Schmeckt´s noch, Frau Ministerin?
Die Finanzministerin erzählt bei Moussaka, warum Österreich das neue Griechenland wird, wie sie ihr Geld in Krisenzeiten anlegt und warum sie sich von den Medien behandelt fühlt wie Jörg Haider.
biber: Können Sie griechisches Essen noch sehen?
Maria Fekter: Ja, die Verhandlungen spielen sich ja in Brüssel und nicht in Athen ab. Seit Beginn der Krise war ich kein einziges Mal in Athen. Die griechischen Politiker kommen nach Brüssel.
Schon mal einen angeschrien?
Nein.
Haben Sie nicht langsam einen Grant, dass in Griechenland nichts weitergeht?
Ich bin unzufrieden, dass ich mich so viel um andere Länder kümmern muss. Mir wäre lieber, ich wäre nur Finanzministerin von Österreich. Da ist die Welt noch in Ordnung. Das Griechen-Dilemma ist den Steuerzahlern nur schwer erklärbar.
Wie erklärt man es in zwei Sätzen?
Ganz einfach: Wenn Griechenland pleite ist und aus dem Euro-Raum austritt, bleiben ja die Schulden trotzdem in Euro übrig, das Bankensystem würde dort zusammenbrechen, kein Geld kommt aus dem Bankomaten und da müssten wir erst wieder eingreifen und ihnen Geld borgen. Da ist es gescheiter, vorher zu handeln.
Also sollte am besten jeder zu Weihnachten einen All-inclusiv-Urlaub auf Rhodos buchen um den Griechen zu helfen?
Das würde schon einmal sehr helfen!
Griechenland ist fast pleite, die türkische Wirtschaft boomt. Wäre nicht besser die Türkei in der EU statt Griechenland?
Österreich hat, was die Türkei betrifft, eine ganz klare Position: privilegierte Partnerschaft ja, Beitritt nein. Wir können bei den derzeitigen Schwierigkeiten, die wir haben, nicht noch ein Land aufnehmen, das in sehr vielen Bereichen strukturschwach ist und das nicht gewillt ist, die europäischen Standards zur Gänze zu übernehmen.
Wird Österreich das neue Griechenland, wenn nicht gespart wird?
Was die Lage des Staatshaushalts betrifft, sind wir weit von Griechenland entfernt. Das ist aber kein Grund, um uns auf unseren Lorbeeren auszuruhen. Schon kleine Verschlechterungen beim Rating können Milliarden kosten.
Sie haben als Frau den härtesten Job des Landes.
Momentan ist Finanzministerin kein Wohlfühljob. , weil wir den Euro stabilisieren und die eigenen Staatsfinanzen im Griff behalten müssen. Die Bürger gewöhnen sich schnell an Leistungen vom Staat und sind negativ berührt, wenn etwas gekürzt wird.
Warum sind Sie gegen eine Reichensteuern?
Das, was derzeit unter dem Deckmäntelchen einer sogenannten Reichensteuer diskutiert wird, würde letzten Endes nicht die Reichen treffen, sondern den Mittelstand. Der Begriff „Reichensteuer“ ist nur ein Schlagwort, um die Bevölkerung zu täuschen. Man will damit suggerieren, dass es eine Steuer geben könnte, die niemand betrifft, aber gleichzeitig sehr viel Geld einbringt. Im Übrigen besteuert Österreich die „Reichen“ schon jetzt stärker als zum Beispiel Deutschland oder Frankreich.
Was war für Sie schwieriger zu managen: die Finanzkrise oder Arigona Zogaj?
Ich komme aus dem Bezirk, wo der Fall Zogaj beheimatet war und ich kannte die Hintergründe. Daher war der Fall für mich nicht schwierig. Das war mehr ein Medienhype, der umso größer wurde, je weiter man weg war. Menschlich belastend waren andere Fälle im Innenministerium. Insgesamt ist die internationale Krise, die wir jetzt haben, eine größere Herausforderung.
Ihr Vorgänger Josef Pröll ist körperlich daran fast zugrunde gegangen. Wie gehen Sie damit um?
Schlecht. Ich weiß, dass ich zu wenig Bewegung mache. Ich setze mich entweder zu Hause aufs Rad,wenn gar keine Zeit ist, oder ich gehe schwimmen. Aber da muss ich schon um sechs in der Früh aufstehen.
Wohin geht eine Finanzministerin schwimmen?
Ins Margaretenbad, weil sie ein 25-Meter-Becken haben und man da gut schwimmen kann. Das zweite ist, dass man sich schlecht ernährt. Gestern gab es in Brüssel nur Weißbrotweckerl den ganzen Tag. Da muss man sehr diszipliniert gegensteuern. Und da ist uns allen der Josef Pröll ein mahnendes Beispiel.
Bleibt da noch Zeit für das Frau-Sein?
Leider nicht. Alle meine Hobbys sind vernachlässigt.
Stimmt es, dass sie früher Künstlerin werden wollten? Malen Sie noch?
Ja, das stimmt. Aber ich male schon seit sieben Jahren nicht mehr. Mangels Talent habe ich es aufgegeben und habe im Gegenzug zu sammeln begonnen.
Sollte man mehr in Kunst investieren, weil der Euro vielleicht baden geht?
Man soll Bilder nur dann kaufen, wenn sie einem Freude bereiten, wenn man sie anschaut. Nichts ist frustrierender als ein Bild, das einem nicht gefällt, viel gekostet hat und im Wert fällt.
Worin investieren Sie?
Ich bin eine konservative Anlegerin: Sparbuch, Immobilien, die ich schon habe, in Bilder und in Schmuck.
Kochen Sie noch, wenn Sie zu Hause sind?
Am Wochenende. Ich pendle zwischen Oberösterreich und Wien und am Wochenende koche ich dann für die Familie.
Sie haben immer die gleiche Föhnwelle wie frisch vom Frisör.
Das ist etwas, worauf man immer achten muss als Ministerin, weil einem jede Minute eine Kamera gegenüberstehen kann. Die Haare müssen immer frisch geföhnt sein, man muss immer Schminkzeug mithaben, damit man nicht glänzt. Die Fingernägel müssen auch ordentlich sein. Ich hab im Auto immer eine Ersatzstrumpfhose. Eine Ministerin mit Laufmasche ist ein No-Go. Das lernt man im Job,dass man immer die Notfallkits mithat, zum Sanieren. Die Männer haben bloß die Reservekrawatte dabei.
Wird man von den männlichen Kollegen komisch beäugt?
Nein, eigentlich nicht. Es ist eine Männerbranche aber wir sind schon vier Finanzministerinnen in der EU. Zynisch gesagt: Die Schwierigkeiten werden größer, deshalb dürfen mal die Frauen ran.
Sie haben den Ruf der eisernen Lady, der Harten. Brauchen Sie das in Ihrem Job?
Ich bin generell eine stabile Persönlichkeit. Anderseits bin ich ein emotionaler Typ. Ich bin keine Teflon-Politikerin, ich will gestalten. Es gibt Kollegen, die lieber repräsentieren und froh sind, wenn sie keine Spur ziehen. Das bin ich nicht.
Sie waren nicht immer eine Freundin der Medien …
Ich bin den Medien total dankbar für das Fekter-Bashing, das sie teilweise betrieben haben. Ich sitze jetzt im Finanzministersessel. Haider haben sie genau auf dieselbe Art und Weise groß gemacht.
Ihre Familie ist öffentlich kaum präsent.
Das stimmt. Mein Mann sagt immer, er ist nicht mein politisches Beiwagerl. Und er geht seit 20 Jahren auf keine politischen Veranstaltungen mit. Meine Tochter arbeitet in München. Sie hat gesagt: „Dort kümmert’s niemanden, dass ich Fekter heiße.“
Ich habe gelesen, Ihr Mann spielt Gitarre und hat ein Motorrad?
Ja, die Gitarre spielt er noch, das Motorrad hat er verkauft. Er hat aber noch seinen Pilotenschein.
Danke für das Interview. Wie war das Moussaka?
Guat woars!
von Marina Delcheva und Philipp Tomisch (Foto)
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arme tochter...
mir tut die tochter leid; ich würd eine namensänderng beantragen (oder heiraten).
leider hat Marina Delcheva nicht nachgefragt, warum die Reichensteuer angeblich kein Geld reinbringen würde.