem Erfolg: Glück oder Können?

Er ist ein exzellenter Netzwerker, hat gute Leute im Außenministerium und lässt sich gut beraten. Aber für eine Spitzenposition in der Innenpolitik reicht das nicht. Keiner weiß, wo Kurz in all den Fragen von Wirtschafts- bis Arbeitsmarktpolitik steht.

Das kann man ja lernen.

Ehrlich gesagt sollte der Bundeskanzler nicht der erste Lehrling der Republik sein.

Woran könnte Kurz charakterlich scheitern?

Wenn er scheitert, dann an seiner enormen Egomanie. Er ist eine ICH-AG.

Welche positiven Eigenschaften haben Sie im Leben weiter gebracht?

Ich kann gut zuhören, Themen aufnehmen, Leute mitnehmen und sowohl auf der Baustelle als auch auf der Uni mit den Menschen reden.

Und die negativen Eigenschaften?

Es ist jetzt viel besser, aber ich war in jungen Jahren manchmal ein „Häferl*“ Zudem habe ich eine gewisse intellektuelle Eitelkeit. Das ist manchmal gut und manchmal schadet es.

Wann soll man in der Politik aufhören?

Wenn man keinen Spaß mehr hat, nicht mehr motiviert ist. Ich will jetzt noch Schwarz-Blau nach der nächsten Nationalratswahl verhindern. Dann gehe ich.

In ihrer eigenen Partei gibt es Leute, die würden sie lieber heute als morgen in Pension sehen. Haben Sie den Brutus in ihren Reihen ausgemacht? 

Ja. Aber ich habe die Iden des Märzes** gut überstanden und es gibt Parteifreunde, die sagen, Brutus hat sich bereits selbst erledigt.

Was ist der Sinn des Lebens?

Am Ende des Tages sollte man sagen können: Es war ein erfülltes Leben und ich habe gemacht, was ich mir vorgenommen hatte. Aber soweit bin ich noch nicht. Das Bild vom Bürgermeister wird im Stadtsenat erst aufgehängt, wenn der gestorben ist. Bis dahin habe ich noch viel vor.

 

*       Wienerisch für Hitzkopf,

**     In den Iden des März (15. März 44 v. Chr.) wurde Cäsar von Brutus ermordet. Der Ausdruck steht heute für ein bevorstehendes Unheil.

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